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  Interview mit LEYAN (Juli 2010)
Interview mit LEYAN (Juli 2010)
29.07.2010 von ts


"Es ist einfach schön zu sehen, wie es mit LEYAN Stück für Stück weiter geht…"






Update: LEYAN am 22.10.2010 live im Rosi's (w/ DIEGO)

Ungemein ereignisreiche Monate liegen hinter der Berliner Band LEYAN (Popmonitor Act des Monats April 09), die in der jetzigen Besetzung, bestehend aus Christoph Ecke (Gesang, Piano), Marc Hassdenteufel (Gitarre), Damian Dabrowski (Bass) und Ilir Mulaj (Drums) seit September 2006 ihre ganz eigene Vision von musikalischer Qualität und erfolgsorientierter Nachhaltigkeit verfolgt und die bisherige Bandhistorie schließlich mit dem Sieg bei der 7. Fritz Nacht der Talente vor 1800 begeisterten Zuschauern sowie dem Auftritt auf der ECHO-Aftershowparty im März dieses Jahres krönen konnte. Kurz vor ihrem Auftritt am 31.07. im Rahmen von Popmonitor Live im Roten Salon der Volksbühne stand uns die Band erneut ausführlich Rede und Antwort.


popmonitor.berlin: Seit dem Feature als Popmonitor Act des Monats im April 2009 hat sich bei Euch ja so einiges getan. Wie würdet Ihr die aktuelle Stimmung innerhalb der Band angesichts der positiven Entwicklungen und Ereignisse der zurückliegenden Monate (u.a. MySpace Featured Artist, Sieger beim Köstritzer Echolot, Auftritt bei der Aftershowparty der ECHO-Verleihung) beschreiben? Wie würdet Ihr diese Zeit bilanzieren, was waren Eure ganz persönlichen Highlights?

Leyan: Das letzte Jahr verlief für uns tatsächlich ziemlich erfolgreich. Es ist einfach schön zu sehen, wie es mit LEYAN Stück für Stück weiter geht und die Schritte dabei immer größer werden. Wir haben in der Zeit viele tolle Partner wie TapeTV und Köstritzer gewonnen, die auch langfristig mit uns zusammenarbeiten wollen; haben neue, entscheidende Kontakte knüpfen können und haben natürlich mit der gesteigerten Aufmerksamkeit auch viele neue Fans dazu gewonnen. Neben all den fantastischen oben genannten Ereignissen war für uns aber sicherlich die 7. Fritz Nacht der Talente ganz besonders. Du kommst dort einfach als eine nur wenigen bekannte Band hin, spielst vor 1800 Leuten und hast nur einen einzigen Song Zeit, das Publikum von Dir zu überzeugen. Wenn die Leute, die deine Musik bisher nicht kannten, dann so mitgehen und Dich praktisch euphorisch zum Sieg brüllen, ist das schon ein unglaublicher Augenblick und natürlich eine absolute Bestätigung für das, was LEYAN machen. Und dann war natürlich der ECHO-Auftritt schon selbst eine große Sache, aber mit seinen Folgen sicher einer der bisherigen Meilensteine für uns.

Euer Management hat inzwischen Andreas "Bär" Läsker bzw. dessen Firma Musikwirtschaft (Die Fantastischen Vier) übernommen, wie kam es konkret dazu und welche Möglichkeiten eröffnen sich dadurch für Euch bzw. was versprecht Ihr euch davon?

Bär war natürlich auch beim ECHO dabei und hat uns ganz einfach auf der Aftershowparty spielen sehen. Seine erste Reaktion lässt sich ganz gut in dem TapeTV Echo Video erkennen. Wir hatten dann plötzlich seine Karte in der Hand und ein paar Tage später gab es schon das erste Treffen. Mit einem Manager seines Kalibers stehen natürlich einige Türen offen, an die wir sonst nie rangekommen wären. Die Erwartung auch von unserer Seite ist natürlich sehr groß, dass sich das unglaubliche Potenzial, das die Verbindung LEYAN und Bär Läsker verspricht, auch eingelöst wird.

Hat das etwas an Eurem Selbstverständnis als aufstrebende und vor allem unabhängige Band geändert? Seht Ihr die Gefahr, von Freunden und Fans vielleicht gar des Ausverkaufs bezichtigt zu werden oder dass die künstlerische Freiheit auf irgendeine Art und Weise eingeschränkt werden könnte?

