Artikel » ACT DES MONATS » DO I SMELL CUPCAKES? – Berliner Act des Monats Januar 2012 Artikel-Infos
   

  DO I SMELL CUPCAKES? – Berliner Act des Monats Januar 2012
DO I SMELL CUPCAKES? – Berliner Act des Monats Januar 2012
30.01.2012 von ts


Lasst die Krümel fliegen!





Update: DO I SMELL CUPCAKES? am Donnerstag, 03.05.12 live im Lovelite (supporting THE HEART OF HORROR feat. BLACKMAIL-Sänger Mathias Reetz)

Am 20. Januar erscheint mit Springs das großartige Debütalbum der in Cottbus gegründeten, seit längerem in Berlin beheimateten Band DO I SMELL CUPCAKES?, die sich in den vergangenen Jahren sukzessive einen vorderen Platz in der hiesigen, ja durchaus von einer gewissen Unübersichtlichkeit gekennzeichneten Szene ambitionierter Newcomerbands erspielt und dabei auch immer wieder ihre interdisziplinären Fühler in Richtung Theater oder Film ausgestreckt hat.

Auf Springs unterfüttert der sympathisch-umtriebige Fünfer seinen inzwischen zur Trademark avancierten schwelgerischen Indie-Postpop äußerst geschmackssicher mit Jazz- und Elektro-Anleihen und offeriert die bislang von den Liveshows bekannte Stilvielfalt nunmehr also auch auf Tonträger.

Kurz vor der großen "Springs" Record-Release-Party am 20.01.2012 im Frannz Club (w/ Tanga Elektra + Leon Francis Farrow) stand uns Bassist Maximilian Tischler noch für ein ausführliches Interview zur Verfügung.


popmonitor.berlin: Am 20.01. erscheint Euer Debütalbum Springs. Wie würdet Ihr den (langen) Weg bis zur jetzt anstehenden Veröffentlichung beschreiben, wieviele/welche Rückschläge gab es gegebenenfalls? Im Interview mit Popmonitor vom August 2010 war ja eigentlich eine frühere VÖ für Februar 2011 geplant.

Max: Ja, es hat sich gezeigt, dass wir noch nicht genau wussten, wie man einen waschechten Cupcake zubereitet. Vielleicht haben wir hier und da nicht richtig gerührt und nicht immer die richtigen Zutaten verwendet. Aufnahmen und Mastering hatten wir relativ schnell fertig, aber dann mussten wir die VÖ vor allem aus finanziellen Gründen verschieben. Zwischendurch haben wir auf einer Tour durch den Osten Europas aber weitere wichtige Rezepte ausgetauscht, Teigwaren verglichen und unsere Nase in alles Leckere reingesteckt, was wir finden konnten. Dabei sind wir als Band und auch menschlich noch näher zusammengewachsen. Außerdem haben wir nach dem Motto "Jut Ding will Weile haben" unseren Kuchen endlich fertig und können ab dem 20. Januar servieren. Mit der Zeit werden wir eine immer bessere Backmeisterei!

Wie perfektionistisch seid Ihr generell, was Eure Arbeit bzw. die endgültige Version bzw. Aufnahme eines Songs betrifft? Gibt es eine Art musikalischen Supervisor oder auch "Bandchef", der das letzte Wort hat?

Wir sind schon ziemlich ambitioniert, aber an manchen Stellen vielleicht noch nicht perfektionistisch genug. Wenn wir mal bei einem Song nicht so richtig weiterkommen, lassen wir ihn dann erstmal ruhen und nehmen ihn uns später wieder vor. Insgesamt kann das auch mal eine recht lange und mühsame Werkelei sein, bei der es zu heftigen Diskussionen, Böckchen und resignierter Schockstarre kommen kann. Letztlich will jeder zufrieden sein und möglichst viel Senf dazugeben. Dieser kreative Prozess der Gemeinschaftsarbeit ist sehr gewinnbringend, denn wir können auf diese Art Songs schaffen, die ein Einzelner von uns allein so nicht hätte machen können. Natürlich spielt Kevin (Kevin Traeger, Sänger und Gitarrist, Anm. d. Verf.) in diesem Prozess aber die zentrale Rolle.

