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  14. WAVE GOTIK TREFFEN 13.05. - 15.05.2005 in Leipzig
14. WAVE GOTIK TREFFEN 13.05. - 15.05.2005 in Leipzig
06.06.2005 von mb


Ein Stimmungsbericht mit Fotos...


Donnerstag, 12.05.2005

Bereits am Donnerstag, den 12.05.2005 ging es für uns los zum diesjährigen Wave Gotik Treffen in Leipzig. Überraschend schnell kamen wir bereits nach zwei Stunden in Leipzig an und fuhren direkt zur Agra-Halle, wo sich auch die Bändchenausgabe befand. Der Parkplatz und auch das gesamte Gelände waren noch relativ leer, was sich zum Abend hin aber doch ändern sollte; die legendäre Eröffnungsparty in der Moritzbastei (Kostenpunkt: 4 €) zog viele Interessierte bei milden 16° C hinaus ins nächtliche Treiben und so füllten sich die Straßen allmählich.





Freitag, 13.05.2005

Mittlerweile sind die meisten Besucher angereist und viele bekannte Gesichter aus Musik und Presse tummeln sich auf dem Platz vor der Agra-Halle. Trotz des guten Wetters kam kaum Stimmung auf und die Atmosphäre war sehr nüchtern für WGT–Verhältnisse. Selbst die neue „JIM BEAM KARAOKEBÜHNE“ mühte sich ab, mit einigen mutigen Besuchern Stimmung durch grausige Versionen alter Klassiker zu erzeugen. Als "Gage" winkten aufblasbare Luftgitarren... Die auffälligste Besucher waren wie immer die nach Fotografen Ausschau haltenden "Amateur–Models" in pinken Dolly-Kostümen sowie eine Gruppe stark berauschter Schweden, die nichts besseres zu tun hatten, als mit Teilen eines alten Kassettenspielers sowie dessen Batterien um sich werfen und die anderen Besucher somit in Gefahr brachten. Vielen Dank auch an die Security, die sich feige wieder mit dem Essensteller (!!) in der Hand nach einer kurzen Ermahnung verzogen hat. So etwas darf bei einem Festival dieser Größenordnung nicht passieren!





Nach einem Rundgang über das komplette Agra–Gelände ging es in die Halle hinein, um die Händlerstände nach neuen Schnäppchen abzusuchen. Hier machten sich trotz der abwechslungsreichen und teilweise auch ausgefallenen Auswahl die erhöhten Preise bemerkbar. Von Schnäppchen konnte in den meisten Fällen keine Rede mehr sein. Aber wenn man die Augen aufgehalten hat, so konnte man auch hier und da das eine günstige Teil entdecken. Trotz aller Abwechslung, machte sich ein stärkerer Trend in Richtung Neonfarben bemerkbar als im Jahr davor. Vornehmlich Pink und Gelb waren auszumachen. (Die Loveparade lässt grüssen...). Auch der Handel mit Haarteilen hat stark zugenommen - ebenfalls in den passenden Farben. Die Auswahl an Fetisch–Artikeln, für die die Agra–Halle sonst recht bekannt war, ist dagegen etwas zurückgegangen. Auch der Stand des "SCHLAGZEILEN"–Magazins fiel somit etwas kleiner aus.


Wer nach der ganzen Lauferei und Ansteherei, vor allem beim X-Tra-X–Stand wieder zu Kräften kommen wollte, konnte sich im Gotik–Bistro in einem Eckteil der Halle mit einem Kaffee oder einem Baguette stärken oder ins "Treffen–Café", ehemals als "Orkus–Café" bekannt, gehen und sich dort zum Kaffee oder Tee das ein oder andere Bild der dort ausgestellten Bilderreihe anschauen, in der Prominente der Szene oder Szenegänger abgelichtet wurden.


Nach einer, durch die -hier freundlichen Security- ermöglichten Abkürzung über den Zeltplatz ging es ins nahe gelegene "Heidnische Dorf". Wie schon die Jahre zuvor bot das "Heidnische Dorf" seinen zahlreichen Besucher neben Handwerks- und zahlreiche Essens-, auch Getränkestände, die mit leckeren mittelalterlichen Speisen und Tränken lockten. Allen voran das kultige Hanf–Met (9€ pro Flasche!) und das Ritter–Bier (2,40€), stilecht serviert im Tonkrug.









Leider haben viele Besucher die Wiese vor der Bühne in eine Müllhalde, bestehend aus vielen leeren (Met-)Flaschen verwandelt, so dass nicht wirklich Mittelalter–Feeling entstehen wollte. Hier wären, neben der Eigeninitiave der Besucher, auch der ein oder andere Mülleimer nützlich gewesen. Hoffentlich nimmt sich das der Veranstalter nächstes Jahr zu Herzen und setzt es dementsprechend um, denn es wäre schade um die durch solche Dinge zerstörte Atmosphäre des Dorfes.


