BERGE – Berliner Act des Monats Juni 2009


Die Spitze der Berge.



Ein großartiges erstes Album (). Besser kann der Karriere-Start eigentlich nicht laufen. Und bis zum endgültigem Durchbruch dürfte es für die Berliner Band BERGE auch nicht mehr allzu lange dauern. Doch bevor es so weit ist, wollte ich sie noch zu einem Interview treffen. Nur ist Zeit leider eine Rarität, und so traf ich Sängerin Marianne und Schlagzeuger Rocco in der digitalen Welt des Internet Chats.

popmonitor.berlin: Wie und wo haben Berge denn zusammengefunden?
Marianne: Angefangen hat alles in Berlin-Karlshorst wo ich schon seit Jahren zusammen mit Rocco und Jakob Musik gemacht habe. 2007 kam dann unser Bassist Rüdi durch unseren Freundeskreis dazu und wir waren als Band „Berge“ komplett.

Und dann ging es es gleich zu den Aufnahmen für das Album oder waren ursprünglich auch EPs geplant?
Rocco: Nein, eine EP war nie eine Option. Ich denke, wenn man als Band damit anfängt, zieht sich die Entwicklung des ersten Albums meist ins Unendliche. Und genau das wollten wir vermeiden.

Aber zwei Jahre hat das Album dann doch gebraucht.
Marianne: Bevor die Aufnahmen überhaupt angefangen haben, wollten wir uns erstmal als Band „Berge“ definieren. Das heißt, wir mussten uns selbst erstmal Fragen wie „Wer sind wir?“ und „Was wollen wir vermitteln?“ beantworten.
Rocco: Die zwei Jahre bezogen sich ja auf den gesamten Prozess. Vom ersten Ton bis zur fertigen CD in der Hand. Die Zeit direkt im Studio war knapp ein Monat, da wurden dann hauptsächlich die Drums und der Bass augenmommen. Für die Gesangsaufnahmen und die Gitarren-Sounds haben wir uns letztlich viel Zeit genommen . Dazu kam ja auch noch, dass wir die CD selbst abgemischt haben.
Marianne: Wenn man also bedenkt, was alles in der Zeit passiert ist, sind zwei Jahre doch recht kurz.

Und woher nimmt man den Mut, das Ganze in Eigenregie zu produzieren und zu finanzieren?
Rocco: Wir wollten, dass die CD genau so klingt, wie wir es wollen. Und da wir die technischen Mittel zu Verfügung hatten, gab es für uns gar keine Alternative. In der Phase der Produktion haben wir auch nie darüber nachgedacht, ob es sich letztendlich rechnen wird.
Marianne: Es war uns wichtig unabhängig zu sein und im Alleingang etwas auf die Beine zu stellen, auf das wir am Ende stolz sein können. Klar hat man nicht jeden Tag mit einem Motivationsüberschuss am Mikro gestanden, wenn man eine bestimmte Stelle 100-mal singen musste, doch wenn sich das Ergebnis gelohnt hat, war man dann auch einfach nur glücklich.

War eigentlich von Anfang an geplant, dass die Platte so facettenreich und vielseitig ausfallen soll oder war ursprünglich eine klassische Rock/Pop-Platte geplant?
Marianne: Naja, kreativ sollte sie schon sein ;).
Rocco: Es gab bei den Aufnahmen gewisse Phasen, in denen ich mich beim Produzieren zu Verspieltheiten hinreißen lassen habe, was dann auch der Grund dafür ist, warum die Keyboards und Drums so zirkus-artig klingen. Und dann entwickelte sich daraus halt ein Sound, den wir natürlich auch live genauso rüberbringen wollten. Wir stehen einfach auf sphärischen Sound, doch wollten auch nicht zu experimentell klingen.
Marianne: Wir spielen aber auch viel unplugged, wo unsere Musik abgespeckt wird, was aber auch so ganz wunderbar funktioniert. Im Endeffekt kann man sagen, dass unsere Songs eine Singer/Songwriter-Attitüde tragen, nur mit einem extremen Hang zu bunten Klängen.

Eure Songtexte sind sehr methaporisch gehalten, teilweise sogar kryptisch. Kann man trotzdem klare Themen nennen, die sie behandeln, oder sollen sie eher Bilder für das Kopfkino erzeugen?
Marianne: Ja, gut getroffen. Mir geht es wirklich mehr darum, Bilder zu erschaffen, die jeder für sich interpretieren kann, als klare Aussagen zu treffen. Natürlich habe ich einzelne Gefühle und Gedanken zu den Songs, doch ich mag es lieber, wenn diese undurchschaubar bleiben.
Rocco: Es gab oft Momente beim Texte fertigstellen, in denen wir uns bewusst dafür entschieden haben, dass sie für unterschiedliche Auffassungen funktionieren sollen. Als Grundmotiv kann man aber schon sagen, dass sie von der Natur des Menschens handeln. Nur singen wir halt nicht viel über Themen wie Politik und Liebe. Wie haben gerade mal einen Song, den man als „politisch“ markieren könnte, und das wäre der Song ‚Egal‘. Und was Liebeslieder angeht, gibt es davon glaube ich schon genug ;).
Marianne: Das Problem bei vielen Texten ist einfach, dass schon soviel tausend mal gesagt wurde. Und das dann auch meist auf ähnliche Art und Weise.