Nein, absolut nicht, denn Bärs Funktion ist in allererster Linie eine beratende, d.h. es besteht gar nicht die Gefahr, von außen zu irgendetwas getrieben zu werden, wenn es nicht dem eigenen Wunsch der Band entspringt. Außerdem decken sich Bärs Vorstellungen mit dem, wo es mit LEYAN hingehen soll, absolut mit unseren eigenen. Und natürlich ist es so, wenn man sich die letzten zwei Jahre anschaut, dass sich LEYAN in einer ständigen Entwicklung befindet, dieses allerdings immer aus der Band selbst heraus. Und da die Fans und Freunde diese Entwicklung unmittelbar beobachten können, ist es ein ganz natürlicher Prozess, der auch als solcher wahrgenommen wird. Wie das dann wird, wenn andere Partner mit ins Boot kommen, wird man sehen. Aber wir haben in den letzten Jahren eine sehr genaue Vorstellung von dem entwickelt, was LEYAN macht, was LEYAN ist und wie LEYAN klingen soll. Es wird sehr schwer, uns davon abzubringen...

Gibt es im Hinblick auf die nähere Zukunft bzw. insbesondere die Veröffentlichung des Debütalbums auch schon mal Zweifel oder Ängste, sowohl die Erwartungen von Fans und Freunden nicht erfüllen als auch den eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden zu können und schlimmstenfalls im kommenden Jahr etwas desillusioniert dazustehen? Spürt Ihr derzeit also so etwas wie "Druck"?

Natürlich ist es so, dass das Album für uns ein großes Ding ist, auf das wir gemeinsam mit unserem Produzenten Jürgen Ecke sehr lange hingearbeitet haben. Wir haben so viel Zeit und Kraft im Studio investiert, haben ganze Songs komplett mehrfach neu aufgenommen, Einzelspuren verändert, immer und immer wieder an allem gefeilt, bis wir das Ergebnis hatten, das wir erzielen wollten. Wir sehen der Veröffentlichung also eher mit großer Vorfreude entgegen und können es kaum erwarten, bis es endlich so weit ist. Die beiden EPs zuvor waren sehr wichtige Schritte, aber halt auch Zwischenstufen. Das Album jetzt ist der vorläufige Höhepunkt auf unserem bisherigen Weg und beinhaltet all das, was unserer Meinung nach LEYAN ausmacht. Ängste gibt es nicht, aber natürlich sind wir gespannt auf alles, was nach der Veröffentlichung passieren wird.

Ihr arbeitet ja schon länger an Eurem Debütalbum, das nun voraussichtlich Anfang 2011 erscheinen soll. Ist das in Zeiten der allgemeinen Krise der Musikindustrie bzw. der abnehmenden Bedeutung des Albums als Veröffentlichungsform an sich immer noch ein alles überstrahlendes Ziel, das möglichst neue Wege für die Band eröffnen soll? Betrachtet Ihr die Veröffentlichung eines Albums im Gegensatz zu früheren Zeiten inzwischen auch eher als Promotool fürs (bundesweite) Touren als umgekehrt? Würdet Ihr dies als primäres Ziel bezeichnen?

Ein Album hat für uns einfach eine ganz andere Wertigkeit als ein Einzelsong, den man einfach mal schnell bei MySpace hochlädt. Für uns ist gerade das Album wichtig, um ein schlüssiges Bild von LEYAN nach außen zu transportieren. Das fängt natürlich in der Summe der Songs an, geht aber über das Artwork bis hin zu all dem, was damit in der Folge im Zusammenhang steht: Videos, Visuals, Merch etc. Dass eine Band heute vor allem vom Touren lebt, was natürlich ein ganz ganz wichtiger Punkt auch für uns sein wird, ist unbestritten, aber ein Verzicht auf ein Album kommt deshalb nicht in Frage. Primäres Ziel ist es, mit LEYAN voranzukommen. Und dafür wird das Album ebenso wichtig sein wie das unbedingte Touren.

Legt Ihr auch weiterhin Wert auf ein interdisziplinär ausgerichtetes Konzept, wie es bspw. bei Eurem Konzert in der Wabe im vergangenen Jahr in Zusammenarbeit mit der Technischen Kunsthochschule Berlin (BTK) und der Einbindung von Visuals realisiert wurde, und gehört diese Verzahnung von Kunst bzw. Film und Musik auch in Zukunft zum Konzept von LEYAN oder soll sie vielleicht noch stärker betont werden?

