TONI KATER – Sie Fiel Vom Himmel


Auf Samtpfoten.



Wer unter einem solch überflüssigen wie dämlichen Künstlernamen wie TONI KATER auftritt, der muss wohl auch sämtliche Miezekatzen-Wortspiele über sich ergehen lassen. Was sich Anett Ecklebe dabei gedacht hat, als sie sich einst dieses Pseudonym zulegte, ist nicht weiter bekannt. Im Video zu Wo bist Du? aus dem Jahr 2005, das ihren größten Erfolg bis dato bedeutet, ist es auch eine ausgebüxte Tigerkatze, die TONI KATER den Stempel als „Cat-Lady“ aufdrückt.

Eine ganze Weile war es ruhig um die Künstlerin, abgesehen von einer nicht weiter erwähnenswerten, da glücklosen Teilnahme am Bundesvision Song Contest im Jahr 2005, bei der lediglich ein fast schon peinlicher Platz 14 raussprang.

Jetzt ist die Sängerin und Komponisten mit Sie fiel vom Himmel wieder da und möchte nach der Zeit des „Ausprobierens, Schreibens und Erfindens“ wieder als Musikerin erfolgreich sein. Die zwölf Songs dieses ersten Albums seit sechs Jahren kommen allesamt ruhig und gemächlich daher, wie es sich für einen Großstadtkater so gehört. Das Jagen und Fauchen überlässt er anderen, lieber rollt er sich gemütlich auf dem Sofa ein.

Dabei beginnt das Album mit ‚América‘ recht viel versprechend. Das Duett mit RUDOLPH MOSER (EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN) könnte man glatt für einen Song des französischen Geschwisterduos BENJAMIN BIOLAY/CORALIE CLÉMENT halten, sogar ein kleines bisschen SERGE GAINSBOURG ist da drin. Song zwei, ‚Fuchslied‘, ist kuschlig-harmonisch und hat eine hübsche Melodie, leider kennt man’s halt schon aus der Autowerbung und kann es dann halt nicht mehr so ganz assoziationsfrei hören. Die Wolfsburger wird’s freuen. Die restlichen Songs des Albums plätschern so dahin, mit Ausnahme von ‚Krass‘, auf dem TONI KATER die volle Bandbreite an Melancholie rausholt. Taurigschön!

Dabei bleibt’s allerdings dann auch. Die übrigen neun Lieder von Sie fiel vom Himmel sind ganz nett anzuhören, haben mitunter kluge, poetische Lyrics, und von der glockenhellen Stimme der Sängerin muss man ja gar nicht weiter reden. Leider schaffen es diese Songs nicht, dass man sie als mehr als nur wohlige Klänge im Hintergrund wahrnimmt. „Ich möchte ein Raubtier sein“ singt sie da, doch es reicht nur zum Rilke’schen Panther.

Mehr als ein zufriedenes Schnurren bleibt beim Anhören von Sie fiel vom Himmel nicht übrig. Das ist an sich kein schlechtes Fazit, doch ein bisschen weniger Stubentiger und dafür etwas mehr Wildkatze würden TONI KATER ganz gut stehen.

TONI KATER
Sie fiel vom Himmel
(Solaris Empire / Broken Silence)
VÖ 20.01.2012

http://toni-kater.de

Autor: [EMAIL=sandra.wickert@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der Website]Sandra Wickert[/EMAIL]

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