BEN KWELLER – Changing Horses


Kweller besinnt sich seiner musikalischen Wurzeln.



Wer die Pferde mitten im Fluss wechselt, ist schlecht beraten. Das Risiko, die andere Seite nicht schnell und sicher zu erreichen oder gar den Reiter auf halbem Wege zu verlieren, ist zu groß. BEN KWELLER, der auf seiner letzten Veröffentlichung frische Rosse sattelt, hat die Gefahr gemeistert und seinen neuesten Streich Changing Horses fertig gestellt.

KWELLER erklärt Changing Horses so: „Nach den BEATLES und vor NIRVANA war Country-Musik der Soundtrack zu meinem Leben, sie formte mich zu dem, der ich heute bin… diese Platte setzt den Fokus auf eben diese Seite von mir.“ Auch wenn das Album das erforderliche Country-Outlaw-Beiwerk enthält – beispielsweise die Steel-Gitarre, die jeden Song durchwirkt – so geht es hier weniger um einen musikalischen Stil als darum, Geschichten zu erzählen. KWELLER ist seit jeher mit der Gabe gesegnet, aus unangestrengten Melodien und vollkommenen Hooks zu schöpfen. Auch im Cowboy-Modus vermag er seine charmante Ausgelassenheit, die bei ihm so locker aus dem Handgelenk zu kommen scheint, auf Platte zu bannen. Der Fluss auf Changing Horses ist schlüssig, die Intensität steigt von Song zu Song, während BEN KWELLER aus vergangenem Pop und Rock sein originäres Stück Country schnitzt.

Von dem zermürbenden Wehklagen bei ‚Gypsy Rose‘ und ‚Old Hat‘ zu dem Trucker-Stampfer ‚Fight‘ sowie dem Raststätten-Rock von ‚Sawdust Man‘, KWELLER hält die Pferde auf Trab, gibt ihnen die Sporen. Trotz alledem bleibt er seinem Steckenpferd, dem intelligenten Wortspiel gewogen:

„I’m like my grandma
Short, but I stand tall
Playing every single card that’s dealt to me
Well, some days are aces
And some days are faces
Some days are twos and threes!“

Nicht nur sein Talent, Sätze zu drehen und zu wenden, kommen auf dieser Veröffentlichung voll zur Geltung, es finden sich auf Changing Horses auch KWELLERs bis dato besten Gesangsleistungen: ‚Hurtin’ You‘ mit seinen üppigen Backing-Vocals und ‚Wantin’ Her Again‘, ein famoses Lonesome-Cowboy-Liedchen. ‚Things I Like To Do‘ ist eine süße, kleine Hommage an die einfachen Lebensfreuden:

„I don’t know what to do
But I know what I like to do
I like talking in the diner
‘Stead of screaming in a noisy bar
I like walking into public places
Strumming this guitar.“

‚On Her Own‘ hat einen sonnigen Kalifornien-Vibe und ist der wohl radiofreundlichste Song auf dem Album. Den Schluss setzt das herzzerreißende ‚Homeward Bound‘, ein Song aus den 1960ern, der einmal von JAMES und MICHAEL MANSON geschrieben, aber bisher nicht aufgenommen wurde.
Mit Changing Horses nimmt sich BEN KWELLER wieder einmal einer Songwriter-Tradition an, die ihm allen Anschein nach vorzüglich steht. Und sollte sich herausstellen, dass die Cowboystiefel doch nicht so recht passen wollen, so kann er sie ohne Bedenken abstreifen und einer anderen Fährte folgen.

BEN KWELLER (+ Band) am 11.05.09 live in Berlin/ Lido

BEN KWELLER
Changing Horses
(Ada Global / Rough Trade)
VÖ: 06.02.2009

www.kweller.net
www.myspace.com/benkweller
www.roughtrade.de

Autor: [EMAIL=alexandra.wolf@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der Website]Alexandra Wolf[/EMAIL]

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