Ziel ist es schon, auch in Zukunft die Visuals live dabei zu haben. Allerdings bieten nicht alle Clubs, in denen wir derzeit spielen, die technischen Voraussetzungen, um das umzusetzen. Aber gerade im Hinblick auf die ausführliche Deutschlandtour, die wir im Zuge des Albumreleases für nächstes Jahr planen, soll das Konzept noch viel stärker in diese Richtung gehen. Wir haben einfach die Erfahrung gemacht, dass die Visuals ein zusätzliches Element sind, das viel zur Atmosphäre eines Konzerts und zur Live-Wirkung der Songs beiträgt! Außerdem reizt uns die Verbindung von Kunst, Film und Musik sehr. Und da gibt es sicherlich noch sehr viel zu entdecken und auszuprobieren.

Seid Ihr gegenwärtig auf Labelsuche bzw. was ist aus Euren Plänen geworden, ein eigenes Label zu gründen?

Seit Bär mit im Boot sitzt, bieten sich natürlich ganz andere Möglichkeiten. Wir sind gerade dabei zu schauen, was einfach am besten zu uns passt. Der Plan mit dem eigenen Label ist aber keinesfalls vom Tisch. Wir müssen uns nur entscheiden, wohin wir wollen, was uns wichtig ist und wie und mit wem wir das am besten umsetzen können.

Eure immer noch aktuelle, selbstvertriebene EP The Silence Is Not That Calming erschien ja bereits 2008, inwieweit hat sich seit den Aufnahmen/seit Erscheinen der EP eure Herangehensweise bspw. bzgl. des Songwritings oder der Art des Aufnehmens geändert, entstehen die Songs gemeinschaftlich und ist Sänger Christoph nach wie vor alleinverantwortlich für die Lyrics? Gibt es neue (stilistische oder sonstige) Einflüsse und wie maßgeblich sind sie für die zuletzt entstandenen bzw. für die fürs Album vorgesehenen Songs? Wie würdet Ihr euren Musikstil/Sound im Jahr 2010 selbst bezeichnen?

Seit 2008 hat sich die Band einfach ganz stark, auf den damaligen Songs aufbauend, die man auch auf der EP hören konnte, weiterentwickelt. Wir sind experimentierfreudiger geworden, wagen mehr, Formen haben sich geändert, alles geht mehr nach vorne, die Songs sind tanzbarer geworden. Jeder von uns hatte schon immer unterschiedlichste Einflüsse. Das geht über Jazz und Klassik bis hin zu Metal und elektronischer Musik. Und natürlich finden sich diese Einflüsse, wenn auch unbewusst, in unseren Songs wieder. Der wesentliche Aspekt im Vergleich zum Stand von vor zwei Jahren ist vielleicht, dass wir es uns selbst verstärkt erlauben, die Grenzen von dem, was "typische" LEYAN-Songs ausmacht, auszuloten und immer weiter zu verschieben. Wir sind davon überzeugt, dass man diese Entwicklung sehr eindeutig auf dem Album hören können wird. Ziel war und ist es, LEYAN eine eigene Stimme und ein eigenes Profil zu geben. Schubladen helfen sicher dabei, die Band in irgendeinen Kontext zu verorten, aber es ging nie um ein "LEYAN klingt wie...". Die Texte schreibt dabei nach wie vor unser Sänger Christoph. Er hat einfach ein ganz gutes Gespür für die Atmosphäre des jeweiligen Songs und findet die richtigen Worte, intensiven Bilder und Themen. Jeder einzelne Song erzählt eine in sich geschlossene Geschichte, die aber gleichzeitig dem Hörer bzw. Leser genug Freiraum lassen soll, um eigene Erfahrungen und Gefühle damit in Verbindung zu bringen und sich so selbst mit dem Song zu identifizieren.

Ohne Label oder Promoagentur habt Ihr euch in Berlin in den vergangenen Jahren eine beachtliche Fanbase erspielt und teils ausverkaufte, stets aber bestens besuchte Konzerte im Roten Salon, Frannz oder der Wabe gespielt. Wie wichtig ist Euch der Netzwerk-Gedanke, welches (und wieviel) persönliche Engagement war dafür nötig und wie überrascht seid Ihr vom bisherigen relativ großen Erfolg in eurer Heimatstadt? Kann man den Weg dorthin im Kontext eines von Beginn an aufgestellten Band-Masterplans sehen, der auf eine selbstbewusste Überzeugung von der eigenen Kunst sowie ein stets ermutigendes Feedback von außen zurückzuführen ist?

