LONSKI & CLASSEN - Berliner Act des Monats November 2009
13.12.2009 von js
Zwischen sanfter Melancholie und großen Gefühlsausbrüchen: LUKAS LONSKI und FELIX CLASSEN im Interview.
LONSKI & CLASSEN am Freitag, 08.01.2010 bei Popmonitor live im NBI (w/ CHASE THE DRAGON) + Party
popmonitor: Zunächst noch nachträglich herzlichen Glückwunsch zu Eurem tollen Album Climbing On Branches! Macht Ihr Euch eigentlich Gedanken darüber, ob die Leute das Album mögen oder ist Euch das relativ egal, so lange Ihr damit glücklich seid?
L & C: Danke. Uns ist es natürlich wichtig, dass die Platte den Leuten gefällt. Nicht nur, weil man sich dadurch besser fühlt, sondern auch, weil es eine existentielle Frage ist, ob die Leute mögen, was wir machen.
Lukas, wann und weshalb hat es Dich nach Deutschland verschlagen?
Wo hast Du Felix kennengelernt und wie kam es zu der Entscheidung, gemeinsam nach Berlin zu gehen?
Diese lange Geschichte mache ich ganz kurz; Ich bin ein paar Monate vor dem Fall der Mauer mit meiner Familie über Berlin nach Westdeutschland übergesiedelt. Meine Eltern haben in der Zeit des Kriegszustandes in Polen Anfang der 80er die Ausreise beantragt und es hat eben fast zehn Jahre gedauert bis wir durften. Felix habe ich dann in der dritten Klasse meiner ersten deutschen Grundschule kennen gelernt. Er hat mich zu seinem Geburtstag eingeladen. Nach der Schule haben wir uns entschlossen für ein Jahr nach Südamerika zu gehen. Haben wir dann auch gemacht. Wir kamen mit dem Gefühl zurück, dass alles Möglich ist und die ganze Welt uns offen steht. Weil wir aber unsere Freunde in unserem Umfeld haben wollten, war Berlin der einzige Ort auf der Welt der in Frage kam. Nah und groß genug. Das war eine gute Entscheidung.
Ihr habt lange Zeit im Berliner Osthafen ein eigenes Proberaumstudio betrieben und dort in regelmäßigen Abständen ganztägige Events mit u.a. Gratiskonzerten mit befreundeten Musikern gefeiert. Ist in dieser Zeit auch Euer (selbstbetiteltes) Debütalbum entstanden? Welchen Einfluss haben/hatten Freunde, Wegbegleiter, wenn die Songs quasi im öffentlichen Raum entstehen und unmittelbar live präsentiert werden?
Die Osthafenzeit war für uns sehr wichtig. Wir haben dort angefangen uns vor dem, was wir machen, nicht zu fürchten. Das erste Album ist in dieser Zeit entstanden, jedoch sind wir dafür aufs Land gefahren, wo es nix gab. Die Konzerte, die wir dort veranstaltet haben, waren für mich, jetzt kann ich es ja sagen, die besten Konzerte in Berlin überhaupt. Das ging natürlich auch nur, weil es ausschließlich um die Freude daran ging. Musikalische Einflüsse haben wir vor allem unseren Lieblings-DJs Wald und Wiese und Monokid zu verdanken.
Euer altes Studio ist ja den stadtplanerischen Ambitionen Berlins zum Opfer gefallen. Wo habt Ihr Euer neues Refugium gefunden? Und hat sich Eurer Arbeitsweise, insbesondere am aktuellen Album im Vergleich zu früher stark verändert?
Wir sind mittlerweile mitten in der Stadt angekommen und haben unser Leben als glückliche Outsider aufgegeben. Wir sind musikalisch extrovertierter geworden, auch lauter und schneller. Auf dem neuen Album haben wir probiert unser Zusammenspiel stärker heraus zu stellen. Schließlich machen wir seit 15 Jahren Musik miteinander. Zurzeit sind wir immer noch dabei zu entdecken und auch wieder zu entdecken, wie viel gute Kraft das birgt.
