Christeene am 30. Juli live in Berlin

Christeene in Berlin

Wer sich mal informieren wollte, was gerade in der Queer-Community Trend ist, dem wurde auf dem „Yo! Sissy Music Festival Berlin“ am 29. und 30. Juli einiges geboten. Neben Szenegrößen wie MYKKI BLANCO und KARIN PARK traten hier auch ein Haufen Underground-Künstler auf, darunter der Drag-Artist CHRISTEENE, den im letzten Jahr FAITH NO MORE ins Vorprogramm nahmen und PEACHES mit auf Tour.

Sein Vorwurf, die Szene sei viel zu brav und bürgerlich geworden, war teilweise auch im Publikum zu beobachten. Es wimmelte im „Musik & Frieden“ oder im Postbahnhof von bärtigen Hipstern, netten Gothgirls und schnieken Herren. Christeene sprengte hier optisch fast alles: Mit langer, schwarzer Mähne, viel Blacklight-Makeup, freakiger Mimik, Strip-Moves und schauriger Stimme terrorisierte er für das Video „African Mayonnaise“ bereits Supermärkte und Scientology-Filialen.

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Höchst amüsant ist dieser Elektroclash, gemischt mit Rap und harten Beats, aufgedreht vorgetanzt in DIY-Kostümen. Christeene steht am 30. Juli um halb vier auf dem Mainfloor des „Musik & Frieden“ wie eine schräge Mischung aus dem jungen MARILYN MANSON und LADY GAGA vor seinen meist männlichen Zuschauern und teilt ihnen die Parolen aus, die sie hören wollen: Es sei Zeit, all die heteronormativen Uniformen abzuwerfen, denn am Ende des Tages zähle nur eins: „Every hole is a hole.“

Witzig auch, wie er einer Lesbe eine Banane schenkt. Seine Fans sind auf seine kleinen Hits „Fix My Dick“ und „Big Shot“ vorbereitet. Dass er vor ihnen stehen kann, hat er sich selbst erarbeitet: Das Geld für das Album Waste Up, Kneez Down (2012) und „The Trigger Tour“ konnte er aus Crowdfunding-Mitteln bezahlen. Das Ergebnis ist tollkühn und auf seltsame Weise sogar cool.

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www.christeenemusic.com

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