Anna Leong – Terrorarium

ANNA LEONG - Terrorarium

„Beware of the straight edge youth, it has to end“, warnen ANNA LEONG auf dem letzten Track ihres Zweitlings Terrorarium. Stattdessen zitieren sie THE CURE: „Friday I’m in love“. Aufgestellt werden jedoch 12 Songs Indiepop, die sich so nüchtern und humorlos darstellen, dass man hier Lebenslust eher zu vermissen glaubt. Das ist nah der Langeweile.

Die Schweden ANNA LEONG aus Umeå bestehen aus FILIP SUNDBERG, JONAS BERGSTEN, ERIK HÖRNSTEN und DANIEL NYLÉN. Sie gründeten sich 2003 und veröffentlichten 2007 auf dem eigenen Label „White Weekend“ ihr Debütalbum After The Forest Fire. Während dieses am britischen Sound orientiert war, sei das neue Album in „inspiration from traditional German harmonies and sounds“ entstanden. Diese Inspiration auf dem Album zu finden, das in Skandinavien bereits Ende April erschien, fällt allerdings schwer.

In den einzelnen Stücken spielen die leicht klirrenden Gitarren nicht die Hauptrolle. Mal kommen Geigen und Klavier, hier und da Glöckchen oder Orgel dazu. Die Stimmung bleibt bedrückt, ruhig und wird kaum beweglicher. In ‚Pulling Down The Blinds‘ haucht ein Chor mysteriös zum Xylophon. FILIP SUNDBERG klingt cool, aber müde, ja lustlos. Seine Lyrics haben gar nicht vor, sich zu reimen.

Dass der Mann aber auch eine romantische Ader hat, bestätigt ‚Happiness‘, ein Song, der auch von den PERISHERS stammen könnte. Zwar nimmt man SUNDBERG „We are so happy now“ nicht unbedingt ab, aber die liebevollen Synthies und das Piano sind original das, was man von schwedischem Indiepop gemeinhin erwarten würde.

Es folgt ‚Sixteen White Country Boys‘, ein Song, der mit merkwürdiger Faszination und Naivität von einer Gruppe Neonazis erzählt. Zwar rollt SUNDBERG fröhlich das „R“ in „Reich“ und erzählt, schon mal Schläge bekommen zu haben. Aber ob es ihn nun stört, dass die Typen von damals jetzt Anzüge tragen und noch „more deadly“ sind als früher, wird nicht klar. Auch ‚Poverty Grove‘ über einen armen Schlucker ist eher belanglos als kritisch.

Terrorarium transportiert insgesamt gesehen wenig bis gar keine Freude. Das ist der abgeklärte, zynische Blick auf die Welt, wenn man abends vor den Nachrichten sitzt. Er wird in Musik gepackt, die weder zum Tanzen, noch zum Demonstrieren auffordern will. Klar: passt zum Herbst – das Grübeln: „Let’s fall in love before we fall to pieces.“

ANNA LEONG
Terrorarium
(White Weekend)
VÖ: 17.10.2008

www.annaleongmusic.com
www.myspace.com/annaleong

Facebooktwittergoogle_pluspinterestlinkedintumblrmailFacebooktwittergoogle_pluspinterestlinkedintumblrmail