
Folk-Horror ist ein sehr spezielles Subgenre des Horrorfilms. Bezüge zum Land und zum 19. Jahrhundert werden aufgemacht, meist verbunden mit noch älteren Mythen. Die Schrecken der Vormoderne kehren zurück, um moderne Menschen aus der Stadt zu bedrohen. Ein Fan davon ist der Musiker EDGARS aus Matlock. Seit Sommer 2025 hat er 10 Gothic-Folkalben in Eigenregie produziert. Inspiration waren von Anfang an Filme und Kurzgeschichten aus dem Folk-Horror. Nun widmet er seinen Lieblingsklassikern von den 60ern bis in die 2000er 14 Lieder.
Los geht’s zum Beispiel mit der Übermutter des Folk-Horrors: „The Innocents 1961“ (dt. Schloß des Schreckens), beruhend auf der Novelle The Turn of the Screw (1898), der schon THE HARE AND THE MOON („The Willows“) und KATE BUSH („The Infant Kiss“) faszinierte. Hier kommt eine stark religiöse Gouvernante auf ein Schloss, um zwei Kinder zu betreuen. Sie glaubt zusehends, dass diese von Geistern besessen seien. Edgars übernimmt ihre Rolle und singt mit gebrochen, unsicherer Stimme ihre Rechtfertigung für ihr Handeln: „All I want is to save the children, not make things worse.“ Denn am Ende ist ein Kind psychisch krank und das andere tot. Ob die Geister existierten oder nur Repräsentationen ihrer eigenen verdrängten Sexualität waren, erfährt weder der Leser der Erzählung, noch der Zuschauer der Verfilmung oder der Zuhörer des Songs. Das beunruhigende Gitarrengeklimper von Edgars passt zu der Frau, die ihre eigene Hysterie auf die Kinder überträgt.
Nach Geistern geht es mit Zombies weiter: Für „The Plague of the Zombies 1966″ findet Edgars einen beruhigenden Singer/Songwriter. „Witchfinder General 1968“ ist dagegen ein für ihn typischer Neofolk: Akustikgitarre und seine unauffällige Männerstimme.
„Badlands 1973“ beruht auf E-Orgel-Gedudel und einem CAT STEVENS-artigen Gesang. „The Fog 1980“ (dt. Nebel des Grauens) ist gar ein Banjotitel mit Mundharmonika ist, der eine überraschende Fröhlichkeit auf diesen depressiven Film legt. Auch hier kehrt das Verdrängte zurück, diesmal in Gestalt von vor langer Zeit ermordeten Leprakranken.
Edgars‘ Soundvielfalt wird erweitert: „Night of the Living Dead (and sequels) 1968″ ist ein 80s-Dancepop. Der für die 70er Jahre krasse Horrortrash „The Abominable Dr. Phibes 1971“ (dt. Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes) bekommt einen romantischen Synthie-Gothic-Pop. Und ein richtiger Rocksong ist schließlich „Hellraiser 1987″ (dt. Das Tor zur Hölle), der auf der Novelle The Hellbound Heart zurückging.
Die Songs sind nicht komplex ausgeführt, sondern dienen vorrangig als Skizzen, um die Filmhandlungen aus Sicht der Figuren darzustellen. Hier dreht es sich immer wieder um die Frage, warum jemand tötet, v.a. aus später Rache und dem Wunsch nach unerfüllter Lust. Der Sänger kann hier nicht nur Filmnerds sondern auch Gothic-Fans abholen.
Edgars
Horror Movies
(Selbstvertrieb)
VÖ: 08.06.2026