Sonidos Liquidos 2026 Lanzarote – Unser Ticker

POPTRAVEL. Unter diesem Namen berichten wir in unregelmäßigen Abständen vermehrt von unterwegs: Porträts, Interviews, Konzert- und Festivalberichte im berühmten Blick über den Tellerrand. Diesmal geht es übers verlängerte Wochenende vor die Westküste Afrikas – nach Lanzarote …

Dort steigt am Samstag, den 6. Juni wieder SONIDOS LÍQUIDOS. Für die (ausverkaufte) 15. Ausgabe des Festivals sind unter anderem der Indie-Vierer GINEBRAS aus Madrid (die Band hat kurzfristig abgesagt) das Londoner Garage-Rock-Duo THE MOLOTOVS und BOSTICH + FUSSIBLE aus Tijuana gebucht, die Norteño und Techno fusionieren. Doch die Musik ist nur eines der Highlights – das Szenario ist mindestens so spannend. Das Festival findet in La Geria statt, Naturschutzgebiet und größtes Weinanbaugebiet der Kanaren in einem. Sí, auf dem vulkanischen Gestein der Insel gedeihen Reben – und die Kombi aus prächtiger Naturkulisse und (obendrein ultralokalem) Vino verspricht einen fantastischen Backdrop.

Den Auftakt zum Festival macht ein Konzert im Almacén in Arrecife – siehe „Gastronomie“ weiter unten. Ob wir am 6. Juni selbst live vor Ort tickern können oder einen detaillierten Nachbericht liefern, wissen wir allerdings noch nicht. So oder so:  Wir sind gespannt und lassen euch bis dahin schon mal den Link zur Seite samt Timetable da …

Wir sind mittlerweile in Lanzarote angekommen. Nach einem tollen Auftaktkonzert letzte Nacht in Arrecife – ÁNGELA GONZÁLEZ aus interpretierte mit satter Selbstironie und zu wunderbar reichem Gitarrenspiel die großen und kleinen Dramen ihres Liebeslebens der vergangenen Jahre, zu denen sich nun die große Liebe auf den ersten Blick zum Publikum gesellen dürfte, das der Singer-Songwriterin aus Málaga an den Lippen hing und sogar eine Imprompute-Choreo begeistert lernte – erreichte uns heute allerdings ein Schocker: Das Sonidos Líquidos 2026 muss in letzter Minute (tatsächlich kaum zwei Stunden vor Öffnung der Tore) abgesagt werden. Grund sind die Sturmböen, die schon seit einigen Tagen über die Kanareninsel hinwegfegen und die Umsetzung des Festivals schlicht zu gefährlich für alle beteiligten machen.

Schon gestern hatte die Organisator*innen schlechte Nachrichten erreicht, als die quasi als Headliner gebuchten GINEBRAS aus familiären Gründen kurzfristig absagen mussten. Der im Mirnichtsdirnichts gestemmte Notfallplan mit dem Booking von RUFUS T. FIREFLY als Ersatz sollte keine Wende des Glücks bringen: Das Festival fällt aus.

Foto: Daniel Cabecera García

… oder so hieß es zumindest eine Weile lang. Ein paar Stunden später aber war die Diskothek Aura in Arrecife proppenvoll, und das nicht nur mit den 1200 Gäst*innen des offiziellen Limits (es mögen ein paar mehr gewesen sein), sondern auch mit dem Großteil der Bands auf der Bühne. Was war passiert? Festivaldirektor Neftalí Acosta hat es uns auf der Terrasse (von der aus man tagsüber exzellenten Blick aufs Meer hätte) erzählt:

Am frühen Nachmittag war klar, dass wir das Festival nicht würden umsetzen können. Ich hatte gerade in Madrid bei Rufus T. Firefly angerufen, um ihnen zu sagen, dass sie sich gar nicht erst ins Flugzeug setzen müssten, und die Absage war über Social Media kommuniziert – da erhielt ich später meinerseits einen Anruf – vom Chef der Aura: ‚Der Laden ist heute frei – falls du ihn also brauchst …‘ Wir sind sofort nach Arrecife gefahren, haben uns die Situation der Bühnentechnik angesehen, und dann ging es direkt wieder zurück nach Geria, um mit dem Umzug zu beginnen. Alle haben alles gegeben, ich habe ein fantastisches Team.

Dabei legen Acosta & Co. großen Wert darauf, dass das Ganze nicht offiziell als Event mit „Sonidos Líquidos“-Siegel zu verstehen ist, sondern vielmehr als ein „Plan B“, der dank der Offenheit und Unterstützung von Seiten des Clubs und der Artists möglich wurde. Dem Publikum, das schon am Nachmittag einen Kommentar moralischen Supports nach dem anderen auf dem Absage-Post hinterlassen hatte, schien es herzlich gleich – zumal die Festivaltickets erstattet werden sollen. Die Stimmung war von den ersten Tönen des Garage-Rock-Dreiers LA 126 an entsprechend exzellent.

