Interview mit THE RAVEONETTES


„I like the sun when it don’t shine…“



Pünktlich zum zehnjährigen Bandbestehen veröffentlichten THE RAVEONETTES am 07. September 2012 ihr mittlerweile sechstes Studioalbum. Aufgenommen in den legendären Sunset Sound Studios, war Observator ursprünglich geplant als eine Los Angeles-Platte, der die Sonne aus den Rillen scheint. Herausgekommen ist ein düsteres Album mit funkelnden Nuancen, angesiedelt irgendwo im Nirgendwo, zwischen Schwermut und betont lässiger Leichtigkeit. Diese melancholische Stimmung, die ihrer Diskographie zugrunde liegt, findet auf ‚Observator‘ erneut musikalischen Ausdruck: „Ich finde, gute Lieder entspringen unglücklichen Ereignissen.“ (Sune Rose Wagner).

Mit Observator bringen Sharin Foo und Sune Rose Wagner ein Album heraus, welches gebührend Platz findet in der Nische seiner Vorgänger. Das dänische Duo beschreitet insofern neue Wege, als dass zum ersten Mal Klaviertasten angeschlagen werden, weitestgehend aber bewegen sich die beiden in ihnen wohlbekannten Gefilden und entwickeln ihren Sound weiter, indem sie ihn intensivieren. Dies verdeutlicht Sune Rose Wagners bescheidene Antwort auf die Frage, ob und inwiefern sich der musikalische Stil der Band innerhalb der vergangenen Dekade entwickelt hätte: „Wir sind besser geworden. Viel besser.“ In diesem Sinne: R A V E O N ~

Popmonitor: Der offizielle Pressetext schildert detailliert die Entstehungsgeschichte von Observator aus Sunes Perspektive. Wie hast du die Arbeit am neuen Album empfunden, Sharin?
Sharin: Ich war anfangs skeptisch, ob wir es schaffen würden, das Album innerhalb einer Woche aufzunehmen. Ich hatte das Gefühl, als seien wir Monate entfernt von einer fertigen Platte! Dementsprechend bin ich an diese Session herangegangen als eine von vielen. Als wir aber im Studio waren, hat sich alles magisch wie von selbst materialisiert. Jene Anfangswoche hat sich wortwörtlich gespielt. Wir schätzen Spontaneität beim Musikmachen und haben das Unmittelbare auf dem neuen Album womöglich mehr aufgegriffen als jemals zuvor.

Die Textzeile „I like the sun when it don’t shine“ vom Album-Opener ‚Young And Cold‘ gefällt mir besonders, sehr Velvet Underground-esque! Welche Künstler inspirieren dich schreibtechnisch?
Sune: Buddy Holly, Ellie Greenwich, Suicide und Smokey Robinson.

‚Curse The Night‘, das dritte Lied auf dem Album, und ‚Mother‘ von John Lennon teilen sich folgende Textzeile: „I wanted you, you didn’t want me“. Absicht oder Zufall?
Sune: Das ist mir bis jetzt gar nicht aufgefallen. Großartig!

Zum ersten Mal ist ein Klavier in die Aufnahmen miteingeflossen. Wer von euch beiden klimpert? Und werdet ihr das Klavier künftig mit auf die Bühne bringen?
Sune: Ich spiele, aber momentan treten wir ohne Klavier auf. Die neuen Lieder wurden ursprünglich allesamt auf dem Klavier geschrieben, daher war es ganz natürlich, dieses an bestimmten Stellen miteinfließen zu lassen.

Ihr habt ein paar hervorragende Cover-Versionen gemacht wie beispielsweise ‚I Wanna Be Adored‘ von den Stone Roses, ‚Riders On The Storm‘ von den Doors oder ‚Everyday‘ von Buddy Holly. Welches ist dein persönliches Lieblingscover?
Sune: Ich liebe die Beatles-Version von „Mr. Postman“, im Original von The Marvelettes.

Wie findest du Trentemøllers ‚Lust‘ Remix und seinen Edit an eurem ‚She’s Lost Control‘- Joy Division Cover?
Sune: Super! Mir gefällt außerdem die „Aly, Walk With Me“ Version von Nic Endo sehr.

Stell dir vor, du könntest beliebig eine Person aussuchen, die einen eurer Songs covert: Wer würde welches Lied spielen?
Sune: Ich würde gerne Hank Williams „Love Can Destroy Everything“ singen hören.

Nick Cave, My Bloody Valentine, Iggy Pop & David Bowie: Alle hatten sie ihre Berlin-Phase. Könntest du dir vorstellen, ein Berlin-Album zu machen? Wie klingt Berlin für dich?
Sune: Ich habe eigentlich kein Berlin-Album im Sinn, dafür kenne ich die Stadt zu wenig. Aber sie hat sich sicherlich sehr verändert seit ich ein Kind war und mein Vater mir Geschichten erzählt hat, wie er von Menschen mit Maschinengewehren angehalten wurde. Es gibt bestimmt einen Klang von Berlin, bloß kenne ich ihn nicht. Ich will vielmehr über Sachen schreiben, zu denen ich tatsächlich Bezug habe. Als nächstes will ich unser New York Album machen!

THE RAVEONETTES am 12.12.2012 live in Berlin @ Bi Nuu

www.theraveonettes.com

Fotos © The Raveonettes
Autor: [EMAIL=veronique.homann@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der Website]Veronique Homann[/EMAIL]

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