Angesichts einer durchaus beachtlichen, dennoch erstaunlicherweise einem homogenen Gesamtbild keinesfalls abträglichen stilistischen Vielfalt auf Springs stellt sich unweigerlich die Frage nach dem Enstehungsprozess der einzelnen Songs. Entstehen sie in der Regel gemeinschaftlich beim Proben/Jammen oder kommt ein Bandmitglied mit einem fertigen Song, was sich dann in beschriebener Vielfalt niederschlägt?

Es ist tatsächlich beides. Die Songs auf Springs sind ja größtenteils vor meiner Zeit entstanden, aber ich weiß, dass z.B. 'Reality' von Kevin beigesteuert wurde, während 'Inside-Out' eine Gemeinschaftskomposition sämtlicher Cupcakesköche ist. An diesem Song wurde tatsächlich Jahre gerührt, sogar ich durfte am Ende meinen Pürierstab mit reinhalten. Oft ist es so, dass Kevin, Paul und ich haufenweise fertige Kompositionen haben und die dann sukzessive in die Band einbringen. Obwohl unser relativ neuer Song 'Pidgeons are Rats' von Dennis ist, liefert er häufiger sehr geile Fragmente, Licks, Riffs, die wir dann gemeinsam fertigmachen. Aber es entstehen auch gemeinsame Ideen beim Jammen. Eigentlich entsteht ein Song bei uns auf allen erdenklichen Wegen. Wir haben tonnenweise Material und müssen es nur schaffen, die beste und schmackhafteste Nummer daraus zu formen.






In vielen Stücken sind im Rahmen eines (im weitesten Sinne) Indiepoprock-Überbaus auch immer wieder Jazz-Anleihen auszumachen (insbesondere bei den Bläser-Sequenzen). Woher rührt diese Affinität zu jazzigen Strukturen?

Das haben wir vermutlich größtenteils Kevins und auch Sladys musikalischer Sozialisierung zu verdanken, Kevin hat ja auch eine Weile Jazzgesang studiert. Ob man da von einer besonderen Affinität sprechen kann, bin ich allerdings nicht sicher. Wir versuchen einfach generell stilistisch offen zu sein, was dann auch zu einem Elektro-Rezitativ wie 'Snake Devotion' führen kann.

Die eher assoziativ gehaltenen Lyrics drehen sich im Großen und Ganzen gleichermaßen um Vergänglichkeit, Orientierungslosigkeit, Selbstzweifel, Identitätsfindung wie vorsichtig optimistische und sehnsuchtsvolle Aufbruchstimmung, würdet Ihr dem so zustimmen? Oder welche Themen/Inhalte würdet Ihr hervorheben wollen? Welchen Stellenwert messt Ihr den Texten generell bei?

Dem würde ich auf jeden Fall zustimmen. Die Inhalte zirkulieren zentral um Probleme der eigenen Standortbestimmung, auch vor allem in und gegenüber einer Massengesellschaft. Wichtig ist dabei aber auch die politische Dimension, gerade bei Songs wie 'Quantity of Things' oder 'Snake Devotion'. Den Texten messen wir generell einen sehr hohen Stellenwert bei, auch wenn häufig zuerst die Musik da ist und der Text dann folgt.

Springs erscheint auf dem Label JMG Records. Wieso die Entscheidung gerade für dieses Label?

Wir haben die Freiheit, alles so zu machen, wie wir es wollen. Das war uns beim 1. Album immens wichtig, um selber zu verstehen, wie der gesamte Markt funktioniert und zu wissen, was in den kommenden Jahren gefragt ist!