Die ausverkauften Konzerte waren für uns in der Tat ein tolles und unvergessliches Erlebnis. Natürlich muss man aber auch sagen, dass nicht jedes Konzert automatisch ausverkauft ist, ohne dass wir dafür die Werbetrommel ordentlich rühren. Dass uns der Netzwerkgedanke sehr wichtig ist, hat man ja deutlich an den Reaktionen der MySpace Community gesehen, die uns durch ihr engagiertes Voten zum MySpace Featured Artist gemacht haben und damit erst die Tür zum Köstritzer Echolot Wettbewerb geöffnet haben. Auch in diesem Zuge wollen wir allen Fans, die sich für uns so großartig eingesetzt haben, danken. Auch sonst bieten natürlich das Internet und die sozialen Netzwerke großartige Möglichkeiten, gerade für Newcomerbands, die wir in Zukunft noch stärker nutzen möchten. Einen Masterplan hat es bei LEYAN im Grunde von Beginn an gegeben. Dennoch mussten auch wir immer wieder neue Erfahrungen machen und feststellen, dass bestimmte eingeschlagene Wege auch in Sackgassen führen können und uns Fehler eingestehen, die wiederum Änderungen des Plans zur Folge hatten. Es gibt halt nicht DEN einen Weg. Letztlich gesehen streben aber alle Bandmitglieder das gleiche große Ziel an, und zwar von dieser Musik und der Band leben zu können, zu touren und die Musik zu machen, die wir lieben. Dieser Wille setzt natürlich Energien frei, die eine Menge in Bewegung setzen können. Das ist ein Umstand, den viele Bands nicht mitbringen und letztlich daran auch scheitern.

Wie ist das Feeling für Euch, außerhalb Berlins zu spielen, welche Unterschiede gibt es zu den Live-Gigs in der Hauptstadt? Seid Ihr generell mit dem Feedback bzw. der Resonanz in anderen Städten zufrieden?

Der einzige Unterschied ist der, dass wir bisher noch zu selten außerhalb Berlins spielen. Wir stehen bereit und würden gerne viel mehr auf Tour gehen. Allerdings war das auch im Zuge der Arbeit am Album im Studio, zumindest in diesem Jahr, bisher kaum möglich. Ansonsten freuen wir uns immer auf Konzerte in anderen Städten, da wir dort die Möglichkeit haben, uns ein völlig neues Publikum zu erspielen. Es ist auch einfach ein großartiges Gefühl und immer eine fantastische Zeit mit der Band und unserer tollen Crew unterwegs zu sein und fremde Regionen zu erschließen. Also an alle Veranstalter: Bucht LEYAN!

Was können wir von eurem Auftritt am 31.07. im Roten Salon erwarten? Werden bspw. neue, ggf. erstmals performte Songs zum Set gehören, kann man sich auf sonstige Überraschungen freuen?

Der Auftritt im Roten Salon wird nach längerer Zeit endlich wieder mal ein "abendfüllendes" LEYAN- Konzert in Berlin sein. Dementsprechend hoch sind sowohl die eigenen Erwartungen als natürlich auch die der Fans. Wir haben viel im Proberaum gearbeitet, es gibt neue Sounds, wir haben technisch einiges umgestellt, aber viel wichtiger ist: wir werden definitiv neue Songs spielen, davon einige zum ersten Mal überhaupt. Außerdem wird es neue Instrumentals geben, die wir schon in den letzten Konzerten verstärkt eingebaut haben. Zudem spielen ja auch noch MEIN MIO, die wir noch vom Köstritzer Echolot kennen und mit denen wir seitdem schon immer mal die Bühne teilen wollten. Und dann gibt es ja im Anschluss noch die Party. Insofern lohnt sich der Abend also wirklich für jeden!

Vielen Dank für das Interview und alles Gute für die Zukunft!


Mehr Infos: FACEBOOK und MYSPACE


LEYAN am Freitag, den 22.10.10 live im Rosi's (w/ Diego)


www.leyanmusic.com


Autor: Thomas Stern


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