ARCTIC MONKEYS + THE CORAL am 09.07.2007 in der Columbiahalle
16.07.2007 von ak
Get on your dancing shoes you sexy little swine!

Nachdem die ARCTIC MONKEYS bereits vor etwa vier Monaten für die Deutschlandpräsentation ihres zweiten Albums Favourite Worst Nightmare (CD-Kritik) die Gleishalle des Berliner Postbahnhofes bespielt haben, kehrten sie nun im Rahmen ihrer Europatournee in die Hauptstadt zurück.
Diesmal war der Ort des Geschehens mit der Columbiahalle eine Spur kleiner gewählt, doch ist die Halle am Columbiadamm in Punkto Sound, Atmosphäre und tatsächlichem wie gefühltem Kontakt zur Band den größeren Hallen wie der Arena oder eben der Gleishalle im Postbahnhof oft weit überlegen. So versprach es also ein intensiver Abend mit dem Quartett aus Sheffield zu werden, das sich auf dieser Tour von der ebenfalls britischen Combo THE CORAL begleiten lässt.
Ein paar versprengte Restkarten waren an der Abendkasse noch zu haben, doch auch diese waren schnell vergriffen. Die Fangemeinschaft der Affen ist zahlreich und treu erschienen, auch wenn die letzte Berlin-Show kein halbes Jahr her ist. Schon der Support wurde begeistert empfangen, dabei pflegen THE CORAL im Gegensatz zum Headliner eher ruhigeren harmonischen Rock. Gerade ältere Singles wie 'Pass It On' und 'Something Inside Of Me' werden auch hierzulande von gut sortierten Radio- Stationen gespielt und waren dem Publikum daher wohl auch zumindest teilweise bekannt, gefeiert wurde eh schon. Neben eindringlich angeschlagenen Akustikgitarren verstehen es die Jungs aus Liverpool aber auch, amtlich Lärm zu machen und leiteten mit 'She's Got A Reason' ihr furioses Finale ein. Allein mit dieser letzten und klar energischsten Nummer dürften sich THE CORAL viele neue Freunde hier in Berlin und auf der Tour insgesamt erspielt haben.
Die Umbaupause dauerte einen entspannten Drink lang, bevor die ARCTIC MONKEYS die Bühne betraten. Und die Band um Frontmann ALEX TURNER legte gleich richtig los: Von den ersten Tönen von 'The View From The Afternoon' an gab es praktisch bis zum Zugabenblock keine Ruhephase, keine Möglichkeit sich einmal vom Geschehen auf der Bühne abzukehren und sich vielleicht mit befreundeten Mit-Konzertgängern zu unterhalten. Gleichzeitig springen und sich fast schon debil angrinsen, das ging. Während des 80-Minunten-Sets hatte die Spannung nicht einmal die Chance, spürbar abzunehmen. Die Bar der Columbiahalle war und blieb erstaunlich leer während des Auftritts, keine Zeit zum Luft-, geschweige denn Getränkeholen. Die ARCTIC MONKEYS sind eine unglaubliche gute Live-Band geworden, nicht nur dank der rohen Energie, die sie mit ihren Songs transportieren, sondern auch durch die kraftvolle Präzision, mit der sie das tun. Schon die an überdimensionierte OP–Lampen aus dem 18. Jahrhundert erinnernden vier Bühnenspots, die am hinteren Ende der Bühne aufgereiht praktisch das gesamte Bühnebild darstellten, wurden dem authentischen Anspruch einer ehrlichen Rockshow gerecht. Keine hochauflösenden Bildschirmwände, die zusammengesetzt aus 10.000 Monitoren in virtuelle Turbulenzen führen, sondern vier Leuchten, gerade, schnörkellos, groß, ein Bühnenbild, das Programm machte.
Waren bei der Show im Postbahnhof (Konzertbericht) die Stücke des zweiten Albums noch zwangsläufig unbekannt und dadurch etwas weniger euphorisch begleitet worden, ist bei diesem Rückspiel kein Unterschied mehr auszumachen gewesen. Mit 'Brianstorm' im ersten Drittel des Sets über 'I Bet You Look Good On The Dancefloor' etwa in der Mitte bis hin zu 'When The Sun Goes Down' gegen Ende der Show waren die absoluten Höhepunkte einer insgesamt grandiosen und beispiellos energiegeladenen Performance gut verteilt. Dies war einer der sehr guten Konzertabende in der Columbiahalle.
www.arcticmonkeys.com
www.thecoral.co.uk
Foto: © ARCTIC MONKEYS
Autor: Alexander Knoke
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