
Auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2026 hielt der US-Außenminister Marco Rubio eine bemerkenswerte Rede, die als neoimperialistisch, ja neokolonialistisch gelesen wurde. Die USA bieten Europa an, gemeinsam die Herrschaft der westlichen Zivilisation über die Welt wieder aufzubauen, die seit 1945 allmählich untergegangen sei. Völker- und Menschenrechte müsse man dafür entschärfen. Zum zivilisatorischen Erbe zählte er in einer Reihe MOZART und BEETHOVEN sowie THE BEATLES und THE ROLLING STONES auf.
Diese Geschichtsdeutung ist geschichtsvergessen. Erstens sind die Völker- und Menschenrechte Ergebnisse der westlichen Zivilisation sowie des Endes des II. Weltkrieges. Zweitens waren die Beatles und die Stones eng verknüpft mit der anti-imperialistischen Hippie-Bewegung. Während Rubio seine Jugend in Freikirchen verbracht hat, wurde der Atheist und Beatles-Mitgründer JOHN LENNON von einem christlichen Fundamentalisten erschossen.
Die MAGA-Bewegung um US-Präsident Donald Trump hat die Pop- und Rockmusik schon länger als Kampffeld entdeckt. So bot sie in diesem Jahr eine Art nationalistische Alternative zur berühmten Super Bowl-Halbzeitshow an. Während dort der Latin- und Reggeaton-Star BAD BUNNY erklärte, dass für ihn „Amerika“ auch Südamerika bedeutet und die rassistische Gewalt in den USA kritisierte, stellte die rechte Organisation „Turning Point USA“ ein Gegenprogramm aus den Country-Rockern BRANTLEY GILBERT und LEE BRICE, dem Southern Rocker KID ROCK sowie der Countrysängerin GABBY BARRETT auf. Trump persönlich wütete im Netz im Nachhinein über den Bad Bunny-Auftritt.
Kid Rock versucht derweil ein MAGA-freundliches Festival namens „Rock The Country“ von Mai-bis September 2026 aufzubauen. Doch seine Trump-Unterstützung scheint ein paar Musiker zu verschrecken. So traten die Rockbands SHINEDOWN und CREED, die Countrysänger MORGAN WADE und CARTER FAITH sowie der Rapper LUDACHRIS stillschweigend aus dem Line-up aus. Verblieben sind neben zahlreichen Country-Acts wie Gilbert noch die Rocklegenden LYNYRD SKYNYRD, Rapper NELLY, AARON LEWIS (STAIND, THE STATELINERS) und DANNY WORSNOP (ASKING ALEXANDRIA).

Aber es gibt auch kritische Stimmen. So protestierten am 12. Februar sage und schreibe 110 Musiker und Bands aus Minnesota mit der Compilation Melt ICE gegen die umstrittene Polizei- und Zollbehörde United States Immigration and Customs Enforcement (ICE), die von der Trump-Regierung gegen Immigranten und Demonstranten eingesetzt wird. Zwei Tage nach der Veröffentlichung, am Tag von Rubios Rede in München, erschien die Compilation FCK ICE mit 12 weiteren Acts aus Louisiana. Die Einnahmen beider Sampler unterstützen die angegriffene Zivilgesellschaft.