LAST CALL FOR DISCO – Berliner Act des Monats März 2007


„Die Geburt einer Band mit Superstarattitüde“: Attention, this is the LAST CALL FOR DISCO!

UPDATE 11/2007: Wenige Wochen nach dem Interview haben sich LAST CALL FOR DISCO von Ihrem Basser und Bandgründer STEPHAN HENGST und ihrem Drummer FABIAN HOFFMANN getrennt und sind nun nach Neuorientierung und längerer Live-Pause zu dritt (MATHIAS THIEN (guit), JAKE BISHOP (voc), PHILIPP LANGE (keys)) unterwegs.
STEPHAN HENGST und FABIAN HOFFMANN starteten mit

BiB: Eure Bandgeschichte ist noch relativ kurz und begann – nachdem ihr Euch über Kleinanzeigen gefunden hattet – mit einem sehr erfolgreichen und selbst organisierten Konzert im Magnet Club im August 2005. Was habt ihr (musikalisch) vor Eurer Zeit bei LAST CALL FOR DISCO gemacht?

LCFD: Wir haben alle schon eine Weile in verschiedenen Bands gespielt, Mathias und Stephan sogar gemeinsam einige Jahre. Das ging Querbeet. Über Punk, leichtem Pop, Funk bis hin zu Jazz. Bei mindestens zwei Projekten gab es sogar gewisse Achtungserfolge und anzuerkennende Bekannheitsgrade, zumindest im Berliner Raum. Namen wollen wir hier aber lieber nicht nennen ;o). Philipp, Fabian und Stephan durften sogar von Kindesbeinen an klassische musikalische Ausbildungen genießen. Jake hat außerdem in seiner Heimat England von früh an mit verschiedenen Studioprojekten die Zeit totgeschlagen.

BiB: Ihr habt bereits den Support für Bands wie die Dirty Pretty Things, The Magic Numbers oder The Automatic bestreiten dürfen? Wie kommen diese Kontakte eigentlich zustande? Hat Spencer seine „Finger im Spiel“, der Eure Demo-Aufnahmen im Februar 2006 just in die KarreraKlub-Charts auf Platz 1 setzte?

LCFD: Spencer hat definitiv seine Finger im Spiel. Und dafür sind wir ihm auch sehr dankbar. Wir haben die KarreraKlub-Jungs glücklicherweise schon ziemlich früh über drei Ecken kennen gelernt. Wir sind froh, dass wir von denen einen so tollen Support bekommen. Ein paar der schönsten Erlebnisse konnten nur durch den KarreraKlub passieren. Die Band war noch nicht mal ein halbes Jahr alt, da durften wir vor den Dirty Pretty Things (man bemerke: ex-Libertines!) im ausverkauften Postbahnhof spielen. Oder auch einen seiner eigenen Songs zum ersten Mal im tobenden Indieclub vom DJ zu hören und zu sehen, wie die Leute drauf abgehen und krampfhaft versuchen, den Text mitzusingen, ist einfach ein unbeschreibliches Gefühl. Mittlerweile ist es ein Geben und Nehmen. Sie lassen uns immer mal wieder gute Supports spielen, wenn sie die Möglichkeit dazu haben und wir springen auch mal ein, wenn bei ihnen Not am Mann ist.

BiB: Ihr wart gerade mit Moses Schneider (Beatsteaks, Tocotronic u.a.) im Studio und habt ’We Surrender’ neu aufgenommen. Werdet ihr mit ihm gemeinsam das Album bzw. die EP produzieren? Wann wird das erste „offizielle“ Material von LAST CALL FOR DISCO erscheinen?

LCFD: Geplant ist die Veröffentlichung der ersten EP gegen Ende April. Gibt aber noch kein offizielles Releasedatum, da stecken wir gerade mitten in den Planungen. Die EP, die entsteht, ist teils in Zusammenarbeit mit Moses und teils in Eigenarbeit. Im Sommer wird es auch eine Tour zur EP geben.



BiB: Sind Eure Liveauftritte im Rahmen der „Hörprobe“ (Sony/BMG) ein dezenter Hinweis auf ein Interesse der Plattenfirma, mit Euch zusammen zu arbeiten?

LCFD: Ein dezenter.

BiB: Ihr habt schon an sehr vielen Bandwettbewerben sehr erfolgreich teilgenommen. Was reizt euch daran? Wie beurteilt Ihr beispielsweise die MotorFM-Starthilfe im Vergleich zum Emergenza?

