KATZE – Berliner Act des Monats Januar 2011


„Soll ein großes Feuer die Musikindustrie verschlingen…“



Schon auf dem ersten, 2005 erschienenen KATZE-Album Von Hinten erhob Ex-Throw That Beat In The Garbagecan und Comic-Zeichner Klaus Cornfield einen sympathisch artikulierten Dilettantismus zum hehren Stilprinzip seiner zwischen Indie, Punk und Pop angesiedelten Lieder mit diesen so großartigen Texten. Sympathische Verweigerungshaltung, universelle Beziehungskonflikte, die Absurditäten des Alltags und ein stets latent durchschimmernder Niedlichkeitsfaktor sind auch auf dem im Juli vergangenen Jahres endlich veröffentlichten zweiten Album mit dem großartigen Titel Du Bist Meine Freunde zwingender Bestandteil der KATZE-Programmatik. Und auch musikalisch bleiben Klaus Cornfield und Minki Warhol sich treu, präsentieren sie sich auf dem Album doch wieder gewohnt ungestüm und direkt und „treiben den Lollypop-Punk zu wilder Blüte“ (Jens Friebe).

Kurz vor ihrem Auftritt im Rahmen von Popmonitor live am 07.01.11 im NBI (w/ Nördliche Gärten + TalkToKill) und einer darauf folgenden längeren Bandpause standen uns Klaus Cornfield und Minki Warhol noch für ein ausführliches Interview zur Verfügung.

popmonitor.berlin: Im Juli vergangenen Jahres erschien euer neues, wieder mal großartiges Album Du Bist Meine Freunde. Wieso dauerte es fünf lange Jahre bis zum Erscheinen des Nachfolgers zu eurem Debütalbum Von Hinten? Gab es dafür besondere Gründe?

Minki: Weißt Du, Gründe gab es natürlich viele. Zum einen halten wir es wie Spinal Tap, unser Schlagzeugerverbrauch ist enorm hoch, dafür ist KATZE berüchtigt. Wir sind da treulos wie eine Hafenhure und mit der gründet man gewöhnlich auch keine Familie und bekommt Kinder. Eine Platte machen ist aber eben genau dies, man macht zusammen ein Baby, bereitet es auf die Eigenständigkeit vor und schickt es raus in die Welt. Die Zeit, den richtigen Schlagwerker für dieses Unterfangen zu finden, haben wir uns einfach genommen. PUNKT. Als Philip Vesper dann eigentlich am Bass bei uns einsteigen wollte, hat er uns bei der ersten Probe zur Seite genommen, uns gesagt, dass die Schlagzeugerin, die wir da gerade „probieren“, uncool ist und er das ab jetzt macht. Das fanden wir gut und er hat einfach gerockt wie Sau.
Zum anderen war es auch die Produzenten-Konstellation, die stimmen musste. Als wir dann die Möglichkeit hatten, mit Nackt/Warren Suicide im Chez Cherie Studio zu arbeiten und uns dann noch Tobias Levin in seine Electric Avenue einlud, war das KATZE Universum wieder perfekt für eine Platten-Produktion zusammengekommen.

Wie fällt eure Bilanz hinsichtlich der Rezeption des Albums und allgemein hinsichtlich der Monate seit der Veröffentlichung aus (inkl. Konzerte/Tour)? Wurden die damit verknüpften Erwartungen erfüllt, hattet Ihr überhaupt irgendwelche spezifischen Vorstellungen/Erwartungen?

Klaus: Erwartungen hatten wir keine, und die wurden mehr als erfüllt. Mit anderen Worten: Es lief schlecht, wie immer. Dass das passieren könnte, war uns und dem Label auch vorher klar und gleichermaßen egal. Wir hofften ja alle, dass die Leute das viele Herzblut, das darin komprimiert wurde, zu schätzen wissen, aber das taten sie nun mal nicht.



Aufgenommen wurde Du Bist Meine Freunde teils in Hamburg mit dem bekannten Indie-Produzenten Tobias Levin und teils in Berlin mit Nackt (Warren Suicide). Inwieweit gab es diesbezüglich Unterschiede in der Herangehensweise bzw. Produktion und welchen Einfluss hatte das letztlich auf das Gesamtergebnis?

Minki: Die Herangehensweise beider Produzenten war enorm unterschiedlich, weil sie aus ganz anderen musikalischen Universen stammen. Das war sehr interessant zu beobachten. Der Unterschied ist so groß wie zwischen einer englischen Kutsche und einem Ufo. Da wir in dieser Band auch beide Elemente vereinen und auf unsere Art auf die Spitze treiben (klassischer Rock mit Pop) war es für uns großartig, beide Varianten für die Platte mitnehmen zu können. Abgerundet wurde das Ganze dank Tobias Levin, der nicht nur seine Songs selber gemischt, sondern auch das Mastering für die gesamte Platte überwacht hat.

