
Das war zu erwarten. Natürlich reihen sich auch die Projekte und Bands in der Left Folk-Kampagne in die Front aus Musikern ein, die sich gegen brutale Innenpolitik der Trump-Regierung stellen. Diese hatten bereits mehrere Compilations gegen ICE veröffentlicht, also gegen die größte Polizei- und Zollbehörde der USA. Die Erlöse der neunten Songsammlung der Kampagne gehen an das National Bail Fund Network, nachdem sich die letztjährige Compilation für Flüchtlinge stark machte.
Den Anfang macht CORPSE D’ALSACE aus Berlin, der die „No Kings“-Demos mit dem parolenhaften Protestlied „Kill The Kings“ aufgreift. Traditionell wird mit angedeutetem Dudelsack, Pfeifen, Trommeln und Chor klipp und klar Position bezogen. Der Song eröffnet feierlich ein Album aus 24 Tracks, das etwas ruhiger und introspektiver wirkt, als seine Vorgänger.
Zu hören ist klassischer Neofolk mit E-Gitarre wie bei CATAL HUYUK („Ruins“) oder mit Akustikgitarre und Bläsern wie bei NO SANCTUARY („Cénit-Defensa Interior„) sowie meditativer Dark Folk wie von HAUNTER OF THE WOODS („Dolorous The Path Unto Dawn“). Schön ist, die galizischen Neofolk-Stars SANGRE DE MUERDAGO („O Xardín“) zu hören. Der heimische Garten als Rückzugsort wird auch in dem Dungeon Synth-Stück „Plénitude Dans Le Jardin Des Grâces“ von DONJON DES QUIENTUDES beschrieben.
Inhaltlich wird durch die Ruinen von Industriestätten geschritten (DOORS IN THE LABYRINTH – „Hands Of Moss“). Während sich der reaktionäre Neofolk auf den untergegangenen Faschismus bezieht, hat der linke Neofolk im Mittelalter und in der unvollendeten Moderne Orientierung gefunden.
Die fest mit der Kampagne verbundenen AUTUMN BRIGADE steuern „Curious George Is Dead“ bei: Wie viele Kinderserien versprach auch Coco, der neugierige Affe den Kindern, das ein schönes Leben voller Spaß vor ihnen liegen würde. Dass dies von der Wirklichkeit als Erwachsener nicht eingelöst wird, sondern eher Armut, Krisen und Krieg auf sie warten, wird hier ausgesprochen.
Schön ist, dass hier auch deutsche Projekte vertreten sind: So gibt es Dungeon Synth von KALLE WYRSCH aus Würzburg mit „Die Dritte Erscheinung“ von seinem Album Wallfahrt (2025) und Neofolk von IAN LEDING aus Detmold mit seinem schönen Lied „Das Wrack“ von seiner EP Borkum (2025). So klingt internationale Solidarität.
Left/Folk
Days Ov Fire
(Selbstvertrieb)
VÖ: 01.05.26