Euer Song 'Backseat’s Broken' wird im Film "Blaue Stunde" bzw. auf dem zugehörigen Soundtrack gefeaturet, woraus auch das Video zum Song entstanden ist. Wie kam es zu der Zusammenarbeit und wie war diese Erfahrung für Euch?

Während der jahrelangen Freundschaft und Bekanntschaft mit den Cottbusser Schieskobrüdern (Clemens hat uns ja auch in Israel begleitet) haben wir immer überlegt, wie man zusammenarbeiten kann, um unsere Künste zu vereinen. Dass dann unsere Musik zum Soundtrack von deren Film wurde, war dann ja quasi vorprogrammiert, und dass es wunderbar zusammenpasst, da man einen Teil seiner Vergangenheit teilt, auch so gut wie klar:)
Wir hatten beim Dreh extrem viel Spaß. Besonders Slady liebt ja die Maske. Wenn Kajalstift und Eyeliner zum Einsatz kommen, ist erstmal für gute Laune gesorgt! Und die Dinger kamen zum Einsatz: Es wurde massiv gesprayt, gemalt, gezupft, gekämmt... Gut gelaunt waren wir sogar noch, als wir unsere Technik durch den Sand ans Ufer eines Lausitzer Waldtümpels wuchten mussten... und das will was heißen... Am Ende sind aber tolle Bilder entstanden, eine Zusammenarbeit, die sich gelohnt hat.

Do i smell Cupcakes? - backseat's broken (OST zu "Blaue Stunde") from Clemens Schiesko on Vimeo.



Im vergangenen Jahr habt Ihr u.a. internationale Acts wie Chapel Club im Lido oder Ewert And The Two Dragons im Comet supportet. Ist das immer lohnenswert oder ist das auch schon mal desillusionierend, weil beispielsweise die Chemie mit dem Mainact nicht stimmt, die stage time zu früh ist, nicht ausreichend Zeit für den Soundcheck bleibt etc.?

Lohnenswert ist immer die Erfahrung, die man dabei macht. Du hast natürlich recht, man ist oft der Depp, aber wir sind trotzdem immer froh, wenn wir einen guten Supportslot bekommen. Besonders mit Ewert And The Two Dragons hat es riesigen Spaß gemacht. Einfach eine fabelhafte Band!

Auf was legt Ihr in der Live-Umsetzung Eurer Songs besonders Wert?

Ich würde sagen auf die Stimmung und besondere Energie der jeweiligen Songs. Vor allem muss Kevins Stimme ihren Platz haben und sich voll entfalten können. Slady und ich liefern dafür das rhythmische Fundament. Paul und Dennis machen den Rest.





In Cottbus organisiert Ihr den Abend "Cupcakes & Friends", soll sich das als feste Reihe etablieren? Gibt es dafür eine Art inhaltliches Konzept bzw. einen Leitfaden? Und wie trefft Ihr die Auswahl für die anderen Bands?

Ja, es ist eine feste Reihe, die bereits im letzten November begann. Es ist uns wichtig, unsere zweite Heimat Cottbus immer noch selbst wahrzunehmen und zu bereichern. Die Reihe ist an sich noch völlig offen; am Wachsen. Für die zweite Veranstaltung im April ist ein Konzertabend mit den wunderbaren Nourish My Fame aus der Slowakei geplant. Es gibt keinen Leitfaden. Es muss uns selber touchen, dann kann es im BEBEL auf die Bühne. In Zukunft wollen wir das Bodenständige, wofür der Abend steht (einfach nur gute Musik) ein wenig hinter uns lassen und die Leute im heimatlichen Cottbus einfach nur faszinieren - mit originellen Ideen und Künstlern. Und natürlich auch immer wieder uns selbst. Lasst euch überraschen!

Der Jahreswechsel ist ja oft eine Zeit des Bilanzierens, wie würdet Ihr das zurückliegende Jahr 2011 persönlich und/oder als Band einordnen?

