ECHO & THE BUNNYMEN am 06.11.2005 im Columbia Club


Von ‚Rescue‘ und ‚The Cutter‘ bis zu ‚Stormy Weather‘: Gewohnt coole Performance mit wonniger Nostalgie-Note und überraschend wuchtiger Vehemenz.



Endlich also mal wieder ein Wiedersehen im gut besuchten Berliner Columbia Club mit den legendären Gitarrenwave-Helden um IAN McCULLOCH und WILL SERGEANT, denen ja nie der ganz große kommerzielle Durchbruch gelungen ist, die aber auf viele heutige Bands des so genannten Postpunk-/Wave-Revivals einen nicht unerheblichen Einfluss hatten bzw. haben und in den 80ern definitiv für einige zeitlose Gitarrenpop-Klassiker gesorgt haben.

Mit Siberia veröffentlichte die Band aus Liverpool im September dieses Jahres vier Jahre nach dem 2001er Flowers das dritte Album nach der imposanten Reunion im Jahr 1997, auf dem sie sich in durchaus bestechender Form präsentiert und auf gewohnt romantisch-melancholischen, oftmals hymnischen Gitarrenpop mit charakteristischem psychedelischen Unterton und einem gewissen Hang zu (musikalischer und inhaltlicher) Morbidität sowie natürlich den brüchigen Charme der rauchigen Stimme von McCULLOCH setzt. Produziert wurde es von Hugh Jones, der bereits (und letztmalig) auf dem zweiten BUNNYMEN-Album Heaven Up Here (1981) für den Sound mitverantwortlich war.

Somit verwunderte es dann auch nicht wirklich, dass ECHO & THE BUNNYMEN ihr Live-Set mit zahlreichen alten Songs der ersten Alben bestücken sollten und mit ‚Going Up‘ und ‚With A Hip‘ (von den ersten beiden Alben Crocodiles und Heaven Up Here) trotz Kerzenleuchter und gewohnt dunkel gehaltener Bühne mit etwas ungewohntem, sattem Zwei-Gitarren-Sound zu sechst ungemein furios loslegten, eben so als gelte es, von Beginn an klarzustellen, dass es sich bei ihrem jetzigen Band-Lineup keineswegs um einen müden Haufen alternder, dickbäuchiger Wave-Veteranen auf Nostalgie-Tour, sondern um eine leidenschaftlich aufspielende, prächtig aufeinander eingestimmte Band handelte, die 25 Jahre Bandgeschichte als frisches, ins Hier und Jetzt transferiertes Live-Erlebnis zelebrieren wollte.

Bereits mit dem dritten Song, der großartigen Single ‚Stormy Weather‘, gelang dann auch mühelos der Schwenker zum aktuellen Album, der im Gegensatz zum relativ heftig instrumentierten Auftakt (der einige allzu zartbesaitete Wave-Gemüter mit verzogenen Mundwinkeln schnell in die hinteren Reihen katapultierte) mit filigraneren Gitarrenparts und akzentuierterem Sound bestach, ohne allerdings an mächtigem Drive und dieser zunächst schon ein wenig überraschenden Wucht einzubüßen.

IAN Mc CULLOCH, wie stets mit schwarzer Lederjacke und sonnenbebrillt, präsentierte sich den Gig über sowohl optisch als auch stimmlich in absoluter Topform und hatte seinen berüchtigten Bigmouth-Gestus scheinbar zuvor an der Garderobe abgelegt, reagierte des Öfteren freundlich-ironisch auf Fan-Zurufe und geizte auch nicht mit freundlichen Danksagungen nach den Songs.
Spätestens als er sich rauchend vor seinen Mikroständer kniete und zu den von der Band produzierten Wehmuts-Klängen mit unendlicher Coolness regungslos ins scheinbar Leere starrte, bekam man eine Ahnung davon, wo Liam Gallagher sich eben diese Pose abgeschaut haben dürfte.

Auffällig war, dass neben vier Songs vom neuen Album Siberia und dem wunderschönen ‚Nothing Lasts Forever‘ vom 97er Comebackalbum Evergreen das Gros des Sets von Songs des ersten BUNNYMEN-Kapitels vor dem Split bestritten wurde.
Und obwohl natürlich die etwas überraschende, gelegentlich schon übersteuerte Wucht einiger neuer (‚Of A Life‘, ‚Scissors In The Sand‘) und zahlreicher älterer Songs auch absolut ihren Reiz hatte, waren es doch die etwas gefühlvolleren, mit orchestral anmutender Keyboard-Komponente magisch inszenierten (und der Band generell besser zu Gesicht stehenden) Momente von ‚The Killing Moon‘ oder ‚The Cutter‘ sowie im Zugabenteil von ‚Nothing Lasts Forever‘, ‚Lips Like Sugar‘ oder dem majestätischen ‚Ocean Rain‘ als obligatorischem Schlusspunkt mit den immer wieder wunderbar integrierten melodiösen, gestochen scharfen Gitarrenparts von WILL SERGEANT, die für die herausragenden Highlights dieses mit nostalgischer Note und aktuell hinzugefügter Vehemenz versehenen Auftritts einer großen Band sorgten.

www.bunnymen.com
www.cookingvinyl.com

Autor: [EMAIL=thomas.stern@b-i-b.de?Subject=Kontakt von der Website]Thomas Stern[/EMAIL]

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