THE DEAD WEATHER – Horehound


Man kann sich alles schönhören.



Generell sind wir ja für mehr Superbands. Da kennt man die Gesichter und muss sich keine neuen Namen merken. Und wenn die alle aus tollen Bands kommen, dann kann da ja am Ende auch nur Gutes aus den Boxen strömen. Theoretisch.

Nun sind THE DEAD WEATHER auch eine Superband – The White Stripes, The Kills, Queens of the Stone Age – so super wie man annehmen könnte, ist das Ergebnis aber leider nicht geworden. Elf Songs befinden sich auf Horehound, von denen keiner direkt ins Ohr geht. Alles klingt sehr gleich, der Stil, der sich irgendwo zwischen Psychedelic Rock und 90er-Grunge das Kinn kratzt, wird strikt durchgezogen. Am Ende möchte man gern duschen gehen vor so viel Staubigkeit.

Obwohl das nicht so zu verstehen ist, dass die vor Gitarren-Gegniedel-strotzdenden Lieder angestaubt klingen. Es ist eher so, als würde man lasziv auf einem Pferd durch die Steppe traben. Oder durch eine dreckige Stadt. Nur eben konsequent und ohne Unterbrechung. Alison Mosshart klingt die ganze Platte über, als wolle sie dem Hörer mit den Zähnen den Schlüpfer ausziehen: Man wird aufgefordert, sie wie seine Mutter zu behandeln oder mal gefälligst zu ihr zu kommen. Das alles in einem Tonfall, der die 0190-Nummer pleite gehen lässt. Doch genauso wie Jack Whites Stimme ist auch ihre in jedem Lied verzerrt – ein Effekt, dessen Sinn einem irgendwie verborgen bleibt.

Wie auch manch anderes. Nach mehrmaligem Hören kann Horehound vielleicht erträglich werden. Für manche wird es selbst dann noch eine Ansammlung von Instrumenten-Gewichse bleiben, die einfallslos dahinschwappt. ‚Treat Me Like Your Mother‘ ist das eingängigste Stück auf dem ersten Album von THE DEAD WEATHER, doch auch das löst sich zum Ende hin in Nichtigkeiten auf. So schleppend, wie der Titel es besagt, klingt ‚Will There Be Enough Water‘, gestillt wird der Durst leider nicht.
Vielleicht kann man in einer Produktionszeit von drei Wochen nicht mehr erwarten. Freunde von Schlagzeuggeschepper können auf ihre Kosten kommen. Die anderen warten mit uns auf das nächste WHITE STRIPES-Album.

THE DEAD WEATHER
Horehound
(Col/Sony Music)
VÖ: 10.07.2009

www.thedeadweather.com

Autor: [EMAIL=melanie.gollin@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der Website]Melanie Gollin[/EMAIL]

Facebooktwittergoogle_pluspinterestlinkedintumblrmailFacebooktwittergoogle_pluspinterestlinkedintumblrmail