
Vor drei Jahren legten HANGWIRE mit Farewell ein erstklassiges Debüt hin, das sich zwischen Post-Punk und düsterem Indierock bewegte. Nun laden sie mit Eulogy For The Nameless nach, das fast doppelt so viele Titel versammelt. Wenn man ein Album von über 90 Minuten aufnimmt, muss das aber nicht unbedingt für Qualität sprechen.
Der Opener „In-Absentia“ schleppt sich als Indierock dahin, ohne auf den Punkt zu kommen. Sänger ANDRÉS D’SOUZA versucht noch immer nicht mehr Gesang zu zeigen. „Wither“ hat dann die freundlichen THE CURE-Gitarren und er klagt weiter: „She will take me under.“
Die Band hat vom Post-Punk meist nur noch den Beat gelassen wie in „Nerv“ und will stattdessen lieber Indie spielen. Das geht bei „June“ sogar in die Shoegaze-Richtung. Es folgen leider recht ähnliche Titel von bis zu acht Minuten Länge, die von echten Rockern wie „The Trial“ oder „Void Syndrome“ unterbrochen werden. Gut geschriebene Stücke wie „Caught In A Fever Dream“ mit beängstigender Hook oder „Thorn On Your Side“ mit Chorgesängen sind nicht die Masse. Nur „Decay“ ist ein Ausreißer im Songwriting als atmosphärisches, finsteres Post-Punk-Stück inklusive Geschrei.
Der Eindruck entsteht, dass am Ende niemand mal drübergeschaut hat, was ein gutes Album ergeben würde. Man hätte die 18 Songs um die Hälfte kürzen können und es hätte weder an Gedanken noch Melodien wirklich gefehlt. Es wäre sogar besser geworden.
Hangwire
Eulogy for the Nameless
(Artoffact Records)
VÖ: 27.03.2026