Blacktape | It’s all about being real

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Stell dir vor, dir kommt ein ominöses Tape mit einer noch ominöseren Videobotschaft zu. Nicht von irgendwem, sondern von TIGON. Who? Bingo!

Genau hier beginnt auch die Reise des Films Blacktape rund um die Protagonisten MARCUS STAIGER (ehemals Royal Bunker-Chef, Journalist, Autor) FALK SCHACHT (Musikjournalist, Moderator) und SÉKOU NEBLETT (Ex-Freundeskreis-Mitglied, Regisseur). Als Detektivgespann begeben sich die drei auf eine Phantomsuche, um eines der größten Mysterien des deutschen HipHops zu klären: Was hat es mit TIGON auf sich, der angeblich der Erfinder des Deutsch-Raps ist. Wie ist HipHop hierzulande entstanden? Und welchen Effekt hatte er auf die Pop-Kultur? Zwischen Fiktion und Doku, mit Wortbeiträgen von Größen wie HAFTBEFEHL, EKO FRESH oder SAMY DELUXE, entpuppt sich der Film als unterhaltsame wie geistreiche Kontroverse – denn debattiert wird viel und gern.

Nicht minder diskussionsfreudig treten Staiger, Schacht und Neblett zum Interview in Berlin an. Man nascht freudig von fremden Buffets, hated und liebt, schwafelt und konferiert – über das Wesen von HipHop und Musikjournalismus, Authentizität im Rap und Reibeflächen. Ein Streitgespräch der anderen Art…

Schacht: Was hörst du für Musik?

Gerade viel Joy Division.

Schacht: Wisst ihr, woran das liegt? Rock hat ein Neuerfindungsproblem! Es ist schwierig, nach siebzig Jahren Gitarre, Schlagzeug und Bass noch etwas ganz Frisches zu erfinden. Im HipHop gibt es immer etwas Neues! Deshalb hat man Atzen, Casper, verschiedene Rap-, Funk- und Rave-Formate.

Staiger: Gut, aber dann steht das Rap und HipHop noch bevor!

Schacht: Nein! Ständiger Wandel ist Wesen des HipHop! Wisst ihr noch was? Das macht das Internet. Wenn unsere Eltern alten Kram wollten, mussten sie an die Plattenschränke ihrer Eltern oder in Läden. Heute kann ich mir mit zwei Klicks Joy Division reinfahren. Deswegen hören junge Leute jetzt so was.

Welche Rolle spielt für dich Musikjournalismus dann überhaupt noch?

Schacht: Man braucht Reviews nicht mehr, um überhaupt etwas über Platten zu erfahren.

Staiger: Solange Leute Musik machen, werden sich andere dazu äußern. Es wird über sie geschrieben, weil andere sie verkaufen wollen.

Schacht: In deiner wunderbaren Ignoranz dem Thema gegenüber übersiehst du, dass es auch Leute gibt, die einfach so Blogs schreiben. Das ist viel zu kurz gedacht!

Staiger: Irgendwelche Leute haben mal auf Holzblöcken rumgehämmert. Die brauchten keinen, der über ihre Musik schreibt.

Schacht: Sag mal, was willst du eigentlich!? (laut) Du bist Gesellschaftskritiker! Stellst dich hin und sagst: Das und das macht ihr scheiße! (verstellt die Stimme) Was willst du denn verkaufen? (alle lachen)

Die gegensätzlichen Charaktere aus dem Film sind also real. Warum wolltet ihr nochmal zusammen Blacktape drehen?

Neblett: Mich faszinierte, dass HipHop eine Jugendkultur ist, die die gesamte Nation beeinflusst hat. Plötzlich sang und rappte man auf Deutsch. Trotz meiner Jahre bei Freundeskreis, habe ich erst nach und nach gemerkt, was hier gerade los ist. Diese Entdeckung wollte ich dem HipHop auch zuschrieben.

Staiger: Weil Tigon ein cooler Typ ist! Hm, ich wurde immer nur gefragt, ob ich von Anfang an mitmachen wollte. Da sage ich immer: Nein! (lacht) Eigentlich, weil ich die beiden mag.

Neblett: Staiger und ich hatten nichts miteinander zu tun – und wenn, dann immer nur negativ. Dann haben wir uns kennengelernt und ich habe gemerkt: Hier ist eine gesunde Spannung! Die zwei da haben die eh. Das war perfekt! Damit wollte ich auf eine Reise gehen.

Zu euren verschiedenen Meinungen kommen unterschiedliche musikalische Backgrounds. Gymnasiasten-Rap trifft auf Street Rap. Wie hat das den Film beeinflusst?

