Bloc Party – Intimacy


Auf den Spuren von Radiohead.



Vom eher behagliche Ruhe suggerierenden Titel sollte man sich vorm Kauf des neuen BLOC PARTY-Albums nun wahrlich nicht irreführen lassen, entwerfen die Jungs um Sänger/Gitarrist Kele Okereke auf Intimacy doch ein größtenteils nahezu apokalyptisch anmutendes Klang-Szenario, mit dem sie sich mehr und mehr von dem noch auf Silent Alarm () verfolgte Neuorientierung in Sachen Sound und Inhalt konsequent weiterentwickelt. Die auf dem Vorgängeralbum kongenial umgesetzte Vertonung eines auf hedonistischem Partygebaren basierenden Großstadtwochenendes mit all seiner unter der geschönten Oberfläche hervortretenden Gewalt, Fremdenfeindlichkeit und Sinnentleerung wird nunmehr auf Intimacy soundtechnisch teilweise noch auf die Spitze getrieben.

Und natürlich bezieht auch das neue Album genau dadurch seinen Reiz, dass BLOC PARTY eben nicht wie viele ihrer Brit-Kollegen auf der Stelle treten und die einmal bewährte Erfolgsmasche bis zum Gehtnichtmehr wiederkäuen, sondern ähnlich wie Radiohead inbesondere zu Zeiten von Ok Computer und Kid A gänzlich neue Wege zu beschreiten versuchen, auch wenn dies oftmals zulasten einer klar konturierten Songstruktur geht und hier und da auch schon mal eine Spur zu überambitioniert erscheint. Auch hinsichtlich der digitalen (Vor-) Veröffentlichung des Albums folgten sie unlängst ja bekanntermaßen den Oxforder Indie-Innovatoren, wenn auch nicht ganz in deren extremer Ausprägung.

BLOC PARTY setzen mehr noch als auf A Weekend In The City auf nervös-zappelige Beats, verfremdete Stimmen und ein von den inzwischen zu bewährten Haus-Produzenten avancierten Paul Epworth und Jackknife Lee glanzvoll auf den Punkt gezimmertes, teils überbordendes Ballyhoo aus geschmackvoll inszeniertem Getöse und scheppernder Elektronik (‚Ares‘, ‚Mercury‘, ‚Zephyrus‘), das allerdings immer wieder auch durch wohltuende, wenn nicht zwingend erforderliche Momente der Ruhe (‚Biko‘, ‚Signs‘) oder wie in ‚Halo‘ oder ‚Talons‘ eher klassischen Bloc Party-Stuff mit klar definiertem Nebeneinander von Strophe und Refrain und den gleichermaßen sirenenartig drängelnden wie kraftvollen Gitarren auf das genau richtige Maß zurechtgestutzt wird.

Gerade weil es den ein oder anderen Durchlauf mehr benötigt, dann aber im wahrsten Sinne des Wortes so richtig zündet, ist Intimacy das bislang stärkste Album dieser augenscheinlich nach wie vor von unbändiger Leidenschaft und Kreativität (an-) getriebenen Band.

BLOC PARTY am 14.02.2009 live in Berlin/ Columbiahalle

BLOC PARTY
Intimacy
(Wichita/ Cooperative/ Universal)
VÖ: 24.10.2008

www.blocparty.com
www.wichita-recordings.com

Autor: [EMAIL=thomas.stern@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der Website]Thomas Stern[/EMAIL]

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