Nach einer kleinen Stärkung zog es uns in Richtung Innenstadt, die mittlerweile etwas "schwärzer" besucht war. Endlich kam wieder etwas mehr der Treffen–Gedanke durch. Die Straßenbahnen waren nun auch etwas voller, ebenso die Cafés und Restaurants, besonders die amerikanischen mit dem gelben "M".


Mittlerweile hatte man alte Bekannte getroffen und sich etwas über die Atmosphäre ausgetauscht. Der Rückweg zum Agra–Gelände erwies sich aufgrund der überfüllten Straßenbahnen als etwas stressiger, hier hätte man vielleicht ein paar Bahnen mehr einsetzen sollen. Dieses Problem scheint seit Jahren ungelöst zu sein. Schade ist nur, dass viele Besucher somit auch die ein oder andere Band verpassten, weil sie zu lange auf eine weitere Bahn warten mussten.


Gegen 20 Uhr war das Agra–Gelände sehr gut besucht, die Anzahl der auffälligen Besucher noch mehr gestiegen und die Händler–Halle zum bersten gefüllt. Nach der Kostüm- und Tanzschau ging es in die leider nicht sehr stark gefüllte Halle, um nach dem stressigen Gelaufe das erste Konzert zu besuchen, die ASTROVAMPS.


Ohne große Worte, dafür aber mit viel Enthusiasmus und Energie (sicherlich resultierend aus dem tosenden Begrüssungsapplaus ) stürmten die fünf Kalifornier in ungewohnt "buntem" Styling die legendäre, jedoch ziemlich kleine Agra-Bühne, wo schon Künstler wie SOFT CELL, LACRIMOSA, SUBWAY TO SALLY und Co. auftraten.
Eine Ehre also für die doch eher unbekannte, allerdings schon seit 1991 bestehende Goth-Rock Band. Dementsprechend gut gelaunt begrüßte Frontmann und Sänger DANIEL nach dem ersten Lied das ebenso freudige Publikum: "You’re great and this is the first time we're playing here in Germany.". Und spätestens als die ersten Takte von 'Black Daliah' angestimmt wurde, gab es für das Publikum kein Halten mehr.





Die äußerst sympathische Band und ihre deutlich spürbare Lust am Spielen schafften eine super Stimmung. Vor allem Bassist CORWIN tobte in alter Rockstarmanier über die Bühne und riss das Publikum mit wie man sich das bei einem gelungenen Festivalauftritt nur wünschen kann.
Neben altbekannten und –geliebten Songs wie 'Transilvania' und 'Boris Karloff' stellten sie auch neue Stücke der aktuellen CD vor. Zum Ende hin nahm DANIEL selbst noch die Gitarre in die Hand und steuerte sie zu seiner Art von Lovesong mit dem liebevollen Titel 'Die Baby Die' bei.
Insgesamt war es ein absolut lohnenswerter Auftritt der ASTROVAMPS, von denen wir in Zukunft hoffentlich noch mehr in Deutschland hören und vor allem sehen werden.


Samstag, 14.05.2005

Das Wetter am Samstag war leider nicht mehr allzu erfreulich, da es schon morgens unaufhörlich zu regnen begann. Doch selbst das hielt viele Besucher nicht davon ab, sich vor die Tür oder aus dem Zelt zu bewegen und so war die Innenstadt doch recht gut besucht. Treffpunkt war dort vor allem die Moritzbastei, wo man unter die zahlreichen Schirme flüchtete, um sich bei einem Wein das Treiben der zum Mittelaltermarkt pilgernden Menschen anzuschauen.





Der Mittelaltermarkt, auf dem auch auf Grund der Lage mitten in der Stadt nicht wirklich mittelalterliche Stimmung aufkommen wollte, war ebenfalls recht gut besucht. Bevorzugt wurden dabei die Essensstände, die unter anderem mit gegrilltem Fleisch oder Hanf-Speise (!) lockten.


Auch ein Gaukler war auf einer kleinen Bühne vertreten, auf den leider die Sicht durch die zahlreichen Regenschirme ziemlich verdeckt wurde.
Als der Regen dann doch erheblich stärker wurde, flüchteten viele Besucher vom Markt in die Moritzbastei selbst oder in eines der umliegenden Cafés. Dort hielten wir uns dann auch die meiste Zeit des Tages auf, da das Wetter einem leider wenig Spielraum für andere Aktivitäten bot und somit auch auf einige Konzerte auf Open-Air Bühnen verzichtet werden musste. Wie uns später aber zu Ohren kam, sei die Sicht auf die Open-Air Auftritte durch die unzähligen Regenschirme derart eingeschränkt gewesen, dass sich ein Besuch derer nicht wirklich gelohnt hätte.









Am Nachmittag zog es uns dann in die zum Glück überdachte Agra-Halle zu ZEROMANCER.