Lonski & Claßen ist ein sehr "simpler", weil ungekünstelter Name für eine Band. Steht dieser Name auch für eine Ebenbürtigkeit und Gleichberechtigung beider Musiker, was den Entstehungsprozess der Songs, also den musikalischen und textlichen Input betrifft?
Wenn Lonski & Classen Musik machen, dann machen halt eben Lonski und Classen Musik. Der eine ist ohne den anderen nicht mehr das Eine. Simpel.
In den Presseberichten zu Lonski & Claßen wird mit Namen aus der Referenzhölle nicht gegeizt. Die Rede ist u.a. von Thom Yorke, The Sea and Cake, Erlend Øye oder auch Talk Talk. Wie beschreibt Ihr in eigenen Worten Eure Musik? Und welche Bands/Musiker haben Euch tatsächlich am meisten beeinflusst?
Die Vielzahl der musikalischen Referenzen drückt wahrscheinlich aus, wo wir uns bewegen; genrelose schubladefreie Musik. Das war nie Absicht, aber wir scheinen uns damit doch am wohlsten zu fühlen. Das waren nie Namen, die uns beeinflusst haben. Es waren zufällige oder wenn man will schicksalhafte Momente, in denen eine richtige Musik am richtigen Ort uns prägte. Konkret heißt das: Ich war umgehauen, als ich auf einem 50 Leute Festival in Mecklenburg-Vorpommern das erste Mal Castanetes „You are the blood“ hörte und die Sonne ging auf. Die gleiche Sonne geht eben nicht immer beim gleichen Lied auf.
Die Rede ist auch immer wieder von loop-basiertem Post-Rock? Das loop-basiert kann ich nachvollziehen, aber: Wo ist der Post-Rock bei Lonski & Claßen?
Die Loops sind seit dem neuen Album eher Musikgeschichte. Post-Rock ist als Begriff dann gescheitert, als keiner mehr wusste, was er noch bedeuten soll. Und nichtsdestotrotz; ja, wir machen Post-Rock. In erster Linie geht es uns aber um einen persönlichen Stil, der nur treffend mit Lonski & Classen Musik beschrieben werden kann. Schluss jetzt.
Nach Eurem Record-Release-Konzert am 30.10.09 im Ballhaus wart/seid Ihr im November und Dezember live unterwegs. Wie sind die Reaktionen außerhalb Berlins auf Eure Musik? Und wie geht es 2010 mit Lonski & Claßen weiter?
Das Publikum in anderen Städten und Ländern reagiert auf uns mit Erstaunen. Die Leute sind verwundert, was zu zweit tatsächlich gehen kann. Wir geben uns auch jedes Mal Mühe über unsere Grenzen hinaus zu spielen. Die Veranstalter bedauern dann meistens uns nicht im größeren Rahmen angekündigt zu haben. Das macht Hoffnung für unsere Tour 2010. Wir wollen ja unsere Platte Climbing On Branches auch möglichst Vielen vorstellen.
Zum Abschluss würde mich noch interessieren, ob es Bands/Solisten aus Berlin gibt, die Ihr uns und unseren Lesern ans Herz legen möchtet (gerne mit Link zur Website)?
Wir würden gerne:
JUPITER MOLL http://www.myspace.com/jupitermoll
AIR CUSHION FINISH http://www.myspace.com/madeinusb
KIKI BOHEMIA http://www.myspace.com/kikibohemia
GOLDEN DISKO SHIP http://www.myspace.com/goldendiskoship
ELLEN SCHNEIDER http://www.myspace.com/ellenschneider
JASMINA MASCHINA http://www.myspace.com/jasminemaschine
EJ BEKOT http://www.myspace.com/ejbekot
euch ans Herz legen. Auf jeden Fall raten wir dringend deren Konzerte zu besuchen.
Danke für das Beantworten unserer Fragen & alles Gute!
LONSKI & CLASSEN live am 19.12.2009 im LUX.
Das aktuelle Album:
LONSKI & CLASSEN
Climbing On Branches
(Matrosenblau/Indigo)
VÖ: 30.10.2009
http://www.lonskiandclassen.com
http://www.myspace.com/lonskiandclassen
Autor: Jana Schuricht
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