Interview mit FAIRMOUNT


Winterdepression im Anmarsch? Stimmungsaufheller gefällig? Voilà: FAIRMOUNT aus Oslo werden’s schon richten.

In den Vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts war die Welt für James Dean erstmal zusammengebrochen, musste er doch schon als kleiner Junge den Verlust seiner Mutter beklagen. Trost fand er bei Onkel Marcus und Tante Ortense auf der Farm im idyllischen Fairmount im Staate Indiana, die schon früh sein kreatives Talent förderten.

Bjørn Thomas Andreassen ist ein großer Bewunderer des Ausnahmetalents. Zwar hat er es bisher noch nicht geschafft, nach Fairmount zu pilgern, allerdings zollte er seinem Idol damit Respekt, dass er einfach mal seine Band nach Jimmys Kindheitsstadt benannt hat. Soweit die Legende, kommen wir nun in der Gegenwart an. Die trägt sich in Oslo zu, wo FAIRMOUNT sich binnen kürzester Zeit einen sehr ehrenwerten Namen gemacht haben. Das Quartett, das Oslo seine Homebase nennt, setzt sich aus vier Musikern mit unterschiedlichster Herkunft zusammen… das reicht von norwegisch-portugiesichen über deutsch-norwegische und amerikanische bis zu mexikanischen Wurzeln.

Diese spannende Mischung trägt wesentlich zur Energie bei, die den Sound von FAIRMOUNT ausmacht: Solider, genial einfacher und sehr, sehr rhythmischer Rock. Dabei stimmt hier das nordische Klischee der dunklen und melancholischen Musik überhaupt nicht – weit von Emo und traurigen Mundwinkeln entfernt sind FAIRMOUNT angenehm krachige, kräftige und kr… äh, großartige Mood-Lifter, die manchmal an die Queens Of The Stone Age, dann wiederum an The Hives erinnern. Drummer Armando Zuñiga erzählt anlässlich eines Berlinbesuchs, was sie in nächster Zeit so alles vorhaben.



popmonitor.berlin: Armando, Eure Tour führt Euch bis Ende des Jahres durch Norwegen, Holland über die USA bis nach Mexiko. Das ist ja ein ganz schönes Programm. Was suchst Du denn gerade hier in Berlin? Hattest Du einfach die Nase voll davon, 8 Euro für ein Bier hinzulegen wie in Oslo oder gibt es noch einen anderen Grund?
Armando: Haha… eigentlich bin ich hier, weil uns Leute über unsere Facebook-Seite gefragt haben, ob wir mal in Deutschland auftreten… vor allem in Berlin, aber es gab auch ein paar Mädels aus Ingolstadt, die wollten, dass wir kommen… da musste ich erstmal googeln, wo das überhaupt ist.

Erzähl mal, wie kamst Du eigentlich zu der Band?
Armando: Ich bin vor zwei Jahren wegen meiner damaligen Freundin nach Norwegen gekommen. Ich habe dann zuerst als Creative Director gearbeitet, und eine Kollegin von mir ist mit Bjørn (dem Drummer, Anm. d. Red.) befreundet und erzählte mir, dass Fairmount gerade ihren Drummer gefeuert hatten und auf der Suche nach einem neuen sind. Eigentlich hatte ich zu dem Zeitpunkt überhaupt keine Lust mehr auf Musik… ich war in Mexiko in einer Band und wir waren kurz vor dem Durchbruch… und dann hat es letztendlich doch nicht geklappt, was zu vielen Streits in der Band geführt hat. Ich hatte dann einfach keinen Bock mehr, Musik zu machen, ich glaube, ich habe mich ziemlich melodramatisch aufgeführt. Naja, dann habe ich aber zwei oder drei Tage lang mit Fairmount gejammt und da war sofort diese Chemie zwischen uns. Mittlerweile habe ich sogar noch jemanden aus meiner alten Band hierher geholt, unseren Gitarristen Kevin.

Du kommst aus Mexiko… wie würdest Du die Unterschiede im Musikbusiness und bei den Fans in beiden Ländern beschreiben?
Armando: Die Musikindustrie ist in Mexiko um einiges besser. Die Norweger sind nicht sehr scharf auf Konzerte, wenn du nicht gerade jemand wie Metallica bist. Norwegen ist aber besser, wenn du international bekannt werden willst, weil man in Mexiko eigentlich nur auf spanisch singt – und da hat man in den nicht-spanischsprachigen Ländern eher geringe Chancen. Und na klar bist du in Norwegen nur einen Katzensprung von all den anderen Ländern in Europa entfernt.

Und wer macht die bessere Party und hat die hübscheren Groupies?
Armando: In Norwegen sind die Frauen echt wahnsinnig schön. Zum Partymachen ist Mexiko aber definitiv besser! Die Mexikaner flippen total aus bei Konzerten! Metallica haben ihre Live-DVD in Mexiko aufgenommen, weil es da einfach total abgeht. Die mexikanischen Fans sind auch sehr loyal…. wenn man mal eine scheiß Platte macht, vergeben sie dir und warten einfach auf die nächste… in Norwegen würde das niemals so laufen. Und in Lateinamerika ist der Markt für Rockmusik einfach riesig.

