Tripkid – Blaue EP

Na, wer guckt denn da depri ganz allein vom Plattencover? Erst vor zwei Jahren waren LUCA OPIFANTI und MATTHIAS BRENDLE noch neu mit Tripkid gemeinsam unterwegs. Nun scheint nur noch Luca übrig. Seine neue EP führt seinen Indie-Dance-Rap weiter. Womöglich ist sein Ex-Kollege mit „Kleiner Schwanz“ gemeint: Aus Piano und Live-Chor-Lalala schält sich die Abrechnung für Verrat und Enttäuschung: „Hast uns behandelt wie ’ne Kippe: weggezogen und dann ausgedrückt.“

„Angst Vorm Weißen Mann“ bringt die Zukunftspanik der Generation Z auf den Punkt. Der Rechtsruck ist da, die alte Bundesrepublik zerfällt. Die Privilegien-Sensibilität schlägt unentwegt aus. Dass die Mehrheit der Deutschen nach wie vor und noch weniger als in den 2000ern Probleme mit Rassismus und Sexismus hat – trotz all der Workshops und Musik, lässt resignieren. Dass man nun auch noch als Kanonenfutter herhalten soll, ist zu viel. Die Schülerproteste gegen die Wehrpflicht werden sich über „Lauter Als Die Angst“ freuen: „Wir sterben safe nicht für ein Land!“ Wollte Tripkid noch vor zwei Jahren auf einen Roadtrip in eine bessere Welt flüchten, ist jetzt der Ausflug mit dem Auto schon die Flucht, die noch bleibt.

Das Tolle an Lucas müden Texten ist ihre schamlose Ehrlichkeit: Zu Gitarre wird in „Heim“ ordentlich auf die Tränendrüse gedrückt, aber es stimmt sicher, dass sich der Junge selbst auf der Bühne ganz schön einsam fühlt. Über Beziehungen macht er sich in „Liebe > Hass“ ähnlich wenig Illusionen wie WANDA („Dass Es Uns Überhaupt Gegeben Hat“) und macht damit trotzdem einen Who-oh-ho-Partyrefrain. Hoffentlich findet er seine Crowd.

 

Tripkid
Blaue EP
(MadnesstMusic)
VÖ: 30.10.2026
www.tripkid.de

Live

26.12.26, Stuttgart, Jugendhaus Hallschlag

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