ADAM GREEN + JEFFREY LEWIS + ONLY SON am 31.03.2006 im Tempodrom

Bekannte Posen, schmutzige Witze und orchestraler Pop.



Mittlerweile dürfte es jeder begriffen haben: Außer Robbie Williams hat wohl nur ADAM GREEN diese generationenübergreifende Wirkung. Seine Konzerte wirken zusehens wie beliebte Familienausflugsziele; hier trifft sich alles, von deutlich vorpubertär bis grauhaarig. ADAM GREEN selbst gibt dazu den weltumspannenden Entertainer, den Sinatra für Spätgeborene, auch an diesem regnerischen Abend im sichtbar nicht ausverkauften Tempodrom.

Zunächst durfte der Gitarrist aus GREENs Band, Jack Dishel alias ONLY SON, den Abend eröffnen. Allein mit der Gitarre und iPod-Playback lieferte er schöne Popsongs, ging aber ein wenig auf der großen Bühne unter.

Dann aber schon der erste echte Höhepunkt. JEFFREY LEWIS (samt Bruder Jack) zeigte, dass Anti-Folk lebt und dass man bücherfüllende Textmengen ohne weiteres zu Songs verarbeiten kann, die dann immer noch den Charme des Unfertigen ausstrahlen. Vom aktuellen Album City & Eastern Songs gab es zwar erstaunlich wenig zu hören, der krachende Abschluss ‚Artland‘ bildete aber schon mal einen schönen Kontrapunkt zu dem, was folgen sollte.

Schließlich war „An Evening With Strings“ versprochen worden, und den sollte man bekommen. Als perfekte Kopie der Alben erwies sich der Sound von Band und Streichquartett, vom Opener ‚Vultures‘ an. Kaum ein Hit wurde ausgelassen, bei ‚Bluebirds‘ und ‚Carolina‘ wurden die Tanzversuche an den Rändern langsam wilder, der Großteil des Publikums verharrte jedoch bis zum Schluss brav auf den Plätzen, Kameras und Fotohandys stets im Anschlag.

A propos Publikum: Wie erwähnt, war die Mischung zwar bunt, aber ein weiblicher Anteil von etwa 70 Prozent kann trotzdem nicht abgestritten werden. Von denen wiederum war fast die Hälfte im besten Tokio Hotel-Alter, und man hat schon den Eindruck, als senke sich dieser Schnitt noch mit jeder weiteren Tour des ADAM GREEN. Gab es eigentlich schon einen Bravo-Starschnitt?

Der GREENschen Show tut das natürlich keinen Abbruch. Ohnehin hat man jede Pose mittlerweile hundertmal gesehen. ADAM macht den Hund – Jubel. ADAM jodelt – Begeisterung. ADAM rülpst – Ekstase. Alles ist so übersteigert, so absurd, dass man sich fragt, wann die Seifenblase denn platzt. Noch aber macht dieser wunderbar arrangierte Unfug höllischen Spaß.

Zu ‚Emily‘ durften zunächst noch zwei Fans mit GREEN über die Bühne tanzen. Zu ‚Dance With Me‘, der letzten von fünf Zugaben, erhöhte sich die Zahl auf zehn. Und nach diesem Song gibt es ohnehin keine Steigerung mehr, so dass nach knapp 90 Minuten Schluss war. Bis nächstes Jahr!

www.adamgreen.net
www.thejeffreylewissite.com
www.onlysonmusic.com

Foto: © www.andrewkendall.com

Autor: [EMAIL=sebastian.frindte@b-i-b.de?Subject=Kontakt von der Website]Sebastian Frindte [/EMAIL]

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