Was erwartest Du Dir von Auftritten in Deutschland?
Armando: Deutschland soll für uns vor allem ein Sprungbrett sein. Wenn du es hier schaffst, dann kannst du es auch im Rest Europas schaffen. Für uns sind vor allem Berlin, London und Amsterdam wichtig. In Berlin gibt es wahnsinnig viele Bands, der Business hier ist also ganz schön tough – andererseits ist es ein perfekter Ort, um seinen Durchbruch in Europa zu schaffen.

Eure aktuelle EP wurde in den USA aufgenommen. Wie kam es dazu?
Armando: Letztes Jahr ging ich zurück nach Chicago, weil wir alle dachten, dass des mit der Band vorbei war. Irgendwie muss dann aber unser jetziger Producer John Ovnik unser Album gehört haben, weiß der Teufel, wie es dazu kam, er war verdammt noch mal für einen Grammy nominiert – und dann kam der Anruf, dass er mit uns zusammenarbeiten wollte. Das Studio war Wahnsinn, eigentlich nehmen da eher Pop-Acts wie Justin Timberlake oder Mariah Carey auf. Wir als Newcomer hatten ungefähr zwanzig Leute um uns, die nur für uns gearbeitet haben. Man musste nur an Kaffee denken, und schon fragte jemand: Latte? Capuccino? Das Arbeiten war toll und wir waren echt zufrieden mit dem Ergebnis. Ein paar Songs haben wir dann noch in London aufgenommen und jetzt probieren wir noch andere Producer aus um exakt den Sound hinzubekommen, den wir uns vorstellen.

Wie würdest Du Euren Sound beschreiben?
Armando: Die totale Energieexplosion. Wir haben so eine Regel bei uns: Wir können keinen Song haben, der länger als 3.20 Minuten ist. Unsere Songs sind kurz und stark und man soll am Ende Lust auf mehr bekommen.

Mit wem würdet Ihr gerne mal zusammen auf einer Bühne stehen oder zusammen was aufnehmen?
Armando: Wir haben unser Songmaterial an Rick Rubin geschickt und geheime Quellen haben uns gesagt, dass er es tatsächlich erhalten hat… mit ihm zusammen zu arbeiten, wäre ein Traum. Wenn ich mir aussuchen könnte, mit wem wir die Bühne teilen dürften, dann würde ich mir wahrscheinlich Placebo oder Rage Against The Machine aussuchen.

Und wo würdet Ihr am liebsten mal auftreten, wenn Ihr ganz frei wählen könntet?
Armando: Unser Ziel ist es, nächstes Jahr die größeren Festivals zu bespielen, also Glastonbury, Pinkpop oder Wacken. So gut wie sicher spielen wir auf einem der größten Festivals in Lateinmarika, dem Vive Latino in Mexico City. Das ist eins der besten Festivals der Welt, wo eigentlich nur spanischsprachige Bands auftreten, bis auf ein paar kleine, feine Ausnahmen, und dazu gehören in 2011 dann hoffentlich wir.

Wer ist für Dich der größte norwegische Musiker, der wichtigste mexikanische Musiker und kennst Du irgendwelche deutschen Bands?
Armando: Norwegen hat wirklich gute Musiker, aber es gibt keine bestimmte Band, von der ich Fan bin, vor allem weil ich überhaupt nicht auf diesen ganzen Black Metal stehe. Aus Mexiko bewundere ich Maná sehr. Das ist eigentlich nicht meine Art von Musik, aber ich respektiere sie einfach total für das, was sie geschafft haben… obwohl sie auf spanisch singen, füllen sie mühelos Stadien auf der ganzen Welt, sogar in Japan. Von den deutschen Bands kenn ich hauptsächlich Metalbands, früher war ich total Fan von Sodom. Die Scorpions habe ich immer gemocht, aber erst Jahre später kapiert, dass die aus Deutschland kommen! Rammstein sind in Mexiko riesig, ich bin auf das Konzert aber hauptsächlich wegen der Show und nicht wegen der Musik gegangen.

Was habt Ihr für nächstes Jahr geplant, wenn Ihr aus Mexiko zurück seid?
Armando: Im Februar kommt unser Album raus, das wir während unserer Tour in den USA einspielen werden. Danach stehen dann die Festivals an, aber wir wollen auch auf kleinen Bühnen spielen, in Clubs, egal wo. Wir haben eine ziemlich lockere Einstellung, was das angeht, denn in unserer heutigen Zeit kann man sich nicht mehr erlauben, wie die Superstars aufzutreten. Wir haben kein Problem damit, uns erstmal die Finger wund zu spielen, in Absteigen zu wohnen und billiges Catering zu essen, bis wir uns einen Ruf erspielt haben. Und natürlich hoffen wir dann darauf, einen Major Deal zu landen. Das wäre unser Ziel für nächstes Jahr. Ach ja, und natürlich Millionäre und Rocksuperstars zu werden.

Armando, wir danken Dir für das Gespräch.

FAIRMOUNT haben noch freie Termine für 2011. Wer die Band gerne für Gigs in Deutschland buchen möchte, der melde sich bei Ben Eriksson unter +47-94122560


FAIRMOUNT
Concealing A Weapon (EP)
(Spot Records)

http://www.myspace.com/fairmountband
http://www.thisisfairmount.com

Autor: [EMAIL=sandra.wickert@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der Website]Sandra Wickert[/EMAIL]

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