Daughn Gibson – Carnation

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DAUGHN GIBSONs dritter Longplayer Carnation ist ein ungewöhnlich schönes Album geworden. Tiefschwarz im Country verankert, mit einem Überbau aus 80s-Synthie-Pop und gut akzentuiertem Noise, der hier und da an entschleunigte JOY DIVISON meets MORRISSEY erinnert. Dabei weiß GIBSONs baritonale Stimme zu fesseln und begleitet durch eine Klangwelt aus Lethargie, Kummer und mentalen Zerwürfnissen.

Die Welt, die DAUGHN GIBSON mit Carnation zeichnet, ist eine düstere – eine Welt, durch die sich aus der Psychiatrie entlassene Männer auf der Suche nach sexueller Intimität schlagen („Daddy I Cut My Hair“) oder ihre Maskulinität als Krankheit wahrnehmen und ausmerzen wollen („A Rope Ain’t Enough“). Im Opener „Bled To Death“  segnet Gibson das Zeitliche, nur um die grausame Macht zu beklagen, die ihn wieder zurück ins Leben zieht. Umrahmt wird der Trauergesang von verzerrten Frauenstimmen, die in ihren Betonungen so unnatürlich klingen, dass man annehmen muss, sie hätten Ihren Gesang rückwärts eingesungen und wurden hier wieder vorwärts abgespielt. Was vielleicht etwas eigensinnig klingt, entfaltet eine eigene Lieblichkeit, die sich so selten finden lässt.

Obwohl die thematischen Ebenen einen dunklen Ton anschlagen, klingt die Instrumentierung doch eher lebensbejahend. Koproduziert wurde Carnation von RANDALL DUNN, der schon mit SUNN O))) und EARTH zusammen gearbeitet hat. Das hört man besonders in „Back With the Family“, in dem Gibson von einem dronigen Bass begleitet wird. Dunn ergänzt wie kein Zweiter den Pop-Appeal von Gibson und verleiht ihm eine fremde Würze. Zusätzlich werden beide von Komponist EYVIND KANG unterstützt. Dieser kümmerte sich hauptsächlich um die auf dem Album vertretenen Streicher-Arrangements und ist beispielsweise bekannt für seine Zusammenarbeit mit JOHN ZORN oder MAMIFFER. Aufgenommen wurde Carnation in Seattle in den Avast Studios, in die sich von TORI AMOS über BOTCH bis hin zu den FLEET FOXES bereits viele große Namen der Musikindustrie verirrt haben.

Carnation ist ein Album, das sich nach ein paar Durchläufen unweigerlich im Kleinhirn einnistet und einen in einen Abgrund aus pechschwarzer Leere starren lässt, in der man mehr von sich selbst wieder erkennen mag, als man sich eigentlich zugestehen möchte.

DAUGHN GIBSON
Carnation
(Sub Pop / Cargo Records)
VÖ: 05.06.2015

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