Sundrowner Fest IV – mit Haven, Lifetaker usw.

Bereits zum vierten Mal fand am 2. August das kleine aber feine Festival „Sundrowner“ für Doom-Metal-Fans statt, das vom DIY-Kollektiv Swamp Conspiracy ausgerichtet wird. Veranstaltungsort war ein ganz besonderer Ort: Das „Sonnendeck Pumptrack“ ist ein Garten mit BMX-Strecke, der vom 52° e.V. betrieben wird. Es ist vom S-Bahnhof Warschauer Straße zwar nur wenige Meter Luftlinie entfernt, liegt jedoch derart zwischen den Schienen, dass es nur mit einem Fußmarsch von eineinhalb Kilometern erreicht werden kann.

Dort am späten Nachmittag bei Sonnenschein angekommen, haben sich rund 50 meist schwarz gekleidete Besucher in einem Zeltpavillon versammelt, um die erste Berliner Band zu sehen: KENOMA. Die Musik des Trios wirkt im Vergleich zu der der folgenden Bands am avantgardistischsten. Neben der Rockgitarre von MARCO spielt PAUL ein Altsaxophon, das einen starken Jazz-Anteil hineinbringt. Aus den instrumentalen Stücken scheint das urbane Chaos herauszuwachsen: soziale Gegensätze, der Straßen- und Schienenverkehr.

Es folgen SHOVEL, deren Sänger seine Haltung zum Nahostkonflikt mit Palituch am Mikroständer und Palästina-Flagge am Gitarrengurt deutlich macht. Seine Band spielt einen sludgy Metal, der auch anspruchsvollere Post-Metal-Anteile aufweist. Sie würden genauso gut auf das parallel stattfindende „Wacken Open Air“ passen.

Gediegener und geradezu depressiv klingen LIGHTLESS aus Dresden. Der Doom des Trios baut in jeweils rund 10-20minütigen Stücken weite Klanglandschaften auf und ihre Texte beklagen die unhaltbaren Zustände der Welt. Das Publikum ist auf gut 100 Personen angewachsen.

Ein wiederum harter Kontrast in Musik und Show bieten LIFETAKER aus Dortmund. Sänger KONSTANTIN führt vor der Bühne mit verzerrtem Gesicht geradezu unmögliche Verrenkungen auf. Der Mix seiner beiden Teamkollegen changiert zwischen Industrial Metal und Hardcore-Punk. Die harten deutschen Ansagen gehen leider meist im Noise unter.

Um 21:20 Uhr ist es bereits dunkel geworden über dem Gleisbett. Die Hauptband des Abends kommt aus Berlin und Potsdam: Haven. Sie haben erst im Januar ihr Debüt-Album Causes veröffentlicht und treten an diesem Abend ohne Frauen auf. Da ihr Drummer LUC zeitgleich mit einer anderen Band in Berlin spielt, hilft TOBI aus. Die Szene regelt eben.
Havens Post-Metal ist professionell und mitreißend. Als Vergleiche passen SLEEP TOKEN oder noch mehr A PERFECT CIRCLE. Sänger NORMAN singt und schreit mit diabolischem Blick. Seine Band macht einen starken Abschluss für ein gelungenes Szenefest.

 

Swamp Conspiracy auf Facebook

FacebooktwitterpinterestlinkedintumblrmailFacebooktwitterpinterestlinkedintumblrmail