Adam Arcuragi – I Am Become Joy

Adam Arcuragi - I Am Become Joy

In sozialer Kälte und Krisen ziehen sich die Menschen gern zurück und wollen sich vergnügen. Auf dem amerikanischen Land haben die Leute vielleicht nicht viel zu lachen und Dinge, von denen sie singen könnten, aber das Bedürfnis. Das möchte ihnen der Folksänger ADAM ARCURAGI aus Pennsylvania nur zu gerne erfüllen. Zu diesem Zweck hat er sein zweites Album [I]I Am Become Joy[/I] aufgenommen. In tragikomischer Manier will er Leute zum Singen bringen und versammelt seine zwölfköpfige LUPINE CHORALE SOCIETY um sich.

ADAM ARCURAGI wurde in Georgia geboren, ist also ein echter „southern boy“, aufgewachsen mit Gospel, Blues und Ami-Folk. 2006 startete er mit einem selbstbetitelten Album. Im letzten Jahr veröffentlichte er die EP [I]Soldiers for Feet[/I] und spielte live in Washington D.C. zu Ehren von Präsident Obama’s Amtsantritt. Seine Akustikgitarre steht im Mittelpunkt. Begleitet wird er von DAVID HARTLEY (Gitarre, Bassgitarre, Trompete), dem Pianisten BRIAN CHRISTINZIO und dem besagten Chor, der Mitglieder von den Kombos B.C. CAMPLIGHT, THESE UNITED STATES, FAN OF FRIENDS, THE WAR ON DRUGS und DAWN LANDES vereint.

Jeder Song beginnt in einer familiären Live-Atmosphäre mit Gemurmel und Gelächter. In ‚She Comes To Me‘ erzählt ARCURAGI klagend von der Liebe, aber nicht ohne ein Schmunzeln auf dem Lippen. Trompete, Gitarren und Chor verbreiten eine rührselige Abendstimmung, die auch nicht beim Realismus aufgegeben wird. ‚People and Private Music‘ stellt klar, wie ARCURAGI zu seiner Bandarbeit steht. Da wird fröhlich mit Klavier und Bläsern über Desillsionierung gesungen: „The real things coming near.“ Ablenkung also.

Die Wirklichkeit sieht nämlich alles andere als großartig aus. Die gescheiterten Hoffnungen, auch was die Liebe betrifft, setzen sich bei ‚Almost Always‘ gänzlich durch, und ARCURAGI zeigt sich allein als schwacher Mann, aber als starker Songwriter, dessen Texte fast aufregender als die begleitende Musik oder sein Gesang sind. Nachdenklich geht es weiter im klavierbestimmten Duett ‚Go With Them‘, indem sich zwei Ex-Lover voneinander verabschieden und hoffen: „At least one of us should be smiling, when the day is through.“

Handclaps, Banjo, singende Säge – alles, was Spaß macht bei traurigen Texten, wird eingebaut. Für ‚We Steal People’s Medicine‘ kommt nochmal der ganze Chor zusammen, aber nicht nur aus „Freude am Gesang“, sondern um sich vor der Einsamkeit da draußen vor der Tür zu schützen.

Ach ja, seliges Aufgeben. „If it’s true when hell has better music, then can the devil really be all that bad?“ Natürlich nicht. Die Musik ist in Ordnung, auch wenn sie vielleicht ein paar mehr Melodien vertragen hätte. Aber muss man den Menschen permanent einreden, sie müssten sich mit ihrer Situation abfinden? Ist etwa kein Change in den USA?

ADAM ARCURAGI live in Berlin am 27.01.10 im Deutschen Theater (mit FABIAN SIMON)

ADAM ARCURAGI
I Am Become Joy
(High Two Records)
VÖ: 08.09.2009

www.adamarcuragi.com
www.myspace.com/adamarcuragi

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