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  Interview mit TAKING DAWN
Interview mit TAKING DAWN
15.03.2010 von das


Über europäische Parkplätze, ungarische Schmiergelder und unschuldige Sexsucht – TAKING DAWN im Interview.





"Bisher war die Tour wirklich erfolgreich und die Reaktionen im Publikum überaus positiv", sagt ein grau melierter, massiger und hoch gewachsener Mann in seinen 50ern über den Erfolg TAKING DAWNS auf ihrer ersten Europatournee aus. Solche Worte hört man oft von Managern, Bandmitgliedern oder Promotern, selten aber hört man sie aus dem Mund eines Vaters, denn wie oft schon ist ein Vater auf der Tour seines Sohnes mit vor Ort. Aber bei der Tour von Airbourne mit den noch Jungdynamikern und 80er-Sleazern von TAKING DAWN als Support ist so etwas möglich.

Mikey Cross, Gitarrist und Sohnemann, freut sich über die Anwesenheit seines Vaters: "Er macht sich echt gut als Roadie!", lacht der dunkelhaarige 1,92-Mann nach erfolgreichem Soundcheck und kurz bevor sich die Tore des ausverkauften Huxley's für knapp 1.500 Rockfans öffnen. Außerdem fragt Mickey dann noch, ob eigentlich alle in Deutschland Bier trinken. Man merkt schon, sie sind wirklich auf ganz neuen Gefilden und großer Entdeckertour, die in Las Vegas aufgewachsenen Sprösslinge, die sich an 70er/80er-Größen wie Black Sabbath, Dio, Kiss oder Def Leppard orientieren, und es gibt viel zu lernen.

Bei seinem nunmehr dritten Interview überhaupt Backstage im Dressing Room gesteht TAKING DAWN-Bassist und Nesthäkchen Andrew (21), dass er ein bisschen nervös ist. Aber nicht nur wegen dem Interview: "Berlins Publikum soll kritisch sein. Allgemein haben wir über das europäische Publikum gehört, dass es knallhart ist: Wenn du es als Band nicht bringst, dann wirst du gnadenlos mit Zeugs beworfen!" Und, schon beworfen worden? "Bisher nicht! Nur einmal mit einem vollen Bierbecher, was aber wohl nett gemeint war. Leider konnte ich ihn nicht auffangen."

Und wie war es in Osteuropa, speziell in Ungarn/ Budapest? "Um ehrlich zu sein, war das ganz schön heftig. Wir wurden nämlich an der Grenze rausgezogen und mussten 200€ Schmiergeld zahlen, sonst hätten die uns nicht weiter fahren lassen."

Von solchen Strapazen konnten sich die Jungs ja aber womöglich wenigstens während ihrem freien Tag in Berlin erholen, oder? "Naja. Wir haben den ganzen Tag gestern nur damit zugebracht, nach einem Waschsalon zu suchen und unsere Wäsche zu waschen. Wir haben absolut gar nichts von Berlin sehen können", bedauert Andrew, und Drummer Alan bestätigt aus dem Hintergrund zwischen Kaugeräuschen: "Jepp, Berlin wird für uns ab sofort immer die 'Laundry-City' sein!"

Klingt wenig glamurös, im Gegensatz zu dem, was man so über Las Vegas hört: "Las Vegas ist und bleibt die beste Stadt! Wirklich, es gibt keinen besseren Ort." Was ist denn dort so viel besser als anderswo? "Die Parkplätze! Nein wirklich. Hier in Europa gibt es überall nur diese winzigen Autos und diese viel zu engen Parkplätze, weswegen wir unser Zeug ständig durch die Gegend zu den Venues tragen müssen. In New York und Los Angeles ist das auch nicht viel besser."

Und wie sieht es so mit der Musikszene im Parkplatzparadies aus? "Schlecht", gibt Andrew zu. "Es gibt kaum eine Möglichkeit für junge Bands zu spielen. Die Jugendclubs spielen sich ständig gegeneinander aus oder gehen pleite, da sie keinen Alkohol servieren dürfen. In den Bars dagegen floriert das Geschäft, aber du kannst deine Freunde nicht einladen, da sie niemanden unter 21 reinlassen, das macht wirklich keinen Spaß."

TAKING DAWN haben bisher für einige große Bands wie Dragonforce, Lacuna Coil oder jetzt eben Airbourne als Opener dabei sein dürfen. Von daher müssen wenn, dann sie eine Antwort auf die Frage wissen, ob was an dem Gerücht dran ist, dass die Supportbands oft bewusst einen schlechteren Sound als der Headliner verpasst bekommen. "Leider ist das nicht unwahr", sagt Andrew vorsichtig, "wobei wir mir Airbourne in der Hinsicht wirklich keine Probleme haben, die Jungs sind super, aber es gab da eine andere Band, deren Namen ich nicht nennen will. Als wir bei denen im Vorprogramm spielten, wurde uns, bzw. unserem Soundtechniker gesagt, wir wären vertraglich an einen schwächeren Sound gebunden. Von dem Vertrag haben wir allerdings nie irgendwas gesehen, das sollte wohl nur unseren Soundmann einschüchtern. Aber ja, an dem Gerücht ist also teilweise was dran."





Im Titelsong des ersten und bisher einzigen Albums, Time To Burn, heißt es an einer Textstelle 'Kill Your Idols'. Wen genau würden TAKING DAWN denn da umbringen wollen? "Uff, das ist schwer", meint Andrew, "die Texte schreibt ja Chris, unser Sänger und Gitarrist, und nicht ich. Aber wenn ich so überlege, würde ich vielleicht sagen, Bin Laden. Wobei der ja nicht wirklich ein Idol ist, verdammt." Nach kurzem Überlegen und einer Debatte über paradoxe Aussagen, kommt Andrew dann doch zu einem Schluss: "Ich glaube, was Chris sagen wollte ist, dass die meisten Idole heutzutage nicht echt, sondern nur Fassade sind, geprägt durch die Medien und Zeitungen und man sich daher genau überlegen soll, wen man sich als Vorbild aussucht."

"Apropos "genau aussuchen" und damit auch schon zur letzten Frage: Bei der Frauenwahl scheinen TAKING DAWN ja nicht besonders wählerisch und knauserig zu sein, wenn man z.B. die Selbstbetitelung Mikeys auf seiner Myspace-Seite als "Pussymonster" oder Chris' Statement auf der Bandhomepage, "We're taking the Drugs out of Rock'N'Roll and putting more sex in", bedenkt. Funktioniert diese Chose etwa bei der Frauenwelt?" "Wenn du den Frauen genug Drinks ausgibst, dann schon", lacht Andrew, "so haben wir das in Las Vegas gelernt. Nein, im Ernst: Diese ganze Einstellung kommt wohl wirklich unter anderem daher, dass wir in einer Stadt aufgewachsen sind, in der dir Sex von allen Ecken und Enden entgegenspringt. Es liegt uns einfach im Blut, wir können nichts dafür. Sex ist die einzige Droge, nach der wir süchtig sind."

Dazu kann man nur noch Chris und eine weitere seiner Textzeilen zitieren: Hallefuckinglujah!


Interview: Daniela Saleth


http://www.myspace.com/takingdawn
http://www.takingdawn.com


Autor: Daniela Saleth


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