LCFD: Oh, Reizthema. Wir wissen, welchen Ruf solche Wettbewerbe in Deutschland zum Teil genießen und wir versuchen auch, uns in Zukunft ein wenig davon fern zu halten. Sonst heißt es irgendwann noch „Ach, das ist doch die Band, die immer die ganzen Wettbewerbe gewinnt. Aber darüber hinaus kommen sie wohl nicht.“ oder so. Ich persönlich kann dem Ganzen aber durchaus etwas abgewinnen. Klar, sind z.B. das Abstimmungsverfahren und die Eintrittspreise bei Emergenza etwas fragwürdig, aber in unserem Fall hat es sich absolut gelohnt mitzumachen. Der erste Gig war im knüppeldickevollen Knaack, die Band war gerade ein paar Monate alt und uns kannte kein Mensch. Das ist doch ’ne tolle Chance, sich ein Publikum zu erspielen. Und hey, wir sind am Ende Zweiter geworden, also hat es doch zu 100% funktioniert. Das Finale im Postbahnhof war dann einer unserer besten Gigs ever. Oder die MotorFM Starthilfe. Nur durch diesen Gewinn hatten wir überhaupt die Chance, mit Moses Schneider arbeiten zu dürfen und haben wir jetzt die nötige Unterstützung und die finanziellen Möglichkeiten, um unsere EP zu realisieren. Man kann geteilter Meinung zu jeder Art von Bandwettbewerben sein, aber ich denke, wenn man die Sachen bewusst und möglichst parallel zur Entwicklung der Band einsetzt, können sie gerade ambitionierten jungen Bands echt ein ganzes Stück weiter helfen.

BiB: Man sieht und hört, dass ihr enorm viel Zeit in die Band an sich, ihre Präsenz im Netz und natürlich ins Livespielen investiert; derzeit seid Ihr im Studio. Habt ihr noch Jobs oder könnt ihr von der Musik schon leben?

LCFD: Die Band hat bei uns allen oberste Priorität. Wir wollen es wirklich wissen. Leider können wir im Moment noch nicht davon leben, aber genau das ist unser Ziel. Einige von uns haben noch kleine Jobs, andere machen im Moment schon nur Musik und halten sich durch Ersparnisse oder wie ich es nenne „staatlichen Zuwendungen zur Förderung junger Musiker“ ;o) über Wasser. Finanziell kriechen wir deswegen schon alle echt auf dem Zahnfleisch. Aber keine Sorge, irgendwann knallt’s und dann müssen wir uns deswegen hoffentlich keine Sorgen mehr machen.



BiB: Mit eurem Sänger Jake Bishop aus Brighton (UK) liegt der Blick über den Tellerrand nahe. Wo seht ihr LAST CALL FOR DISCO in zwei Jahren? Weg aus Berlin, ab nach UK? Wie sieht es mit euren Ambitionen aus, in England oder überhaupt im europäischen Ausland Fuß zu fassen? Sind dort in näherer Zukunft Auftritte geplant? Wie kam es zur Zusammenarbeit mit der Booking-Agentur AMADIS?

LCFD: Wir schauen definitiv rüber. Die ganze Situation ist für uns im Moment ein wenig schwer einzuschätzen. Hier in Deutschland haben wir mit unserer Musik in der Qualität und mit der Art von Songs ein gewisses Alleinstellungsmerkmal. Aber wie viel Leute die Platte nachher wirklich kaufen werden, wissen wir nicht. Wir sind halt nicht deutsch. In England würden wir absolut rein passen, nur warten die Engländer denn auf eine Band aus Berlin, die zwar sehr gute, aber dennoch ähnliche Musik macht wie viele andere in Ihrer Heimat? Das ist auch ein wenig das Feedback der A&Rs der Plattenfirmen. Irgendwie finden es viele geil, aber keiner traut sich so richtig. Deshalb gilt es für uns im Moment die richtigen Partner zu finden, die uns auf dem Weg über Deutschland nach England oder andersherum oder auch sonst wohin optimal zur Seite stehen können.

Amadis kam, glaube ich, Ende letzten Jahres auf uns zu und bekundete Interesse an einer Zusammenarbeit. Wir haben uns dann ein wenig kennengelernt und stecken jetzt in so ’ner Art Betaphase der Zusammenarbeit. Die Jungs buchen uns gerade eine kleine Tour im Sommer zusammen. Wir sind sehr gespannt.

BiB: Wie sieht es mit euren Beziehungen zu anderen Berliner Bands aus? Habt ihr engen Kontakt zu anderen Berliner Musikern und ein Netzwerk? Gibt es Berliner Bands, die ihr (musikalisch) mögt und die ihr uns ans Herz legen möchtet?

LCFD: Na ja, ein richtiges Netzwerk um uns herum gibt es nicht. Wir haben ein paar befreundete Bands, aber die machen eigentlich alle andere Musik als wir, so dass ein Netzwerk mit gemeinsamen Konzerten uns so’n Zeug zumindest bis jetzt noch nicht entstanden ist. Am nächsten stehen uns wahrscheinlich die Jungs von Radiopilot, aber von denen wird man in naher Zukunft eh ganz groß hören, da brauch‘ ich Euch nicht viel zu erzählen.

Vielen Dank für das Interview!
Wir wünschen Euch viel Erfolg und alles Gute für die Zukunft der Band!

www.lastcallfordisco.com
www.myspace.com/lastcallfordisco

Fotos: © LAST CALL FOR DISCO
Autor: [EMAIL=jana.schuricht@bands-in-berlin.com?Subject=Kontakt von der Website]Jana Schuricht[/EMAIL]

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