GOLDEN PUDEL CLUB am 02.12.05 im Postbahnhof


JAQUES PALMINGER ist Gott.


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Ich war jetzt inzwischen vier Mal im Postbahnhof. Zunächst dachte ich, naja, ’nen recht konvetionelles Venue… Aber nachdem ich bisher bei jedem Konzert in neue Hallen geleitet wurde, gewinnt dieser Veranstaltungsort immer mehr an Reiz dazu. So wurde ich an diesem Abend nicht rechts herum, sondern mitten durch das Gelände geleitet, um mich, am Gästelistenchaos vorbei, in die bisher schönste Aufteilung der scheinbar unendlichen Hallenstruktur des Postbahnhofs zu bewegen. Fälschlicherweise hielt ich den Vorraum, in dem sich die meisten der halbintellektuellen Gäste platziert hatten, für den eigentlichen Veranstaltungsort, was mir erst bewusst wurde als (ein weiteres Mal) elektronische Klänge aus einer noch größeren angeschlossenen Halle erklangen.

Dort hatten sich zwei junge Menschen mit ihren (GÄÄÄHN!) Laptops platziert, um unsere Nerven mit Drum&Bass-Rhythmen zu strapazieren und mich somit gleich in den Vorraum zurücktrieben. Diese waren vor dem GOLDEN PUDEL CLUB ungefähr genauso gut gewählt wie INGO APPELT als Anheizer auf einer Gala für Brustkrebskranke.

Kurze Frage: Hat eigentlich jeder Berliner Veranstalter halbdebile Neffen, die den Scheiß, den sie in ihrer Selbsthilfegruppe auf dem Rechner zusammenbasteln, Dank ihres geschäftigen Onkels auf die unschuldige Menschheit loslassen dürfen? Anders kann ich mir diesen neuesten Zustand für deplatzierte Vorgruppen nicht erklären.

Vor etlichen Jahren durfte ich schon einmal dem PUDEL CLUB beiwohnen, als dieser noch nicht gülden war, bei dem SCHORSCH KAMERUN noch vornehmlich den SYLVESTERBOY mimte und ROCCO SCHAMONI gar wundervolle Geschichten über unfreiwillige Nächte in Supermärkten zum Besten gab. Doch heute sollte alles ein wenig anders werden, nämlich „Der geilste Abend des Jahres“ und – um ehrlich zu sein – ich hatte wenig Zweifel.

Nach kurzen Sicherheitsvorschriften von RÜFTATA 110 per DVD-Botschaft begrüßten KAMERUN und SCHAMONI kurz das aparte Publikum, um nochmal auf „den geilsten Abend des Jahres“ hinzuweisen und dann sofort JAQUES PALMINGER anzurappen. Und da stand er nun „Gott“, der von seiner äußeren Erscheinung auch als Vorsitzender des Greifswalder Vereins gegen die Ausschwitzlüge hätte durchgehen können, und dem informierteren Gast zumindest stimmlich vom STUDIO BRAUN hätte bekannt vorkommen müssen.


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Doch Herr PALMINGER hatte uns keine braunen Parolen mitgebracht, sondern die wahrscheinlich schönste Hasstriade in Form von von „Boxpolemik“, die es je gab, mit dem gar lyrischen Titel ‚Fick dich, Henry Maske, fick dich‘ vorgetragen, ohne musikalische Unterstützung und auch auf jegliche Melodie verzichtend, um nach tosendem Applaus von THE BOYGROUP abgelöst zu werden.

THE BOYGROUP mit den BEASTIE BOYS zu vergleichen, würde diesen nicht gerecht, da diesen nicht halb so viel Wahnsinn aus den blauen Augen blitzt als es bei THE BOYGROUP der Fall war. So spackten die drei Jungs wie von der Tarantel gestochen drei Stücke lang über die Bühne, um danach mit allen Protagonisten des heutigen Abends zum PUDEL CLUB zu fusionieren und gleich mit einem – laut eigener Aussage – Mega Flop weiter zu machen. ‚Mit Gewalt geht alles besser‘ hieß es, und die Herren nutzten den extra errichteten Steg, um uns mitzuteilen, dass wir wieder eine Mauer errichten müssen: eine Mauer in den Herzen und eine Mauer in den Köpfen, um diese dann mit Liebe einzureißen. Der dazu passende Song folgte auf dem Fuße. Von nun an war „Platz- und Instrument- nach rechtsrum-Tauschen“ angesagt, und so rotierten alle Mann locker flockig um das Set, bevor Gott, äh JAQUES PALMINGER, uniformiert (was sein erwähntes Äußeres potenzierte) zurückkehrte, um eine programmatische Rede zu halten, die in uns einen beklemmenden Knoten erzeugen sollte, welchen er mittels eines darauffolgenden Songs wieder zu lösen gedachte.

Die Ausführungen über den „Harakiri Stammtisch Altona“, dessen Gründer Herr PALMINGER ist und Mitglieder rekrutieren wollte, die als einzige Voraussetzung mitbringen mussten, aufgehört zu haben mit der Zukunft abzuschliessen, wandelte sich in kürzester Zeit in eine wilde Beschimpfung in Richtung Publikum, welches, wie es sich für humorlose Berliner gehört, dem Hamburger Humor nicht gewachsen war. Eben diesen war wohl auch das nächste „härteste Stück“ des Abends von SCHORSCH KAMERUN gewidmet. ‚Ihr Wixer‘, in dem es dann beschwichtigend hieß – „… wegen euch sind wir hier“, und eben diese Wixer errichteten nach kurzer Anleitung während des Songs die ‚Fuck-Wall‘, indem sie mit ausgestreckten Armen der Bühne den Rücken zudrehten. Noch kurz ein GOLDENEN ZITRONEN-Song mit ‚Weil wir einverstanden sind‘ eingestreut, um dann mit dem ‚Discotier‘ den Abend und die Performance zu einem Höhepunkt zu treiben, der jeden Orgasmus wie Kochen mit Biolek erscheinen ließ.


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SCHAMONI, KAMERUN, THE BOYGROUP und JAQUES PALMINGER legten einen Dancekracher auf’s Parkett, der vornehmlich von der DoppelSynchronschwimmDrumPerformance inklusive ständiger, großer Rockpose von KAMERUN und PALMINGER lebte und auch durch eine Tanzeinlage von „Gott“ beendet wurde.


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Leider fehlen mir die Superlative, um diesen Abend nochmal zusammenzufassen, aber eines sei gewiss, dass der Tourtitel selbst am Ende dieses Jahres absolut seinen Namen verdient hatte. Genau deshalb ersparte ich mir dann auch den Auftritt von SUPEREFFEKT und DEICHKIND, da diese vergleichsweise eh nur hätten verlieren können. Ich ging dann lieber heim, um mir einen runter zu holen, oder soll ich besser sagen, um mir den Pudel zu vergolden?!

www.pudelclub.de ;o)
www.pudel.com
www.buback.de

Fotos: © treibsand.net, muzprosnet.ru
Autor: [EMAIL=mirco.erbe@b-i-b.de?Subject=Kontakt von der Website]Mirco Erbe[/EMAIL]

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