Was würdet ihr gemeinschaftlich oder auch einzeln als größten Einfluss auf eure Musik betrachten?
Rocco: Das hat sich in den letzten Monaten enorm gewandelt. Sowohl bei mir als auch bei der Band, nehme ich an. In musikalischer Hinsicht hatten wir anfangs noch eine Menge gemeinsamer Konsens-Bands wie Dredg, Incubus oder Death Cab For Cutie. Aber zum einen hören wir viele dieser Bands kaum noch, und zum anderen geht’s mir persönlich inzwischen so, dass ich im Alltag bestimmte Momente und Erkenntnisse erlebe, die ich musikalisch umsetzten möchte und mich mehr interessieren, als z.b. irgendwelche Gitarrenriffs anderer Musiker.
Marianne: Und ich bin dann sozusagen das ausführende Organ ;).
Rocco: Mich inspirieren viele Gespräche und Interviews mit interessanten Persönlichkeiten, die ich lese. Letztens erst las ich ein Interview mit Jason Mraz, in dem er über die Kunst des Teilens sprach. Danach habe ich wochenlang darüber nachgedacht und meine eigene Rolle als Musiker hinterfragt, bis ich letztendlich zu dem Entschluss kam, dass ich nicht nur den Leuten einen Song vorspielen möchte, sondern viel mehr etwas weitergeben möchte, von dem ich hoffe, die Menschen können davon ein Stück für sich behalten. Mag sich zwar anhören wie typisches Musiker-Gelaber, hat in mir aber eine Menge verändert.

Denkt ihr, der Mainstream ist für eure Musik bereit?
Rocco: Ehrlich gesagt, ja. Ich denke, die Menschen sind enorm reifer geworden durch das Internet. Heutzutage können sich die jungen Leute in einer Form musikalisch weiterbilden, wie sie für mich vor zehn Jahren noch nicht möglich war.
Marianne: Ich denke eher, dass sich „die Masse“ gar nicht so sehr für Musik interessiert und sie eher als Randerscheinung wahrnimmt, wie es für mich z.b. Fußball ist. Ich kann einen guten Spieler nur schwer von einem schlechten unterscheiden. Und wenn ich Lust darauf hätte, Fußball zu gucken, dann ist es mir egal, ob die Mannschaft gut oder schlecht ist. Und genau dieses Verhältnis haben meiner Meinug nach die meisten Menschen zur Musik.

Wie sehr fühlt ihr euch der „Berliner Musik-Szene“ und besonders der Sinnbus-Clique, die zum größten Teil auch aus Karlshorst stammt, zugehörig?
Marianne: Mir gefällt die Musik, die auf Sinnbus erscheint ganz gut. Aber wirklich was zu tun haben wir mit denen nicht. Doch was wir mit den Bands bei Sinnbus gemeinsam haben, ist, dass die genauso ihr eigenes Ding durchziehen, wie wir es tun.

Wie kriegt man als eine der Öffentlichkeit noch weitgehend unbekannten Band über 500 Leute zur Record-Release-Party ins Lido?
Rocco: Ehrlich gesagt, waren wir selbst überrascht. Besonders, weil unsere Aktion mit der Gratis-CD zum Vorverkaufsticket gar nicht so sehr gefruchtet hatte, wie wir uns das vorgestellten hatten. Ca. 75 Leute haben diese Angebot gerade mal in Anspruch genommen. Was uns erstmal in Panik versetzte, vor allem, weil wir finanziell viel in die Sache investiert hatten. Doch dann kamen am Abend all diese Leute und kauften sich vor Ort ein Ticket.

Und das Fazit zu diesem Abend?
Marianne: Es war einfach nur eine Belohung für uns, zu sehen, dass so viele Leute gekommen sind. Und der riesige Stein fiel uns dann auch vom Herzen. Ich persönlich fand es dann auch sehr bewegend zu sehen, wie all unsere Freunde und Familien am Start waren und deutlich machten, wie sehr sie hinter uns und dem, was wir machen, stehen. Was für uns natürlich ein extra Anreiz war, alles zu geben und den Leuten zu zeigen, was sich in den vergangenen zwei Jahren zusammengebraut hat.



Das erste Album ist draußen, eine riesige Release-Party im Lido wurde gefeiert… wie sind eure Pläne für die Zukunft?
Rocco: Wir suchen gerade eine Booking Agentur und darüber hinaus alles, was für eine professionelle Arbeit hilfreich und notwendig ist. Sprich Management, Label, Promotion etc. Vom Songschreiben nehmen wir erstmal eine kleine Pause, werden uns aber in nicht allzu ferner Zukunft wieder damit beschäftigen. Nur habe ich in den letzten zweieinhalb Jahren nahezu täglich für diese Band gelebt. Somit muss ich jetzt erstmal ein bisschen soziale Freiheit genießen.

Wie sieht es mit Live-Auftritten aus?
Marianne: Ein paar kleinere stehen an. Und der nächste Termin wird am 04.07. sein. Da spielen wir bei Peek & Cloppenburg im Rahmen von „So Klingt Berlin“. Und wenn wir bei deren Online-Voting gewinnen sollten, spielen wir ein paar Tage auch dort noch einmal.

Na, dann kann man ja für die Zukunft nur die Daumen drücken. Vielen Dank fürs Interview!

www.hoertberge.de
www.myspace.com/hoertberge

Fotos © Berge
Autor: [EMAIL=eric.ahrens@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der Website]Eric Ahrens[/EMAIL]

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