Dido – Safe Trip Home

Dido - Safe Trip Home

Die Welt ist nicht schön. Das wissen wir alle. Doch sollten uns die Künstler nicht verzaubern, ein Happyend versprechen? DIDO ist so ein Persönchen, dem man ohne Zögern glauben würde, würde sie singen, dass doch alles eine Ordnung hat und jeder Topf seinen Deckel findet. Aber die Gute ist ehrlich und lässt Enttäuschung als persönliches Leitmotiv auf ihrem aktuellen Album auftreten. Fünf Jahre hat der dritte Output auf sich warten lassen und ist erneut unentbehrlich, aber diesmal hoffnungslos.

Wir erinnern uns: EMINEM bewies einen guten Riecher und samplete DIDO auf seiner besten Scheibe: The Marshall Mathers Album, und der Durchbruch für die Britin folgte. Jene kühle Blonde kredenzte mit Engelsmiene und einer so genannten „einzigartigen Stimme“ edelsten Pop. Das war im Jahr 2000. Drei Jahre später wurde sie mit Life For Rent, das mit schönen Melodien en masse beladen war, bereits zur Diva. Safe Trip Home nun wurde von Jon Brion (BECK u. a.) produziert, und auch Brüderchen Rollo schrieb erneut mit an den Songs.

Wie üblich startet das Album mit einer Vorabsingle: ‚Don‘t Believe In Love‘ stößt den Fan allerdings erstmal schön vor den Kopf. Beatgestützt und getragen spricht Frau ARMSTRONG von ihrem neuen Verhältnis zum Thema Liebe, die Streicher bleiben abwartend irgendwo im Hintergrund.
Auf ‚Quiet Times‘ sind sie aber wieder da, die reinen DIDO-typischen Gitarren. Entspannt geht es dahin, und der Fan denkt sich: „Ein Glück – wie früher.“ Aber ach, was singt sie da? Von der Unfähigkeit, mit dem Menschen zusammen zu sein, den sie liebt? Wie als schüchterne Erinnerung an Life For Rent wirkt dieser Track als Vorgeschmack auf die folgenden Songs, die viel unzugänglicher sind als all das, was man von DIDO gewöhnt ist. Die süßen Geiger sind nur noch lakonisch, wenn sie in ‚Look No Further‘ „My heart has found its home“ ausspricht, als wär es ihr Todesurteil.

DIDO kann kalt, müde, ja gelangweilt klingen, so als ob das neue Album für sie nur eine aufgezwungene Zugabe wär, worunter die Qualität nicht leidet. Mal etwas Jazz, mal etwas Salsa oder Folk – alles kein Problem, aber melancholisch durch und durch.
Man kann mutmaßen, dass sich ‚The Day Before The Day‘ (wie auch ‚Grafton Street‘) auf ihren Vater bezieht, der vor kurzem verstarb. Ganz intim und zart, zum Weinen bitter und schön nimmt sie Abschied.

Nachdem sie in ‚Burnin Love‘ mit CLARENCE GREENWOOD, dem amerikanischen Folksänger CITIZEN COPE ein Duett gesungen und sich persönlich an den Drums abgearbeitet hat, zieht Madame Bilanz. ‚Northern Skies‘ erzählt von dem Gefühl der Astronauten, wenn sie aus dem All zurückkehren. Die Sterne, die man früher nur durchs Fernglas bewunderte, haben ihre Magie verloren. DIDO hat die Welt gesehen und wurde enttäuscht. So viel ist klar.

AMY WINEHOUSE lief einst die Straße entlang, sah ein Poster und schrie: „I hate you, DIDO!“ Man kann‘s verstehen. Welche englische Sängerin will DIDO noch das Wasser reichen? Die steht jetzt auf dem Boden der Tatsachen.

DIDO
Safe Trip Home
(Sony BMG)
VÖ: 14.11.2008

www.didomusic.com
www.myspace.com/dido

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