
Piraten? Im Gegensatz zu Punkrapper BEN GALO, der sich als Piratenliedermacher neu erfand, muss die zweite EP der Postpunker GRENZKONTROLLE mit der ersten zusammengelesen werden: Auf die Edelweiß EP von 2025 folgt nun die Piraten EP. Der Bezug der Kölner auf die jugendliche Widerstandsgruppe „Edelweißpiraten“ verdeutlicht sich in der Haltung gegen den um sich greifenden Rechtsruck. Das Quartett besteht aus DON L. GASPAR ALI (Vocals), KODIA FUNK (Gitarre), SCHUTTLAND (Bass) und ROZA ROT (Drums).
Fast schon locker beginnt „Neumarkt“ mit Indie-Bass und „Na-Nanana-na“-Chor. Doch dann teilt Ali in NDW-Affektiertheit mit: „Ich liege ausgeknockt am Boden.“ „Schwerer Druck auf meiner Brust“. Die „I can’t breathe!“-Situation von institutionellem Rassismus wird zum Pars pro toto für das derzeitige Gefühl jedes halbwegs normalen Menschen gegenüber der hässlichen Realität: Regierungen, die wieder Kriege gegen andere Staaten und gegen die eigene Bevölkerung führen. Beispielsweise wird die „Stadtbild“-Debatte von Kanzler Merz aufgegriffen, mit der die CDU deutlich machte, für wen sie eben keine Politik (mehr) machen will und für wen inzwischen schon.
„Traum Ist Aus“ schließt verbittert an „Der Traum Ist Aus“ von TON STEINE SCHERBEN an. Eher symbolistisch wird hier zu E-Gitarre Realismus gepredigt: „Schwarzer Rabe, führe mich ins Licht! Seifenblasen verpass‘ ich ’nen Stich.“ Deutscher Postpunk kann aber auch Wut machen: „Ich muss hier raus!“
Die gesellschaftliche Ausgrenzung schwarzer Menschen wird in „Tür“ verdeutlicht. Ob ziviler Schützenverein, Privatschule oder Grenzverwaltung – überall werden Türen geschlossen, getriggert von der Hautfarbe: „Sobald ich das Haus verlasse, sind es deine Blicke, die mich erschießen.“ Das Musikvideo macht auch Bock: Während DEICHKIND einen jodelnden Schwarzen in deutscher Jägerstracht quasi surreal inszenierten („In Der Natur“), wird hier diese praktisch angeeignet. Dazu schrammeln die Gitarren. Die Band muss man sich merken.
Grenzkontrolle
Piraten EP
(Bodenlos Records)
VÖ: 29.05.2026
Live
20.06.26, Duisburg, Traumzeit Festival
29.06.26, Wiesbaden, Schlachthof
01.07.26, JunkYard Open Air Dortmund
16.07.26, Deichbrand Festival
07.08.26, Königs Wusterhausen, Bergfunk Open Air
08.08.26, Friedland, Jenseits von Millionen Festival
21.-22.08.26, Schwabmünchen, Singoldsand Festival
28.08.26, Berlin, Pop-Kultur Festival
29.08.26, Bischofswerda, Toen Festival
25.09.26, Berlin, Badehaus
26.09.26, Bremen, Tower
27.09.26, Hamburg, Hafenklang
29.09.26, Leipzig, Moritzbastei
10.10.26, Köln, Gebäude 9