ASP – Per Aspera Ad Aspera

15 Jahre ASP. Das seien 15 Jahre „Gothic Novel Rock“ erklärt die Band um ALEXANDER SPRENG. Zwei CDs mit 30 Tracks, 155 Minuten Spielzeit und einem hochwertigen 64-seitigem Booklet mit 30 neuen Illustrationen von Artwork-Star Timo Würz werden in einer Box dargeboten, um mit Per Aspera Ad Aspera ein drittes Best-of nach Interim Works Compendium (2004) und Horror Vacui (2008) aufzustellen. Der Kauf lohnt also nicht nur für ASP-Einsteiger.

Sänger Spreng hat sich als Sänger und Dichter mittlerweile selbst zur Marke gemacht und die gesamte Band ausgetauscht. Sie besteht aktuell aus seiner dunklen Majestät, LUTZ DEMMLER (Gitarre, Keyboard, E-Bass, Mandoline), SÖREN JORDAN (Gitarre), ANDREAS GROSS (Bass) und STEFAN GÜNTHER (Drums). Sie bilden eines der bekanntesten Gothic-Bandprojekte der Nation und zeigen ihre Bandbreite auf.

Die meisten Tracks entstammen dem Liederzyklus Zaubererbruder (2008) zu dem Roman Krabat von Otfried Preußler sowie dem Album Maskenhaft (2013), dessen Inhalt von Spreng sich wohl an Alexandre Dumas‘ Der Mann mit der eisernen Maske orientiert. Zu den ASP-Alben muss man wissen, dass es durchweg Konzeptalben sind, vertonte Gothic Novels. So gehörten die ersten fünf dem Zyklus des Schwarzen Schmetterlings an, während Fremd und Maskenhaft dem Fremder-Zyklus angehören. Die Zersprengung und Vermischung von Einzeltiteln ist also eigentlich nicht im Sinne der Sache. Der 6-Minüter „Wechselbalg“ zu Beginn ist z.B. das Gegenstück zu „So Viel Tiefer“, was sich jetzt nicht erschließt.

Gothic war als Kind des Punk immer eine romantische Sammelbewegung, die sich aus allen möglichen Stilen bediente. Wer jedoch unter Gothic Music vor allem Dark Wave versteht, der muss die ersten Songs von ASP hören. „Wer Sonst?“, hier im Feature mit MICHA RHEIN (IN EXTREMO) gehört dazu, wie auch „Sing Child“ oder der wunderschöne, englischsprachige ASP-Klassiker „Me“.

ASP gründeten sich 1999 und spielten zunächst düsteren, deutschen Rock, der sich zwischen NDH und Mittelalter-Rock gemütlich machte. „Ich Bin Ein Wahrer Satan“ oder „Werben“ waren Titel, die bundesweit Festivals und Gothicfloors zum Kochen brachten. Und „Ich Will Brennen“ hätte sicher auch jemand wie BELA B. (DIE ÄRZTE) gern geschrieben.

Wie es auch SUBWAY TO SALLY taten, orientierten sie sich allerdings auch im Mittelalter-Folk-Bereich. Entsprechend grüßt auch ERIC FISH als „Zaubererbruder“. Ein weiteres hörenswertes Duett ist die Ballade „Mein Herz Erkennt Dich Immer“ mit ELISABETH PAWELKE (Ex-FAUN).

Wer will, kann in der Piano-Version von „Rücken An Rücken“ eine DEPECHE MODE-Hommage erkennen. „Die Löcher In Der Menge“ spielen auf Arkadien von Kai Meyer an. Aber erinnern deren Protagonisten nicht inhaltlich ein Wenig an „Überall“ von den PRINZEN? Nun, Gothics fühlen sich wohl innerhalb der Gesellschaft etwas wie Aliens, beobachtend, abwartend.

Zum Abschluss gibt es sogar Selbstkritik. Spreng gesteht sich ein: „Ich bin bei weitem nicht gerissen genug.“ Aber er sträubt sich „vor dem Abgesang“ („Per Aspera Ad Aspera“). Seien ihm noch viele Jahre gewährt.

 

ASP
Per Aspera Ad Aspera
(Trisol/Gothic Novel Rock Records/Soul Food)
VÖ: 25.09.2014

www.aspswelten.de

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