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  BAND OF SKULLS – Sweet Sour
BAND OF SKULLS – Sweet Sour
01.03.2012 von awo


Der Titel ist Programm: Leider nicht der Debüt-Nachfolger, den wir uns gewünscht haben.





Denim Jeans, Kartoffelbrei und Sex werden niemals aus der Mode kommen. Genauso verhält es sich mit dem ausgewaschenen Brit-Rock, der sich an amerikanischem Garage und Bluesrock orientiert und den BAND OF SKULLS betreiben. Also atmen Sie auf, denn auch am ersten Tag nach dem Jüngsten Gericht werden die Regale der ansässigen Indie-Plattenläden vorbildlich mit Alben à la Sweet Sour bestückt sein. Und hierin liegen Fluch und Segen eng umschlungen. Formationen wie diese legten vor Jahren den Grundmythos von dunklen Bands, mit drohnigem Sound und strähnigen Haaren, die in den abgefucktesten Clubs spielten, welche wiederum selbst zum Mythos wurden und von nun an alle Bands in eben diesen Löchern spielen wollten, um Teil des Mythos zu sein. Verständlicherweise versucht man, diese schwarze Romantik auf Platte zu bannen und das auch noch anno 2012. Das kann nicht glücken, und so ist es auch mit Sweet Sour. Verstehen Sie mich nicht falsch, ein BAND OF SKULLS-Konzert ist eine unbedingte Empfehlung und der Strudel ihrer Live-Performance ist wild und süchtigmachend.

Woher diese Diskrepanz zwischen den beiden Hörerlebnissen rührt, ist schnell zu benennen, denn wieder einmal würde das Produktionsbügeleisen zu lange auf den einzelnen Songs stehen gelassen; zu lange wurde über die Kompilierung nachgedacht und eine unglückliche Reihenfolge gewählt, welche die Existenz von Spannungsbögen schlichtweg leugnet.

Da hätte man sich einfach mehr Mühe geben müssen! Denn zum einen ist ihr Debütalbum spannend und hätte einen würdigen Nachfolger verdient. Zum anderen muss man eben sehr kreativ sein, wenn man soundtechnisch im Fahrwasser von QUEENS OF THE STONE AGE, JACK WHITE, BRMC usw. fährt. Doch weit gefehlt. Selbst die Songtitel könnten bei den genannten Bands im Tracklisting auftauchen, da wären 'The Devil Takes Care of His Own' oder 'You’re Not Pretty But You Got it Goin‘ On', um nur zwei zu nennen. Ärgerlich, wirklich ärgerlich!

Die Versäumnisse treffen vor allen Dingen auf die erste Hälfte des Albums zu. Es wird gerockt und gerifft, und beim Versuch die Seele der Musik zu bewahren und trotzdem ein kommerziell ansprechendes Album aufzunehmen, ist der Brei verkocht. Glücklicherweise schaffen es BAND OF SKULLS, sich aus dieser Zwickmühle dann doch noch zu befreien, wenn Bassistin EMMA RICHARDSON mehrmals die Gelegenheit gegeben wird, die Lead-Vocals zu übernehmen. Es sind dann jene langsamen und folkigen Songs, bei denen die Band ungezwungen und nuanciert aufspielt. Und obwohl es sich um Balladen handelt, gelingt es hier viel mehr, rohe Emotionen zu vermitteln. Es wäre der Band geraten, sich verstärkt um diesen Ansatz zu bemühen (zumindest bei den Aufnahmen im Studio...)

Letztendlich krankt Sweet Sour an fehlender Kreativität und der unglücklichen Verteilung ihrer Songs in Sachen Tempo. Die nicht nachvollziehbare Entscheidung, alle härteren Tracks an den Anfang zu packen und die ruhigeren ans Ende ist bestenfalls verwirrend. Das Ergebnis kreiert eine gewisse Monotonie, trotz der Riffe zu Beginn, und leider auch eine Schläfrigkeit gegen Ende, und das obwohl diese Songs die gelungeneren sind. Diese Unzulänglichkeit hätte leicht vermieden werden können. Die Schwächen im Songwriting sind hingegen nicht so einfach zu korrigieren.

Alles in allem bekommt man mit diesem Album serviert, was man bestellt hat: kompetenten, schroffen Blues-Rock mit ein paar schönen Überraschungen. Sweet Sour ist kein schlechtes Album, im CD-Wechsler Ihres Autos wird es willkommenen Soundtrack liefern, ansonsten ist es aber durchweg medioker. Schade in Anbetracht dessen, was die Band schon gezeigt hat. Die Hoffnungsschimmer sind EMMA RICHARDSON und freilich die Konzerte, beide bezeugen die Diversität zu der BAND OF SKULLS in der Lage sind.

BAND OF SKULLS
Sweet Sour
(Pias/Rough Trade)
VÖ: 17.02.2012


http://www.bandofskulls.com
http://www.myspace.com/bandofskulls
http://www.pias-recordings.com
http://www.rough-trade.net


Autor: Alexandra Wolf


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