Dean Nguyen – Best of Studio Ghibli

Das japanische Anime-Studio Ghibli fasziniert nach wie vor gerade junge Producer. Der New Yorker Nachwuchsmusiker DEAN NGUYEN hat sich ans Keyboard gesetzt und seine fünf Lieblingslieder aus berühmten Anime neu interpretiert, nur zwei Monate nach der Neuproduktion von Ghibli-Musik Tribute To Studio Ghibli.

Bis auf „Kimi wo Nosete“ von AZUMI INOUE aus dem Film Das Schloss im Himmel (1986) sind alle von JOE HISAISHI geschrieben. Darunter ist auch „Path of The Wind“ aus Mein Nachbar Totoro (1988), das auf dem Cover dargestellt wird. Hier ist es ein kleiner Geist (rechts), offenbar ein Kind des großen „Herren des Waldes“ Totoro (links), der die Melodie auf einer Okarina bläst. Bemerkenswert ist, dass die beiden Geister zwei Mädchen mit auf einen Baumwipfel genommen haben. Was wie eine unschuldige Fantasie anmutet, ließe sich ebenfalls so interpretieren, dass auch die beiden Kinder Geister, also bereits tot sind. Der Gedanke hat bei Fans eine erstaunlich schlüssige Filmtheorie hervorgebracht.

Am 1. Mai 1963 verschwand in der japanischen Stadt Sayama ein Mädchen. Sie wurde später ermordet aufgefunden. Ihre ältere Schwester soll sich eine Mitschuld gegeben und darum das Leben genommen haben. Fans fragten nun Regisseur Hayao Miyazaki, ob er sich vom „Sayama-Vorfall“ hatte inspirieren lassen. Dass er verneinte, konnten sie nicht glauben, denn die exegetische „Beweislast“ war erdrückend: Ortsbezüge im Film wurden als Anspielungen auf Sayama interpretiert. Im Film heißen beide Schwestern übersetzt „Mai“ (May und Satsuki). Und nur sie können die Geister und v.a. Totoro sehen. Sind dies Vorzeichen ihres Todes, ja Totoro der shintoistische Todesgott?

Das Happy End des Films erschien den Fans nun zu glücklich. Die Sandale im See wird Satsuki erzählt, gehöre „jemand anderen“ und nicht der verschwundenen May. Wird hier deren Tod einfach verleugnet? Konnte Satsuki ihre Schwester mithilfe der Magie von Totoro wirklich wiederfinden? Oder ist das Happy End nur der Traum bzw. der „Himmel“ Satsukis, die den Tod von May nicht verkraften konnte und Selbstmord beging? Das würde an das japanische Volksmärchen Die Geschichte von Rose und Lotus erinnern, das immer wieder verfilmt wurde, zuletzt als Der Fluch der 2 Schwestern (2009).

Schließlich glaubt die tödlich kranke Mutter im Krankenhaus ihre Töchter im Baumwipfel lachen zu hören. Spürt sie die Geister bzw. ihren eigenen nahen Tod, der mit einer Wiedervereinigung mit ihren Kindern verbunden wäre? Genau darauf bezieht sich das Lied „Path of The Wind“: Die Mutter hört im Wind in den Blättern ihre Töchter. Entsprechend ist auch Nguyens Pianospiel viel ernster und erwachsener, als es im Bezug auf einen „Kinderfilm“ angemessen scheint. Film und Score sind für Erwachsene gemacht.

 

Dean Nguyen
Best of Studio Ghibli
(Selbstvertrieb)
VÖ: 21.07.2017

Dean Nguyen auf Bandcamp

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