HANS SÖLLNER + BAYAMAN’SISSDEM am 06.04.2008 im Postbahnhof


„Da Gscheideste is doch bloß g’scheid, wenn ihn der Dümmste a no versteht!“



Wenn HANS SÖLLNER mit seiner Combo BAYAMAN’SISSDEM die Hauptstadt besucht, ist das – nicht nur für Exil-Bayern – eine gute Gelegenheit, der bajuwarischen Mundart in vollendeter Perfektion zu lauschen und sich an derb-charmantem bayrischen Reggae zu erfreuen.

Das haben sich wohl auch an die 250 Leute gedacht, die sich im Postbahnhof tummeln, um den Bob Marley Bayerns live zu erleben.
Recht pünktlich geht es los, zumindest betritt Hans samt Band schon mal die Bühne, begrüßt seine Fans im tiefsten bayrisch und beginnt zu erzählen – von seinem Leben in Bad Reichenhall, wo er ständig ins Visier der Gesetzeshüter gerät – und auch von seinen Erlebnissen als Familienvater. Mit diesen kleinen Anekdoten leitet er über zu seinem großen Thema: dem Kampf für die Freiheit des Individuums, die Legalisierung von Marihuana mit eingeschlossen.
Zwischen all den Schimpftiraden auf Staat, Politik und Gesellschaft hält der zur Rastafari-Religion konvertierte Ex-Katholik immer wieder inne, sinniert versonnen, lacht in sich hinein und bevor er vollends den Faden zu verlieren scheint, setzt er erneut zu herrlich zynischen Kommentaren an – sehr zur Erheiterung des Publikums. Zumindest für die, die der bayrischen Sprache mächtig sind. Die Mitglieder der Band nehmen Söllners vorläufiges Solo-Programm gelassen, machen es sich sitzenderweise bequem und legen eben erst los, wenn der Meister musikalisch loslegt.

Im Publikum macht sich hier und da schon Unruhe breit: „Jetzt spui halt amoi!“ (Jetzt spiel halt mal!). Der Zuruf verfehlt seine Wirkung nicht. Nach einem langen rhetorischen Intro geht es jetzt also mit ‚Hey Staat‘ los, es folgen Songs wie ‚Steht’s auf!‘, ‚Babylon‘ und ‚Wos denkt’s Eich dabei‘. Mitsingen können die meisten, bald grölt die Menge ausgelassen „Eeeeeedeltraud, oh Edeltraud, du host a sauguat’s Gras o’baut / Eeeedeltraud, oh Edeltraud, du wärst die g’rechte Braut!“ mit – die Stimmung erreicht den Höhepunkt und alle haben einen Heidenspaß. Dabei ist es erstaunlich, wie die Musiker völlig ruhig sitzend dermaßen grooven können, während sie dabei aussehen, als würden sie mal eben lässig improvisieren – und dabei kreieren sie Reggae vom Feinsten, auf bayrisch halt. D.h. mit Akkordeon und – wer hätt’s gedacht – bayrischen Texten. Ab und an klingen auch jazzige Elemente durch, Ska, Dancehall, Polka – jeder Song bekommt eine eigene Färbung verpasst, und man kann gar nicht anders, als sich dem Rhythmus hinzugeben. Im Publikum ist keiner, der nicht zumindest mitwippt.

Über zwei Stunden lang dauert die Performance des derben Poeten, dessen Texte einerseits nachdenklich machen und andererseits jede Menge Witz und Sarkasmus versprühen.
Abschließend bedankt sich HANS SÖLLNER mit ‚Loben und Preisen‘ beim „liaben God“ für alles, für sich und für sein Leben. Und ganz zum Schluss beim Publikum, dass es „vorbeig’schaut hat“.
Gerne Hans, jederzeit wieder – und vielen Dank, dass DU und die Band amoi in Berlin vorbeig’schaut habt’s!

www.soellner-hans.de

Foto © Hans Söllner, Trikont
Autor: [EMAIL=susanne.lang@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der Website]Susanne Lang[/EMAIL]

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