Foto: Daniel Cabecera García

Alle Acts ließen sich in der kurzen Zeit nicht im neuen Line-Up unterbringen – Beginn im Aura war gegen halb elf, Zapfenstreich gegen halb drei Uhr morgens –, doch viel hat nicht gefehlt. Als Nächstes waren SANGUIJUELAS DEL GUADIANA aus Casas de Don Pedro in der Extremadura dran, die in La Geria als Co-Headliner agiert hätten. Das Timing war also vergleichbar und der Laden zu diesem Zeitpunkt bestens gefüllt, um die Party-Kombi aus Indierock und Ska-Pop am Anschlag zu feiern. Weitere Highlights des Abends waren der Wave-Pop von um ÁNGEL STANICH und die kanarischen Lokalmatadoren und diesjährigen Sonora-Gewinner GOOD FRANCO. Denen hätte meh gern mehr als die vielleicht 25 Minuten gegönnt, die sie hatten – der chilligere Style der Band war ein angenehmer Kontrastpunkt. Und als Rausschmeißer traten schließlich BOSTICH + FOSSIBLE vor das nicht mehr ganz so umfangreiche (und nüchterne) Publikum, deren Mix aus Música Mexicana und housigen Beats einen angemessen irrlichternen Schlussstrich unter einen verrückten Tag zog. Wir lassen euch noch eine kleine Bildauswahl da und verabschieden uns in diesen Momenten auch schon wieder aus Lanzarote. Hasta la próxima!

www.sonidosliquidos.com

Fotos: Daniel Cabecera García

Hotel

Wir waren im Relaxia Lanzaplaya untergebracht. Das unweit der Playa Grande in Puerto del Carmen gelegene Hotel, das auf Wunsch mit All-Inclusive-Package für endlose Cocktails am Pool gebucht werden kann, fungiert zugleich als Quasi-Festival-HQ – hier sind auch die Artists untergebracht. Alle Zimmer – die eher kleine Apartments sind – verfügen über Balkon oder Terrasse, die höher gelegenen meist gar mit Blick aufs Meer. Punto Carmen selbst ist allerdings nicht unbedingt der Rede Wert, am Strip gibt es vor allem Irish Pubs, Karaoke und „Chinese/Thai“-Restaurants. Ihr wisst Bescheid.

www.relaxia.net/en/hoteles/relaxia-lanzaplaya

Foto: neverleavetheclouds

Gastronomie

Mal sehen, was wir so entdecken, doch definitiv vorbeischauen werden wir in der Bar Picasso im El Almacén in Arrecife. Das Kulturzentrum, in den Siebzigern von den Künstlern César Manrique (der berühmte Tausendsassa stammte aus Arrecife) und Pepe Dámaso ins Leben gerufen, gilt nicht nur als Nightlife-Klassiker, sondern wird am 5. Juni auch Schauplatz eines Satelliten-Gigs zum Auftakt von SONIDOS LÍQUIDOS, wenn Singer-Songwriterin ÁNGELA GONZÁLEZ in der Sala Buñuel auftritt.

Mittlerweile können wir verraten: Die Bar Picasso ist auch ohne Musik im Obergeschoss jederzeit einen Besuch wert. Highlight auf der kleinen Karte sind die Kaktuskroketten (auf Lanzarote kann man auch César Manriques berühmten Kaktusgarten besuchen), zu denen man sich wunderbar eine kleine, ausschließlich mit lokalen Ziegenkäse-Sorten bestückte Käseplatte und ein Gläschen mit auf vulkanischem Gestein gewachsenen Trauben vinifiziertem Rosé (zum Beispiel, genau, von der Bodega Geria) bestellen kann.

Und sonst so?

Von der Marina Puerto Calero aus gleitet der schicke Schlitten eine Stunde lang die Küste Richtung Südwesten der Insel entlang, wo sich die Gäst*innen dann für zwei Stündchen mit Wasserrutsche, SUP etc. vergnügen können. Es gibt eine offene Bar mit schönem Rosé, Bier und Softdrinks und einen gar nicht so kleinen Snack mit köstlichen kanarischen Kartöffelchen und einem gesunden Schlag Mojo. Da fehlt nichts.

www.catlanza.com

Foto: neverleavetheclouds

Die Reise wurde unterstützt durch Turespaña und Turismo Lanzarote.

www.tourspain.eswww.turismolanzarote.com

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