Christliche Routine / Alte Mistgabel rostet nicht
COMBICHRIST:
Der Festivalreigen des diesjährigen WGT wurde am Freitag Abend für mich persönlich durch die norwegischen Electric Hatecore Freunden von COMBICHRIST eröffnet. Mastermind Andy LaPlegua durfte auf diesem WGT übrigens Doppelpräsenz zeigen: Neben dem freitäglichen Gig war er am Sonnabend zusätzlich mit seinem etwas friedlicheren Projekt Icon of Coil zu Gast.
Für seinen ersten Auftritt jedenfalls trat er der Einfachheit halber gleich von Anfang an mit freiem Oberkörper aufs Parkett. Zur Freude vieler Damen diente lediglich ein mit Bodypaint aufgetragener Schwarzhemd-Ersatz als oberkörperliche Hülle.
Die Playlist war gut gewählt und extrem tanzbar, allerdings für meinen Geschmack etwas zu routiniert und homogen heruntergespielt. Es wirkte alles sehr durchgetaktet, ohne jedwede Improvisation oder Zufall. Herr L. zeigte zwar ordentlich Einsatz, allerdings auch nicht ein Quäntchen mehr als für die Show nötig. Wer weiß, vielleicht wollte er seine Kräfte wegen des Gigs am nächsten Tag nicht überstrapazieren.
Wie auch immer, für die meisten Zuhörer in der proppevollen Agra Halle war es jedenfalls genau das, was sie hören wollten: Alle Hits mit ordentlich Wumms und zwei Livedrummern dargeboten, was will man mehr?
PROJECT PITCHFORK:
Der freitägliche Hauptact wurde mit PROJECT PITCHFORK von einer der dienstältesten deutschen Electro-Formationen der Schwarzen Szene gestellt. Die alten Recken begannen etwas zu spät, dafür umso entspannter und in bester Laune. Selbst eine PA-Panne brachte niemanden aus der Ruhe, und die dadurch entstandene Pause wurde mit lustigen Sprüchen gen Publikum professionell überbrückt.
Sänger Peter Spilles brachte höchst energetischen Einsatz, und Lead-Keyboarder Dirk Scheuber bewies trotz so einiger zugelegter Kilos, dass man als Synthiemann nicht stur und starr hinter seiner Box verharren und mit gesenktem Blick an diversen Knöpfchen drehen muss, sondern fleißig mit einheizen und mit dem Publikum interagieren kann. Angenehmerweise war auch Carsten Klatte, der hagere Mann an der Gitarre, dieses Mal gut zu hören und ging nicht wie so oft im Synthie- und Drum-Gewitter unter.
Zum letzten Drittel des Sets bat man den ebenso alten Gothic-Jünger MYK JUNG auf die Bühne, vielen bekannt durch sein Musikprojekt The Fair Sex oder seine literarische Satire auf den Herrn der Ringe, und bot die letzten Hits gelungen im Duett dar.
Das Publikum erklatsche sich noch zwei Zugaben, wobei hier erstaunlicherweise nicht der Pflichtsong K.N.K.A. zum Besten gegeben wurde.
COMBICHRIST
PROJECT PITCHFORK
Alle Fotos © Alex "dark lx" Lorenz
www.wavegotiktreffen.de
Autor: Alex Lorenz