I HEART SHARKS – Berliner Act des Monats Juli 2009
25.07.2009 von ts
Glitzer, Schweiß und Hitze.

Seit gut einem Jahr mischen die sich ursprünglich aus Mitgliedern aus England (London) und Deutschland rekrutierenden und 2007 in Berlin gegründeten I HEART SHARKS mit einer fulminanten Melange aus Electro, Indie und Pop die hauptstädtische Liveszene auf und sind getreu ihres verinnerlichten Mottos "Glitzer, Schweiß und Hitze" absolut verlässliche Garanten für ein stets enthusiastisch abfeierndes und tanzendes Publikum, egal ob in angesagten, größeren Clubs wie dem Tape und dem Bang Bang Club oder im Treppenhaus der Villa Berlin.
Anlässlich ihres Auftritts bei popmonitor.berlin.live am 24.07. im Rosi's (w/ MIT + NEAVE/London) sprachen wir mit der Band über ihre Positionierung in der Berliner Musikszene, ihr sympathisches Selbstverständnis als "echte", unperfekte (Live-) Band, Pläne für ein erstes Album und den überraschenden Tod von Michael Jackson.
popmonitor.berlin: Erzählt doch bitte kurz etwas zur Bandgeschichte. Wie habt ihr euch kennen gelernt, aus welchen Städten stammen die einzelnen Mitglieder ursprünglich, warum die Entscheidung für Berlin? Und gibt es einen tieferen Sinn hinter dem Bandnamen?
I Heart Sharks: I Heart Sharks ist durch Aushänge und Internetanzeigen zusammengekommen; wir sind alle fast gleichzeitig nach Berlin gezogen (Pierre aus London, Simon aus Dresden, Georg aus Nürnberg) und wollten Leute kennen lernen, die andere Perspektiven hatten, was Musik angeht – dafür war Berlin die perfekte Stadt. Der Bandname ist von einer Szene in Wes Andersons Film "The Life Aquatic" inspiriert, wo die Schiffsmannschaft endlich den fiktionalen "Jaguar Shark" sieht. Die Szene ist unglaublich schön und einfach, vor allem auch menschlisch, und ich glaube, das beschreibt die Einstellung zu unserer Musik am besten.
Gab es von Beginn an einen Konsens für die stilistische Ausrichtung der Band? Habt ihr so etwas wie einen klassischen "Hauptsongwriter", wie entstehen die Songs generell?
Das Konzept von I Heart Sharks ist, dass alles live gespielt wird – wir sind keine Macbook-Band. Wir sind echt und unperfekt, Musik von Maschinen,aber von Menschen gespielt. Die Lieder sind wie komplizierte Kinder mit drei Vätern.
In eurem Sound sind unter anderem auch deutliche Anleihen aus Postpunk und Wave auszumachen, wie steht ihr generell zum seit einigen Jahren boomenden 80er Revival um Bands wie Editors, Interpol, Bloc Party, Wombats etc. oder aktuell zum wiederbelebten Synthiepop a la La Roux. Was hat euren Sound generell am stärksten geprägt, welche Einflüsse sind für euch maßgeblich?
Interpol und Bloc Party finde ich geil, die Reste sind alle nur Replikas von besseren Bands. Wir sind wie die Geier des Pop, wir hören manchmal schreckliche Musik und nehmen davon kleine Einflüsse. Ein wesentlicher Einflüss ist auch die Berliner Techno Szene – wir alle lieben Künstler wie Len Faki und Format B.
Apropos 80er, in eurem myspace-Blog befasst ihr euch auch mit dem überraschenden Tod von Michael Jackson. Wie habt ihr auf die Nachricht vom Tod des "King Of Pop" reagiert, welchen Bezug habt bzw. hattet ihr zu ihm bzw. seiner Musik?
Man kann alles über MJ als Mensch erzählen, von bösen Geschichten über Kindersex bis hin zu seiner Hautfarbe – aber man darf niemals etwas Schlechtes über seine Musik, seinen Tanz und seine unendliche Leidenschaft für seine Arbeit sagen. Es gibt ein geiles Video auf youtube, in dem er mit James Brown und Prince auftaucht. Auf jeden Fall angucken. Wie wahnsinnig genial dieser Musiker war, und warum Abermillionen um seinen Tod trauern, habe ich erst begriffen, als ich sein Konzert in Bukarest von 1992 auf Video gesehen habe. Da spürt man sofort seine überwältigende Magie.

