
Nach fünf Alben war es für die kleine Indiepop-Prinzessin CHELSEA NIKKEL aus Auckland Zeit, ein Resümee zu ziehen. Immerhin ist ihre letzte Platte Everything Is Going To Be Alright nun schon vier Jahre her. Das vorliegende Album ist entsprechend ein Live-Best-of aus zehn älteren Titeln. Mit mehrköpfiger Unterstützung aka THE DREAM WARRIORS hat sie diese im Abbey Road Studio Two eingespielt, was man auf Youtube auch begutachten kann.
Los geht’s mit „Time“, aufgenommen mit roher Akustikgitarre und Kontrabass. Der Baroque Pop schrumpft auf eine Art Bandversion zusammen. Chelseas Stimme ist auch ein Wenig gealtert, verglichen mit dem Original von 2022.
Auch ihrem kleinen Hit „I Love My Boyfriend“ verleiht die nackte Instrumentierung eine Kühle, die die ironische Vintage Cuteness des Songs von 2018 fast auslöscht. Der Titel wirkte seinerzeit wie ein Gegenstück zum TOM PETTY-Klassiker „Free Fallin'“: Während dessen Protagonist der sicheren Ehe entgeht, hat in Chelseas Song ein Mädchen einen Freund, den sie definitiv als möglichen Vater ihrer Kinder liebt und dennoch wird sie von einem anderen angezogen. Sie bleibt aber ihrem Freund treu. Die schräge Gitarre lässt diesmal an Anti-Folk denken.
„Forever Is A Charm“ entwickelt sich zwischenzeitlich zu einem Indierock mit viel zu langem Outro, bevor mit Klavier und gruseligem Xylophon der Song kommt, mit dem für das Prinzesschen alles begann: „Monkey Eats Bananas“, das sie schon zu Schulzeiten schrieb.
Mit „Growing Older“ zeigt die Sängerin, dass sie auch zu düsterer Musik fähig ist. Hier schrabt eine quietschende E-Gitarre entlang einer Pianomelodie. Im achteinhalbminütigem „Everything Part I“ und im ähnlich langem „When The World Turns Grey“ bekommt man noch saftige Gitarrensoli und Walls of Sound geliefert.
Chelsea hat ihre Musik überdacht: In diesen Live-Versionen hat sie ihren Lieder den Zuckerguss geraubt und sie leicht in bitteren Gin getaucht. Prosit.
Princess Chelsea
Live At Studio Two
(Lil‘ Chief Records)
VÖ: 26.02.2026