Schacht: Das macht den Film aus! Ein Interviewer hat mir gesagt, die Kontroversen würden dem Film nicht gut tun – eine private Person meinte, gerade das sei spannend. Unsere Analyse: Kunst muss den Beobachter zwingen zu reflektieren. Das geht nur, wenn der eine sagt, die Seite ist scheiße, und der andere, nee, deine ist scheiße!

Wie viel von dem, was im Film passiert, war ungeplant?

Neblett: Fast alles war von mir geplant. Aber wie die zwei damit umgegangen sind, war oft ungeplant.

War dir die Reibefläche nach außen genauso wichtig wie die unter euch?

Neblett: Es gab definitiv Leute, die Probleme mit dem Thema und der Machart hatten. Oder mit Staiger. Ich wollte eigentlich nicht, dass es diese Reibefläche gibt. Im Nachhinein macht sie den Film aber interessant.

Staiger: Kann ich null nachvollziehen. Ich würde Interviews mit Leuten, derer Meinung ich nicht bin, nicht ausschlagen. Es gibt einen Unterschied, ob man mich persönlich angreift oder die öffentliche Figur und ihr Schaffen.

Schacht: Der Mensch neigt zu Dogmen. Auf ein anderes Lager treffen, eine andere Meinung hören und sich hinterfragen – das muss man erst mal schaffen. Aber nur so kommt man vorwärts! Außerdem ist Staiger da ganz simpel: Wenn er dich hasst, sei richtig nett zu ihm – dann mag er dich umso mehr.

Im Film ist öfter von Authentizität die Rede. Was ist im HipHop authentisch?

Staiger: It’s all about being real! Äh, was war noch mal die Frage?

Was macht einen HipHopper authentisch?

Staiger: Ich habe eine ganz private Meinung dazu: Du bist authentisch, wenn die Art deiner Vortragsweise mit der Art deiner Rap-Persönlichkeit übereinstimmt. Beispiel: Blumentopf sind real. Weil deren Art zu Rappen scheinbar mit ihnen zu tun hat, finde ich das auch authentisch!

Schacht: Völlig falsch! Das ist eine Kategorie, die nicht erfüllbar ist, weil sie von Außenstehenden aufgestellt wird. Es gibt immer zwei Realitäten. Wieso kann ich mir das Recht herausnehmen, zu sagen, dass diese Person authentisch ist und die andere nicht, wenn das für jemanden anders das realste der Welt ist?

Staiger: Realitäten! (gespielt theatralisch) Bla-bla-bla…

Schacht: Das hängt miteinander zusammen, du Otto! (laut)

Wer ist denn authentisch, Marcus, wenn man das beurteilen kann?

Staiger: So wie Savas damals gerappt hat, mit dieser quäkenden Stimme, so wie er geredet hat – das war authentisch! Savas kommt so: Wieso hassen mich die Leute doch fragen mich „Wie geeehts“? Wieso tauschen Junkies Nadeln und sterben dann an Aids? (rappt) Das war seine Meinung. Er war der Pimp – er war der authentischste Rapper!

Schacht: Das musst du wieder auf deinen Geschmack zurückführen! Die Vortragsweise hat dich angesprochen. Du kannst nicht die Glaubwürdigkeit absprechen,…

Staiger: Snoop Dog! Das war der permanente Kiffer, aber der hat das so rübergebracht, dass man auf jeden Scheiß abgegangen ist. Blumentopf? Unfassbar langweilig! Ich wusste nie, dass das drei Rapper sind. Helge Schneider ist auch real als Figur. Mario Bart ist ein richtiges Arschloch. Null authentisch!

Neblett: Das ist ein schwieriger Begriff. Ihr habt beide recht!

Staiger: (schreit und haut sich dabei auf den Oberschenkel) Nein, nein, nein! Das ist der totale Untergang! Nein!

Neblett:  Viele haben recht! (lacht)

Staiger: Und jeder ist Mensch…

Neblett: Das ist ein relativer Begriff. Es kommt einfach darauf an, worauf du Wert legst. Staiger achtet auf die Stimme und das Auftreten. Er hat sein Verfahren. Mich hat mal wer gefragt: Wie findest du Cro? Ganz ehrlich: Er ist, was er vorgibt zu sein, beherrscht sein Handwerk gut, schreibt dementsprechend seine Pop-Songs.

Schacht: Was ist da das Positive oder Negative?

Neblett: Es gibt Leute, die machen einfach schlechte Songs.

Staiger: Blumentopf! Genau das ist es!

Schacht: Hm, ja, okay – vielleicht.

www.blacktape-derfilm.de

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