Für die relativ kurze Zeit eures Bestehens habt ihr ja schon eine recht beeindruckende Gigografie aufzuweisen (u.a. Tape Club, Lovelite, Bang Bang Club, Lindenpark Potsdam, Astra Stube Hamburg). Wart ihr selbst von diesem doch relativ schnell eintretenden "Erfolg" überrascht (auch angesichts der gemeinhin relativ schwierigen Bedingungen für junge, neue Bands in Berlin)? Was waren dbzgl. eure bisherigen Highlights? Wie kommt ihr generell außerhalb Berlins an
Unsere Lieblingskonzerte sind die kleinen, intimen Sachen. Es gibt nichts besseres, als diese Grenze zwischen Publikum und Band zu brechen, wenn alle zusammen abgehen. Glitzer, Schweiß und Hitze. I Heart Sharks ist haupsächtlich eine Live-Band. Es geht darum, Leuten zu zeigen, dass diese Musik von echten Menschen gespielt wird. Außerhalb von Berlin haben wir zum Beispiel in Frankfurt und Leipzig besonderen Erfolg gehabt.
Woher rührt euer (sympathisches) Credo, auf der Bühne komplett auf Sounds aus der Konserve zu verzichten und alles live zu spielen? Was möchtet ihr live transportieren, wann ist ein Gig für euch gelungen?
Als wir das erste Mal zusammen gekommen sind, hatten wir den Hype um Justice, BoyzNoize usw. vollkommen satt. Wir wollten uns mit unserem Live-Konzept davon distanzieren, und klar machen, dass wir als Musiker auf die Bühne kommen und nicht als Computer-Tüftler.
Fühlt ihr euch zu einer speziellen Berliner Szene bzw. einem Netzwerk aus Musikern, Künstlern, Clubs zugehörig oder ist das für euch nicht wichtig? Welche Berliner Acts, die vielleicht noch relativ unbekannt sind, möchtet ihr empfehlen?
Berlin ist voll mit tollen Künstlern, die einander helfen wollen. Ich hab was gegen Bands, die sich nur um sich selbst kümmern – es ist, als ob sie Angst hätten, etwas zu verlieren. Blöd. Wir organisieren gerne Konzerte mit anderen Bands. Unsere frechen Freunde Onkel Berni machen lustigen Selbst-Diss Hip Hop Electro, sollte man sich auf jeden Fall mal anhören. Ich mag sehr gerne Deci-Dela, zwei Französinnen, die süße CocoRosie-artige Lieder machen. Ihr müsst euch auch mal Nico Teen von Two For The Show anhören, definitiv was Neues und Frisches für die Berliner Electro-Szene.
Vermutlich gibt es ja bereits Pläne für ein Album, wie weit sind diese fortgeschritten und möchtet ihr dafür professionelle Strukuren nutzen, also seid ihr auf der Suche nach einem Produzenten, Label und Vertrieb? Oder gehört es vielleicht auch zu eurer Philosophie, dies zunächst einmal in klassischer DIY-Manier anzugehen?
Ein Album würden wir gerne mit einem Produzenten aufnehmen, der mit Künstlern gearbeitet hat, die uns gefallen. Es wäre für uns eine neue Erfahrung, nicht alles komplett unter Kontrolle zu haben, aber ich bin mir sicher, dass es unsere Musik sehr viel weiter bringen würde. Wenn man ein Lied geschrieben und hundert mal gespielt hat, verliert man irgendwann das Gefühl dafür, was man verbessern könnte. Wir müssen nur jemanden finden, dem wir ein Mitspracherecht geben wollen, der perfekt zu uns passt. Wir würden dafür auch gern mit anderen Künstlern zusammenarbeiten. Diesen Sommer spielen wir weniger Shows, um ein paar neue Lieder fertig zu schreiben, ich bin gespannt, wie sie sich anhören werden.
Am 24.07. spielt ihr im Rahmen von popmonitor.berlin.live zusammen mit MIT und den Londonern von NEAVE im Rosi’s. Was erwartet ihr euch von dem Abend, was können die Besucher von eurem Auftritt erwarten (neue Stücke, Überraschungen, Sonstiges)?
Wir freuen uns sehr, mit den beiden zu spielen, MIT hab ich einmal im Tape gesehen, ich mag die Stimme sehr. Überraschungen? Simon kann leider nicht dabei sein, deswegen haben wir ihn geklont… das Ergebnis ist eine kleinere Version von ihm namens Marian, unserem Ersatzgitarristen für dieses Konzert.
Wenn ihr die Wahl hättet: Welche Bands würdet ihr gerne supporten, auf welchen Festivals würdet ihr gerne spielen, in welcher Berliner Location möchtet ihr auf jeden Fall nochmal auftreten?
Friendly Fires, DAF oder Forward Russia. Festivals… Melt! und Glastonbury? Fusion? Auch ein klitzekleines in Schweden namens Skankalos. Einmal haben wir auf dem Treppenhaus im Villa gespielt, so was würde ich sehr gerne wieder mal machen.
I HEART SHARKS am Freitag, 24.07.09 live im Rosi's (w/ MIT + Neave), am 29.07. im Grüner Jäger (HH, w/ Use Your Fucking Headphones) und am 08.08. beim Jenseits von Millionen Festival in Friedland (Brandenburg)
www.myspace.com/iheartsharksmusic
Autor: Thomas Stern
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