CLAP YOUR HANDS SAY YEAH am 16.02.2006 im Postbahnhof


Yeah: Der Indiepop-Hype aus Brooklyn live in Berlin.



Die Band um Mastermind ALEC OUNSWORTH, die durch einen von begeisterten Fans entfachten Internet-Hype zu einer der ganz großen Indiepop-Hoffnungen der letzten Monate avancierte, trieb im Zustand romantisch verklärter Vertragslosigkeit den Verkauf ihres Debütalbums komplett in Eigenregie voran und verschickte quasi vom heimischen Wohnzimmer aus tausende CDs an Interessenten in aller Welt. Mittlerweile sind CYHSY ja auch in europäischen Gefilden zu einem richtig großen Ding geworden und beim kleinen Label Wichita unter Vertrag.
Mag ihr Album mit einem Sound zwischen Talking Heads, Television und Arcade Fire auch die Kritikergilde zu wahren Begeisterungsstürmen animiert haben, an der etwas gewöhnungsbedürftigen, gelegentlich hysterisch-schrillen Stimme von OUNSWORTH schieden und scheiden sich bis heute insbesondere die Fan-Geister.

Nach dem Support der sympathischen Weirdo-Folkies DR.DOG wurde die Bühne im nahezu ausverkauften Postbahnhof in der Umbaupause in der Mitte und an den Seiten mit dichten Luftballon-Trauben bestückt, bevor das Quintett aus Brooklyn gegen 22 Uhr im Gegensatz dazu äußerst nüchtern und ohne größeres Brimborium mit ihrem Set loslegte und bereits direkt nach dem Opener mit ‚Is This Home On Ice‘ voller Selbstbewusstsein einen ihrer stärksten und bekanntesten Songs gleich zu Anfang „verpulverte“ und mit atmosphärisch-angeschrägtem, My Bloody Valentine-reminiszentem Gitarren-/Keyboard-Sound den ersten richtigen Begeisterungsfunken unter den Besuchern zündete.

Natürlich musste man sich kurz auf ALEC OUNSWORTHs eigenwillig-schrillen, jedoch zu keiner Zeit auch nur ansatzweise nervenden Gesang einstellen, der gelegentlich gar in ein sich überschlagendes Jodeln kippte und durchaus als hysterischere Variante von David Byrne zu frühen Talking Heads-Zeiten durchging. Herrlich! Denn genau das macht schließlich einen nicht unbeträchtlichen Teil des Charmes und Reizes der Band und überhaupt des Ganzen aus, und OUNSWORTH verstand es auch bestens, mit eben dieser markanten Stimme dem oftmals recht voluminös anwachsenden Treiben seiner Bandkollegen standzuhalten und so für ein gesundes Gleichgewicht von Sound und Stimme zu sorgen.
Das konnte man von seinen seltenen, kaum verständlich genuschelten Songankündigungen und noch selteneren Danksagungen nun wahrlich nicht behaupten, doch mit zunehmender Spielzeit taute der ansonsten völlig in seiner Musik aufgehende, trotz umgehängter Gitarre gerne quirlig gen Amp tänzelnde Sänger schließlich auch noch etwas auf.

Musikalisch variierte die Band geschickt zwischen verhaltenerem Alternative und Psychedelic Folk, schräg schrammelndem sowie den ganzen neualten New Wave/Postpunk-Kram einbeziehendem Indiepop, und insbesondere die von OUNSWORTH explizit angekündigten zwei neuen Songs in der Mitte des Sets überraschten mit einem äußerst tanzbaren Beat und verspielt synthi-/keyboardlastigem Sound unweit von LCD Soundsystem oder Radio 4.

Dass der Zugabenblock mit gutgelauntem Handclapping (für das den Gig über in erster Linie Keyboarder/Gitarrist ROBBIE GUERTIN ab und an zuständig war) seitens Band und Fans infolge der vom Album bekannten Einstiegs-Aufforderung ‚Clap Your Hands!‘ begann und dem zusammem mit dem Support-Act DR.DOG gejammten wunderbaren Coverversion ‚Helpless‘ von Neil Young endete, rundete diesen klasse, gut 70-minütigen Auftritt perfekt ab. Selten hat ein gerne inflationär benutztes „Yeah“ am Ende einer Rezension so gut gepasst wie diesmal. Clap your hands and say: Yeah!!

www.clapyourhandssayyeah.com
www.wichita-recordings.com
www.cooperativemusic.com

Autor: [EMAIL=thomas.stern@b-i-b.de?Subject=Kontakt von der Website]Thomas Stern[/EMAIL]

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