Das Jahr 2011 hat viele Weichen gelegt, für das was kommen wird. Wir haben mit Schwebi (Youngblood Music) einen Manager, Promotion macht seit Ende 2011 Maren Kumpe von Music Matters, wir haben mit Dorette Gonschorek und ROOF Music (Edition Mickle Muckle) einen Verlag, der uns aus Bochum tatkräftig unterstützt; und auch so viele andere wichtige Unterstützer dazugewonnen - nicht zuletzt auf unserer großartigen Tour durch Tschechien, die Slowakei, Ungarn und die Niederlande. Persönlich sind auch alle weiter: Dennis ist nun Bakkalaureus der Germanistik, Paul Geschäftsführer von Theater der Zeit, Slady arbeitet bei der Bookingagentur Vagabond Village, Kevin an der Schaubühne und ich bin abgeschlossener Magister der Japanologie und angehender Volljurist.

Apropos Bilanzieren: Gab es Alben, Künstler, Bücher, Filme etc., die Euch 2011 begeistert oder beeindruckt haben?

Dazu zählen im Jahr 2011 u.a.: Hokusai, Urasawa Naoki, Ewert And The Two Dragons, Get Well Soon, Bright Eyes, Heinrich von Kleist, die Berliner Theaterlandschaft, die Zusammenarbeit mit der Cottbuser Poetin Faina Machanowa, Gisbert zu Knyphausen, Jamiroquai, Bonobo, die polnische Newjazz-Band Skalpel.





Am 20.01. (Berlin @ Frannz Club) und am 28.01. (Cottbus @ Piccolo-Theater) stehen die "Springs" Record-Release-Partys an. Was erhofft bzw. wünscht Ihr Euch dafür und was können die Besucher erwarten?

Wir erhoffen uns natürlich, dass die Bude brennt und die Krümel fliegen!!! Die Besucher können sich auf fulminante, reichhaltige Cupcakes freuen, die wieder von Gastmusikern und Bläsern unterstützt werden... und endlich kann man sich ja das Album holen!!!

Wie wird es danach für Euch im Jahr 2012 weitergehen, welche Pläne habt Ihr? Gibt es schon eine Art Masterplan, wie Ihr Jobs und Studium mit den im Zuge der Album-Veröffentlichung zu erwartenden vermehrten Bandaktivitäten vereinbaren könnt?

In der ersten Jahreshälfte werden wir sehr viel spielen und Konzerte geben, wo wir nur können. Außerdem wird es bald neue spektakuläre Cupcakes-Videos geben. Dazu sind u.a. im Februar große Dreharbeiten geplant. Parallel dazu versuchen wir uns auf der musikalischen Ebene weiterzuentwickeln und ohne Ende Songs zu schreiben. Auf diesem Part wird ein Hauptaugenmerk liegen. Die Vereinbarkeit von Job und Studium versuchen wir z.B so zu erreichen, dass wir hauptsächlich am Wochenende Konzerte geben und unter der Woche arbeiten. Auf jeden Fall wird es wieder ein ereignisreiches Jahr 2012! Wir freuen uns riesig drauf!

Vielen Dank für das Interview und alles Gute für die Zukunft!


Record-Release-Party am Freitag, 20.01.12 im Frannz Club (Kulturbrauerei) w/ Special Guest: Tanga Elektra + Opening Act: Leon Francis Farrow


Das Album:

DO I SMELL CUPCAKES?
Springs
(JMG Records / DA Music)
VÖ: 20.01.2012


www.doismellcupcakes.com
www.facebook.com/doismellcupcake
www.myspace.com/doismellcupcakes



Fotos © Do I Smell Cupcakes?
Autor: Thomas Stern


Druckansicht   druckbare Version anzeigen
Seite empfehlen   Artikel empfehlen
0 Kommentar(e)   kommentieren
 
 
Verwandte Artikel
Interview mit DO I SMELL CUPCAKES?
Seitenanfang nach oben