MUMFORD & SONS am 15.04.2010 im Astra


Per aspera ad astra.



Das Astra ist zum Bersten voll. Unter dem Eingangsbogen tummelt sich eine Meute Menschen, die sich mit Hilfe selbst gestalteter Transparente verzweifelt auf der Suche nach Konzertkarten befindet und darauf hofft, mit viel Glück eines der womöglich letzten heißbegehrten Tickets zu ergattern. Immerhin gastieren MUMFORD & SONS, die momentanen Lieblinge und Überdrüberflieger der Musikszene, in den heiligen Hallen des Astras. Das Konzert: Schon seit März restlos ausverkauft.

Während sich im Normalfall eine Gruppe ihren Namen als Band durch jahrelangen, mitunter mühseligen Kraftakt erarbeiten muss, bewegen sich MUMFORD & SONS geradewegs auf der Überholspur und können innerhalb kürzester Zeit eine Erfolgsgeschichte sondergleichen verzeichnen:
2007 in London gegründet, wurde die Band um Sänger, Gitarrist, Gelegenheitsschlagzeuger und Namensgeber Marcus Mumford bereits binnen kurzem als der neue Hoffnungsträger des Folk schlechtin gehandelt. Berechtigterweise, wie ihr wuchtiges Debütalbum beweist. Am 05. Oktober 2009 erschien das Werk unter dem Titel Sigh No More und fiel alsbald wie ein Sternenhagel über die Musikwelt her. So lasset uns zusammenkommen und uns berieseln!

Als Unterstützung haben sich MUMFORD & SONS für ihre Europa-Tournee gleich zwei musikalische Schmankerl gesichert: Den Anfang macht die entzückende LISA MITCHELL, die mit ihren verträumt-verspielt anmutenden Folk/Pop-Liedern den Konzertabend eröffnet. Zwar erscheint aufgrund des sehr frühen Spielbeginns nur spärlich Publikum, um sich die Singer-Songwritern aus Australien anzusehen, dennoch singt sich LISA MITCHELL unbeirrt Gitarre zupfend ihre Sehnsüchte von der Seele.

Es folgt JOHNNY FLYNN, der mit seiner fünfköpfigen Band unter dem Namen Johnny Flynn & The Sussex Wit auftritt und die Hauptstadt an diesem Abend zum ersten Mal mit seiner Musik beehrt. Das Astra hat sich inzwischen gefüllt, immerhin gilt JOHNNY FLYNN als Geheimtipp und aufstrebender Stern am Folk-Himmel.

Erstmalig kommt eine bunte Mischung an Instrumenten zum Einsatz: Zu Gitarre, Geige und Trompete gesellen sich beispielsweise Cello oder das für den Bluegrass charakteristische Banjo hinzu. Mit stoischer Ruhe gibt er mittels seiner unverkennbar glasklaren, kraftvollen Stimme Anekdoten poetischer Art und Weise anhand seiner Liedtexte wider, sodass sogar der Bogen des Cellisten demütig resigniert, indem die Saiten nur so reißen. Dennoch wird weitergespielt, unablässig und zum Dahinschmelzen schön. Nebenbei bemerkt zählt JOHNNY FLYNN nebst Mumford & Sons nicht nur zur aktuellen Londoner Folk-Szene, sondern spielt außerdem noch im Video zu Lisa Mitchells „Coin Laundry“ mit. Der Musikkreis scheint sich an diesem Abend stimmig zu schließen.

Als endlich die langersehnten MUMFORD & SONS die Bühne betreten, bricht das zahlreich versammelte Konzertpublikum in tosenden Applaus aus, der als wiederkehrendes Element vor und nach jedem Lied den Abend begleiten wird. Denn die vier Engländer brauchen nur die ersten Takte eines Liedes anzuspielen, schon flippt die Zuhörerschaft enthusiastisch aus, um die Band sodann durch regen Applaus für ihr dargebrachtes Stück Musik zu belohnen. Hier und da können sogar „I love you“-Rufe aus dem Publikum vernommen werden. Man könnte beinahe sagen, dass sich eine Wechselbeziehung zwischen Band und Publikum einstellt: Überwältigt von der positiven Resonanz, ist die Band mehr als dankbar, steht dem Ganzen gar ungläubig gegenüber und legt sich folglich mächtig ins Zeug.

MUMFORD & SONS bieten Sigh No More genauso gut dar wie auf Platte, live sogar noch emotionsgeladener und mitreißender. Wohingegen bei Liedern wie ‚The Cave‘ und ‚Little Lion Man‘ lauthals mitgesungen wird, wird bei ruhigen Liedern wie ‚White Blank Page‘ andächtig gelauscht und mitgefühlt. Mit purer Leidenschaft, ganzem Herzen und authentischem Spaß an der Musik spielt sich die Band mit außergewönhlicher Intensität die Seele aus dem Leib und gibt par excellence eine Mischung aus Liedern vom Album sowie neuen Songs zum Besten.

Dabei wird vor allen Dingen auch der Diskurs mit dem Publikum nicht gescheut. MUMFORD & SONS scheinen angesichts ihres Höhenfluges in bester Laune zu sein. So gut es geht, versucht die Band, die Besucher in das Konzert mit einzuschließen: Es wird kommuniziert, gescherzt und miteinander gelacht. Der Konzertbesuch entpuppt sich als wahres Erlebnis. Venerunt, Viderunt, Vicerunt.

Zurück bleibt das Gefühl, etwas Großartiges miterlebt zu haben. Selbst Enddreißiger fühlen und verhalten sich wie kleine Teenis, die zum ersten Mal ihre Lieblingsband live bewundern durften. Freudestrahlend, aufgekratzt und mit Platte in der einen, T-Shirt in der anderen Hand verlässt die Gesellschaft das Astra.

Setlist:

1. Sigh No More
2. Awake My Soul
3. Roll Away Your Stone
4. White Blank Page
5. Untitled
6. I Gave You All
7. Little Lion Man
8. Lover Of The Light
9. Thistle & Weeds
10. Timshel
11. The Cave
12. Dust Bowl Dance

Zugabe:
13. Whispers In The Dark

www.myspace.com/mumfordandsons
www.mumfordandsons.com

Autor: [EMAIL=veronique.homann@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der Website]Veronique Homann[/EMAIL]

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