Die Halle war recht gut gefüllt und auch die Vorfreude seitens des Publikums auf die fünf Norweger war deutlich spürbar.
Der Auftritt, der darauf folgte, war allerdings weniger erfreulich. Zwar wurde quasi das gesamte Programm seit Bestehen der Band bedient, so wurden Klassiker wie 'Clone Your Lover' und etliche Songs des 2001 erschienenen Albums Eurotrash bis hin zu neueren Stücken wie 'Feed You With A Kiss' gespielt, jedoch musste man dabei resigniert feststellen, dass Sänger ALEX entweder einen schlechten Tag erwischt hat oder einfach keinen einzigen Ton treffen kann, was natürlich eine ziemliche Enttäuschung war.
Auch das Publikum war nicht sonderlich mitgerissen, da die "Show" auch eher einem "Runterspielen" der Playlist mit animiertem Bühnenhintergrund ähnelte. Wirklich schade, aber dieses Konzert hätte man sich getrost schenken können und somit freuten wir uns umso mehr auf den späten Auftritt von VISAGE.


Da die meisten Besucher der vorangegangenen SPETSNAZ und APOPTYGMA BERZERK gleich in der Halle blieben, konnte man stark davon ausgehen, dass VISAGE eine sehr gut besuchte Halle beschallen werden. Als wir die langen Schlangen am Eingang sahen, war jeder Zweifel beseitigt, dass man eine spärlich besuchte Agra-Halle vorfinden wird und eine gelangweilte Band ihr Programm runterspulen würde. Von Jung bis Alt war jede Altersgruppe vorhanden und stimmte sich an den Getränkeständen auf eine große Party ein.


Mit etwa 10-minütiger Verspätung wurde dann VISAGE als "Legende der 80er" angekündigt, "die unsere Wave–Szene nicht nur mitbegründet, sondern auch stark beeinflusst" hätten und uns nun einen "Auftritt voller neuer Songs, sowie alter Klassiker in neuem Gewand" versprach.


Als das Mikro an STEVE STRANGE überreicht wurde und die ersten Noten aus den Lautsprechern spielten, tönte ein lauter Applaus aus dem Publikum. Jedoch fiel auf, dass der gute STEVE nicht ganz Herr seiner Sinne war, was sich später noch bemerkbarer machen sollte.


Nach dem ersten Song, bei dem mehr neben das Mikro als in selbiges gesungen (?!) wurde und der zweite Song mit dem zynischen Titel 'No Time To Cry' angekündigt wurde, kam man sich doch etwas veräppelt vor. Ob das denn wirklich VISAGE sind, die da auf der Bühne stehen?!? Bereits jetzt konnte man die ersten Besucher dabei beobachten, wie sie die Halle verliessen.


Auch bei den weiteren Titeln konnte von Gesang konnte keine Rede mehr sein, es war eher ein "Lallen", welches mit (kontrolliertem) Torkeln von STEVE verbunden wurde und als dieser sogar mitten in der Show für ein paar Minuten von der Bühne verschwand, wusste man, dass diese Show hätte besser nicht stattfinden sollen. Die Band spielte allerdings professionell weiter, zwar mehrere Minuten lang dieselbe Melodie, was aber wohl mehr daran lag, dass diese selbst verwundert über das Verschwinden waren.


Als STEVE STRANGE dann noch irgendwann auf der Bühne erschien und erstmal ein paar Zigaretten ins Publikum warf, konnte die Show (?!) weitergehen. Erst als der grosse Hit 'Fade To Grey' angekündigt wurde ging wieder ein Applaus und Raunen durchs Publikum, welches mittlerweile nur noch aus der Hälfte des Anfangspublikums bestand. Leider war STEVE nicht mehr in der Lage, den Text zu behalten und wer spätestens jetzt nicht gehört hat, dass die ganze Zeit ein Playback zusätzlich im Hintergrund lief, der hat was an den Ohren.


Ein wirklich peinlicher und unnötiger Auftritt einer (ehemaligen) Legende, der von den Besuchern mit Kopfschütteln, Pfiffen und scharenweise Verlassen der Halle quittiert wurde. STEVE hörte sich lieber selbst reden und auch die neuen Songs wussten nicht wirklich zu überzeugen. Ob das an der Performance lag oder an der Qualität der neuen Lieder sei mal dahingestellt, aber dass die Schlange am Eingang sich in eine Schlange am Ausgang bereits nach dem zweiten Song verwandelt hatte, spricht für sich. Lob an die Band, die wirklich gut gespielt hat, jedoch leider im Schatten vom Frontmann steht.
Manche Legenden sollten halt nur in guter Erinnerung behalten werden. Schade um unsere.


Insgesamt gab es dieses Jahr leider relativ viele negative Aspekte beim WGT: zum einen das Wetter, was nicht wirklich mitspielte, zum anderen viele Besucher, die durch sehr fragwürdiges Verhalten auffielen, Bands und ihre zum Teil wirklich peinlichen Auftritte und die oftmals leider fehlende Stimmung während des gesamten Festivals. Trotz allem war nicht alles schlecht, denkt man alleine an den Auftritt der ASTROVAMPS oder die Leckereien auf dem Mittelaltermarkt.





Man kann nur hoffen und dem WGT 2006 noch eine Chance geben.


www.wave-gotik-treffen.de

Fotos: © Maria Broberg
Autoren: Maria Broberg und Michal Gralak


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