Metoo nimmt wieder an Fahrt auf

Vergangenes Jahr wurde wegen Rückschlägen vor Gericht und der zweiten Trump-Wahl die Metoo-Bewegung schon totgesagt. Das war voreilig. Denn unermüdliches Engagement und neue Skandale haben sie nicht nur am Leben gehalten, sondern auch neuen Aufwind gegeben. Es war richtig, den Fokus von Rock und HipHop auch auf andere Genres zu weiten.

Aktuell ist vieles ins Rollen gekommen. Zum Beispiel wurde gerade Indiepopper D4VD wegen dringendem Tatverdacht auf Mord verhaftet. Knapp sieben Monate nachdem im Kofferraum seines Teslas die zerstückelte Leiche der 15jährigen Celeste Rivas gefunden wurde, kann der Fall endlich ordentlich untersucht werden. Die Polizei hatte Verdächtiges in seiner Wohnung gefunden, Metoo-Aktivisten in seinen Songtexten.

Ebenfalls aktuell sind die Missbrauchsvorwürfe von Schauspielerin RUBY ROSE gegen Sängerin und Popfeministin KATY PERRY. Diese kommen nicht überraschend, fiel diese in der Vergangenheit doch immer wieder durch Übergriffigkeit auf. Ein ganz anderes Kaliber dürfte jedoch ihr Ex-Mann, der Entertainer RUSSEL BRAND, sein, der in letzter Zeit auch Verschwörungsideologie verbreitete. Inzwischen werfen ihm sechs Frauen sexuelle Übergriffe in den Jahren 1999 bis 2005 vor. Im Juni sollen die Verhandlungen beginnen.

Ein Negativbeispiel ist der Filmstart am 24. April der MICHAEL JACKSON-Biografie Michael, die nichts zu den Vorwürfen und Verfahren wegen Kindesmissbrauchs auch nur andeutet. Es ist das Machwerk von Regisseur Antoine Fuqua, der schon Musikvideos für verschiedene Black Music-Stars produzierte. Während die neuen Missbrauchsvorwürfe der Familie Cascio im Raum stehen und neue mögliche Beweisfotos aufgetaucht sein, feierte der Jackson-Clan seelenruhig die „Global Fan Celebration“ vom 10. bis 12. April in der Uber Eats Music Hall Berlin. Deutschland ist als Ort hierfür clever gewählt: Weit entfernt von der US-amerikanischen Debatten, gibt es in einem Land, in dem 2024 über 16.000 Fälle von Kindesmissbrauch gemeldet wurden, keinen Gegenprotest. Schätzungen besagen, dass etwa jeder siebte deutsche Erwachsene, als Kind sexualisierte Gewalt erleiden musste. Wen interessieren hierzulande dann schon Michaels mögliche Opfer? Oder das mögliche Vergewaltigungsopfer des in Berlin ebenfalls anwesenden Jermaine Jackson? Vielleicht weil superreiche Täter wie Jeffrey Epstein weltweit Männer ermutigen, ihr sexualisiertes Patriarchat aufrecht zu erhalten.

Im Gegensatz zu Berlin handelte die Stadt Köln im Sommer 2024 zumindest: Nach Vorwürfen von sexueller Belästigung von Klassik-Musikern und -Musikerinnen an den Star-Dirigenten François-Xavier Roth beendete sie seine Generalmusikdirektion. Doch da die Untersuchungskommission keine Beschwerden feststellen konnte, stellte die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen gegen Roth wieder ein. Er ist seit letztem Jahr Chefdirigent und Künstlerischer Leiter beim SWR Symphonieorchester.

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