Wie würdet Ihr selbst das Album im Vergleich zum Debütalbum einordnen? Als konsequente Weiterentwicklung oder als eine Art Neuorientierung innerhalb des bekannten stilistischen Katze-Grundkorsetts?

Klaus: Beides.

Der Text von ‚Fabrikmädchen‘ stammt überraschenderweise von Dirk Von Lotzow, wie kam es dazu, und kann man von einer echten Kollaboration sprechen?

Minki: Man kann von einem feucht fröhlichen Abend bei Ben Kaan (einem befreundeten Musiker) und seiner bezaubernden Freundin sprechen, wo ich mit Dirk am gleichen Tisch das Glas erhob und wir nachts um 4:oo das Thema für das Lied einstampften. Als Dirk mir am nächsten Tag ne Mail mit dem komplett überarbeiteten Text schickte, war ich hocherfreut. Ich konnte das Gekritzel nämlich kaum mehr lesen.

Euren Inhalten/Texten wird ja gerne ein „comichafter“ Charakter attestiert. Wie beeinflusst der Comic-Zeichner Klaus Cornfield den Songwriter Klaus Cornfield? Und vice versa?

Klaus: Vielleicht achtet man als Autor von Comics ein bisschen mehr auf den Unterhaltungswert der Texte, aber das war schon seit meiner ersten Platte für mich immer ein Thema. Ich drehe durch, wenn ich schlechte oder einfallslose Texte höre, man kann mit etwas Liebe selbst die einfachsten Dinge auf neue Weise ausdrücken. Wer denkt, es reicht, hübsche Töne von sich zu geben, ist für mich nicht ernstzunehmen.

Du Bist Meine Freunde erschien wieder auf dem legendären Hamburger ZickZack-Label von Alfred Hilsberg. Was schätzt Ihr an dem Label bzw. an der Zusammenarbeit mit Alfred Hilsberg?

Minki: Alfred ist einfach unangefochten, ein Meilenstein, eine Ikone, ein nicht zu ersetzendes Stück Musikgeschichte. Es gibt keinen zweiten Alfred Hilsberg. Mit ihm zu arbeiten ist einfach eine Ehre. Er hat ein Buch geschrieben! Lesen!

In einem ausführlichen

Wenn Ihr das Jahr 2010 in musikalischer Hinsicht Revue passieren lasst, was waren Eure ganz persönlichen Highlights ?

Klaus: Unsere lieben Freundinnen von „The toten Crackhuren im Kofferraum“ haben ihre erste Platte rausgebracht, das war mal ein Fortschritt für die Kulturlandschaft, ansonsten war Fremdschämen angesagt von Lena bis Xavier Naidoo. Das heißt nicht, dass es keine gute Musik gab. Arcade Fire wurden noch ein Stück besser, die Sportfreunde und Tocotronic machten geniale neue Platten, und auch sonst habe ich viele tolle kleine und mittelgroße Konzerte gesehen im vergangenen Jahr.

Euer Auftritt am 07.01. im NBI (w/ Nördliche Gärten + TalkToKill) wird der letzte vor einer längeren Pause sein. Was können Fans und Freunde erwarten, was von der mit Euch befreundeten Band TalkToKill?

Minki: JAJA, die längere Pause läute ich ein: kommt und seht, dann muss ich nix mehr erklären. Klaus, Karen und Janek sind weiterhin mit OMP live auf den Bühnen dieser Welt zu sehen, und ich widme mich der Medienkunst in Leipzig. Fast 10 Jahre Berlin sind mir zu lang, man muss in Bewegung bleiben, und da in Leipzig gerade ein Gefühl vom Berlin der Endachtziger herrscht, zieht es mich in die Stadt, in der noch Raum für exorbitante, dekadent große Ideen ist. Ohne horrende Mietpreise und Latte Matschiato.
Von TALKTOKILL wird man in diesem Jahr noch ein Album erwarten dürfen, im Januar stehen erste Aufnahmen an, und es wird gemunkelt, dass auch sie mit einer Zusammenarbeit mit Tobias Levin liebäugeln.

Vielen Dank für das Interview und alles Gute für die Zukunft!

Das Album:

KATZE
Du Bist Meine Freunde
(ZickZack/ Indigo)
VÖ: 23.07.2010

www.katze-rock.de
www.myspace.com/katze

Fotos © Katze / Kiron Guidi
Autor: [EMAIL=thomas.stern@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der Website]Thomas Stern[/EMAIL]

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