EDITORS am 03.11.2007 im Huxley’s


Let’s dance to Joy Division?



Die EDITORS scheinen derzeit einen ganz besonderen, erstaunlich zeitgemäßen musikalischen Nerv zu treffen. Nicht nur, dass ihr Konzert ins wesentlich größere und auch bereits seit einigen Wochen ausverkaufte Huxley’s Neue Welt verlegt werden musste, auch angesichts der aus Rockern, Goths und Indie-Nerds zusammengesetzten versammelten Fanschar konnte man sich des Eindrucks einer eigentümlichen Konsensfähigkeit der Band aus Birmingham nicht erwehren.
Auch wenn viele all der ach so blitzgescheiten Musikkritiker an Sound und Erscheinungsbild von Bands wie Interpol oder eben den EDITORS immer gerne mit hämischer Freude herummäkeln und ihnen eine wenig innovative rückwärtsgewandte Wavelastigkeit im Geiste von Bands wie Joy Division oder Bauhaus zum Vorwurf machen, darf man insbesondere bei den Jungs um TOM SMITH ungeachtet aller sicherlich nicht ganz unberechtigten Vergleiche zu früheren Heroen dunklen Indierocks konstatieren, dass sie im Gegensatz zu vielen anderen aktuellen britischen Bands vor allem eines haben, und zwar Songs, Songs, Songs, die zudem auch noch durch tanzkompatible Finesse und Gänsehaut erzeugende emotionale und nachhaltig berührende Tiefe bestechen.

Vor ausverkauftem Haus spielten die EDITORS am Samstagabend im Huxley’s dann auch von Beginn an gekonnt ihre sich vor allem in den sowohl episch-mehrwändigen als auch gitarrenlastig-reduzierteren angelegten Songs der beiden Alben The Back Room und ), hat im Zuge des Nachlegens mit dem zweiten Album und des damit einhergehenden großen Erfolgs inzwischen endgültig auch live seine Bestätigung gefunden. Sänger und Gitarrist TOM SMITH spielt im Gegensatz zu den Band-Anfängen inzwischen selbstbewusst auf der Klaviatur der großen Gesten, zeigte sich auch diesmal ehrlich begeistert vom Fan-Zuspruch und bedankte sich mit sympathischer Bescheiden- und Zurückgenommenheit einige Male meist auf Deutsch für die ihm und seinen Mitstreitern entgegengebrachten Jubelstürme, um Stimme und Charisma war es beim agilen Frontman ja von jeher bestens bestellt.

So nahm nach dem perfekt inszenierten Opener ‚Lights‘ (mit einleitendem waghalsigen Sprung aufs Keyboard von einem sichtlich euphorisierten TOM SMITH als erstem Knalleffekt) ein Konzert seinen Lauf, das über gut 90 Minuten mit variabel performten Hits wie u.a ‚Bullets‘, ‚All Sparks‘, ‚Munich‘ oder ‚An End Has A Start‘, einer dezent-geschmackvollen Lightshow und vollem, der Location angemessenen Sound zu begeistern wusste und schließlich in einen nochmals mitreißenden Zugabenblock und dem mächtigen ‚Smokers Outside The Hospital Doors‘ kulminierte.
Dem ein oder anderen mag das mittlerweile alles schon eine Spur zu dick aufgetragen und stadiontauglich, ja Coldplay-like von übertrieben epischem Ausmaß erscheinen, die Essenz bzw. Substanz der überragenden Songs sorgte aber an diesem Abend auch in der Live-Umsetzung für ein nachhaltiges, trotz des (noch) ungewohnt großen Rahmens äußerst intensives Konzerterlebnis. Und zu Joy Division tanzen mittlerweile ohnehin andere.

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Autor: [EMAIL=thomas.stern@bands-in-berlin.com?Subject=Kontakt von der Website]Thomas Stern[/EMAIL]

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