ARCTIC MONKEYS + SEIDENMATT am 06.03.2007 im Postbahnhof
07.03.2007 von ts
Exklusiver, mit großer Spannung erwarteter Berlin-Gig zum im April erscheinenden neuen Album "Favourite Worst Nightmare".

Etwas ungewöhnlich mutete die Kombination aus ARCTIC MONKEYS und den von uns ja überaus geschätzten Berliner Postrock-Virtuosen von SEIDENMATT (Berliner Act des Monats September 05) auf den ersten Blick schon an, stehen die Berliner ja doch eher für filigran erdachte Instrumentalflächen und indiepoppigen Instrumentalrock, denn für explosiven Britrock mit Punk-Anleihen.
Zu gerne hätte der Autor dieser Zeilen die Berliner Jungs in diesem auch für sie sicherlich aufregenden und ungewöhnlichen Rahmen begutachtet und auf ihr Massenkompatibilitätspotenzial hin überprüft, doch leider kam er nur noch in den Genuss des letzten Songs, was in Verbindung mit dem Eindruck von früheren Auftritten zumindest eine Ahnung dessen erzeugte, was die Band zuvor in der riesigen Gleishalle des Postbahnhofs abgeliefert haben dürfte.
Beim letzten Song wurde auf jeden Fall in bekannt zurückhaltender und souveräner Art ordentlich aufgefahren und mit Unterstützung einer mittig platzierten Cellistin und Thom Kastning von Kate Mosh an einer weiteren Gitarre ein atmosphärisch verdichtetes und voluminös ausuferndes Postrock-Monster zunächst erschaffen und schließlich wieder gebändigt. Einige jüngere (britische) Arctic Monkeys Fans schienen da doch überfordert und wähnten sich prügelnderweise scheinbar in einem Fußballstadion, doch die Möglichkeit des tanzenden Abbaus von angestauten Aggressionen stand ja mit dem mit großer Spannung erwarteten Gig der britischen Überflieger aus Sheffield glücklicherweise noch bevor.
Natürlich war die Gleishalle oben im Postbahnhof angesichts dieses exklusiven Deutschlandgigs im Vorfeld des im April erscheinenden zweiten Albums Favourite Worst Nightmare so gut wie ausverkauft, und die Band um ALEX TURNER stieg dann auch auch dem Anlass entsprechend standesgemäß mit zwei neuen Stücken ein, die allerdings in einem ziemlich matschigen und mit zu viel Hall versehenen Sound gleich mal grandios versenkt wurden. Da bedurfte es dann schon ihres wohl bis heute unerreichten Geniestreichs 'I Bet You Look Good On The Dancefloor', das bereits als drittes Stück nahezu "verheizt" wurde, um mittels nunmehr glücklicherweise angemessenen besseren Sounds, sich gegenseitig befeuernder Gitarren sowie rasant vorantreibenden Drives eine erste Euphorie- und Tanzwelle unter den ausgelassen tobenden Fans loszutreten.
Nach diesem Schema sollte es dann auch weitergehen, hier ein neuer Song, da einer dieser das Energielevel immer wieder spielend leicht steigernden Indie-Blockbuster wie 'The View From The Afternoon', 'Mardy Bum' oder 'When The Sun Goes Down', die die naturgemäß immer wieder leicht abflauende Stimmung während der neuen Songs schnellstens wieder anhoben. Doch auch die erstmals gehörten Stücke ließen oft genug aufhorchen, schienen zudem facettenreicher strukturiert und lieferten den Fans gegen Ende mit einem 'I Bet You Look Good On The Dancefloor' nicht unähnlichen Knaller inkl. ähnlich explosiv ineinanderlaufender Gitarren und prächtig nach vorne stürmendem Beat auch noch einen potenziellen neuen Lieblingssong.
Im Vergleich zu ihrem furiosen Auftritt in der Columbiahalle im vergangenen Jahr präsentierten sich die ARCTIC MONKEYS keineswegs weniger leidenschaftlich, aber doch schon deutlich abgeklärter, und auch die ein oder andere Zugabe hätte sicherlich nicht wehgetan. Freuen wir uns nun aber einfach auf Favourite Worst Nightmare, dessen Songs vermutlich auf der nächsten Tour ebenso begeistert abgefeiert werden wie die ihres epochalen Debüts Whatever People Say That’s What I’m Not.
www.arcticmonkeys.com
www.seidenmatt.de
Foto (c) Verstärker
Autor: Thomas Stern
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