
Kaum zu glauben. Wir haben es 2026 und das neunte EVERLAST-Album ist da, 26 Jahre nach dem ersten, das seinem Titel Forever Everlasting so immer gerechter wird. Im Grunde hatte er sich doch von seinem Bluesrap verabschiedet: Nach dem letzten regulären Album Songs of the Ungrateful Living von 2011 erschien 2013 eine Art Akustik-Best-of namens The Life Acoustic. Und 2018 ließ er noch einmal seine alte HipHop-Band aufleben. Acht Jahre nach Whitey Ford’s House of Pain will er es also nochmal wissen. Als Producer steht ihm Rapkollege YELAWOLF zur Seite.
„Losing Man’s Game“ ist ein überdeutlich klassischer Einstieg. Everlasts Akustikgitarre und sein heart-broken Text, der sich an sein Girl richtet, mit dem es einfach nie geklappt hat: „Why can’t I just walk away?“ Der Song breitet sich dann angenehm in einen Countrypop aus. ERIK SCHRODY verstand es immer, seinen Sound in alle Richtungen zu strecken, hier mit verhaltenen E-Gitarren und Bläsern. Seine Stimme klingt verständlicherweise bärbeißig-älter als je zuvor.
Ein weiterer Aspekt von Alben wie Love, War, And The Ghost Of Whitey Ford war der Bluesrock und der wird mit „Peace Of Mind“ und „Never Coming Home“ wieder deutlich in Erinnerung gerufen. Hier läuft er energetisch zu alter Stärke auf. Prost, Whitey! Wer puren Blues hören will, bekommt „Lies“.
Dieses Déjà-entendu-Gefühl des Hörers spiegelt sich in der Filmszene, die in „Mistaken Identity“ aufgerufen wird, wenn sich Everlast plötzlich wieder mit „Hello, it’s me“ bei der Frau seines Lebens meldet. Freundlicher Gitarrenpop klingt nach Altersmilde, die trotz „Nanana“-Chor dennoch traurig bleibt. Es geht immer wieder um Betrug, Alkohol, Trennung und Kommunikationsprobleme („Stones“).
Coole Folknummern wie „Rubber Bullets“ runden dieses gelungene Alterswerk ab. Man kann sagen, was man will, über Mr. Schrody, doch der kann’s immer noch. Aus Straßenjungs werden Straßengreise, wie der 57jährige in „1987“ selbst feststellt.
EVERLAST
Embers To Ashes
(Martyr Inc./Thirty Tigers)
VÖ: 28.08.2026