LENZ – Berliner Act des Monats Februar 2009


In einer anderen Liga.



Schon seit einigen Jahren versüßen uns LENZ das Dasein mit smarten Popsongs. Zwei EPs mit Demos gab es bislang (Kritiken ). Jetzt endlich steht das erste reguläre Album Augen Auf Und Durch vor der Tür, im März ist es soweit. Schon im Februar gibt es als Vorgeschmack die Single ‚Gib Mir Bescheid‘ in digitaler Form. Grund genug, mit Frontmann RICHARD PUTZ ausführlich zu sprechen.

popmonitor.berlin: Es hat schon relativ lange gedauert, bis ihr nun euer erstes Album fertiggestellt habt. Warum?
RICH: Wir wollten uns bewusst etwas mehr Zeit nehmen und auf einem höheren Niveau arbeiten als früher, und das war nicht mehr im Alleingang möglich. Also mussten wir erstmal die richtigen Partner finden. Dann konnten wir mit unseren Produzenten auch nicht am Stück arbeiten, sondern mussten mehrmals unterbrechen – einfach weil die Jungs sehr gefragt sind. Und schließlich dauert der ganze Business-Kram auch nochmal ewig, was man nicht glaubt, aber eigentlich ist das Album seit letztem Herbst fertig gemastert.

Vielleicht kannst du bei der Gelegenheit auch mal den Werdegang von LENZ auf die wichtigsten Meilensteine reduziert darstellen.
Im Prinzip ist dieses Album der erste richtige Meilenstein! Die EP und das „Sixpack“ waren Gehversuche. Und ob wir in der Vergangenheit irgendein Voting oder einen Wettbewerb gewonnen haben, interessiert auch keinen mehr. Viel wichtiger war, dass wir an entscheidenden Punkten mit den richtigen Leuten zusammengekommen sind. Das hat uns wirklich weitergebracht.

Wie schwierig hat sich die Suche nach Label und Verlag gestaltet?
Modernsoul ist unser Verlag, ein Subverlag von Universal. Das Label ist noteworksmusic von unserem Management in Köln. Die Suche war wirklich schwierig, weil unsere Ambitionen ausgerechnet mitten ins große Label-Sterben gefallen sind. Wir waren auch kurz davor, selber eins zu gründen, aber jetzt sind wir sehr froh über diese Lösung – es gibt uns die nötige Freiheit und erspart uns mit Sicherheit auch viele Anfängerfehler.



Ein paar der Songs auf Augen Auf Und Durch kennt man schon von euren früheren Demo-EPs. Wurden die fürs Album komplett neu eingespielt oder nur überarbeitet? Was habt ihr verändert und warum? Ich habe den Eindruck, es wurde zumindest dezent „glattgebügelt“…
Die wurden komplett neu aufgenommen. Genau mit dem Anspruch, endlich mal nicht nur Demos in der Hand zu haben. Die Arbeitsweise war zwar viel aufwändiger, aber dafür auch viel intensiver – wir sind in jeden einzelnen Song richtig tief eingetaucht. Und das Ergebnis spielt jetzt auch vom Sound her einfach in einer anderen Liga.

Welche Songs wurden „extra“ fürs Album geschrieben? Unterscheiden die neueren sich von den älteren in irgendeiner Form, die man verallgemeinern könnte?
Wir haben einfach unser aktuelles Repertoire genommen und unsere Lieblinge rausgepickt. Dann haben wir uns für zehn entschieden, die wir ausproduzieren wollten. Das aber dann schon in Hinblick auf ein funktionierendes Album! Einige Perlen sind dabei leider auf der Strecke geblieben, einfach, weil sie jetzt nicht mehr ins Konzept gepasst haben. Die werden wir aber mit Sicherheit auch noch fertig machen, und im Live-Programm spielen wir sie natürlich auch noch.

Was genau war denn das Konzept?
Musikalisch wollten wir alle unsere Facetten präsentieren und brauchten die richtige Mischung aus piano- und gitarrenorientierten bzw. Up- und Midtempo-Songs. Z.B. konnten wir einen Song ähnlich wie ‚Leinen Los‘ nicht unterbringen, weil zwei von der Sorte sich auf einem Album im Weg gestanden hätten. Stattdessen passte ein klassischer Album-Track wie ‚Lang Lebe‘ super rein.



Siehst du eine Art roten Faden auf dem Album, was die lyrischen Inhalte angeht? Inwiefern ist der Albumtitel programmatisch zu verstehen?
Die Reihenfolge der Songs stellt für mich einen Entwicklungsprozess nach. Jeder einzelne Song bildet eine bestimmte Phase mit einer wichtigen Stimmung ab. Man könnte es auch so sagen: Nach Verwirrung, Orientierungssuche, Auf und Abs steht am Ende ein entschlossener Aufbruch. Und der Albumtitel fasst das zusammen.

Gibt es Ziele, die ihr mit dem Album verbindet? Finanziell kann man ja heutzutage eigentlich nichts mehr erwarten, oder?
Man kann ja höchstens erwarten, dass man dabei draufzahlt. Aber es war enorm wichtig für unsere Entwicklung und auch für unsere eigene Begeisterung. Jetzt versprechen wir uns einen Achtungserfolg und hoffen, dass wir bald das nächste Album machen können. Zu viele neue Songs stehen schon Schlange.

Wie steht ihr zur Berliner Musikszene? Es gibt ja so ein paar Subszenen, z.B. der große Sinnbus-Clan in der Postrock-Ecke. Ich hatte bis jetzt den Eindruck, dass ihr hingegen mehr oder weniger euer eigenes Ding macht. Ist da was dran? Oder gibt es hiesige Bands, Veranstalter o.ä., denen ihr euch besonders verbunden fühlt?
Wir fühlen uns vor allem Berlin als Stadt verbunden. Hier sind Markus und ich geboren und Christoph lebt hier eine Ewigkeit. Den Sinnbus-Clan kenn ich gar nicht, also scheinen wir wirklich unser eigenes Ding zu fahren.

Vielleicht noch ein paar Tipps eurerseits aus der Berliner Szene, also Bands, die ihr empfehlen könnt?
Außer LENZ? Ich kann natürlich MEIN MIO empfehlen, mit denen wir am 7. März im Roten Salon das Album vorstellen. Dann will ich den Fotokünstler York Wegerhoff erwähnen, der tolle Bilder aus seiner Berlin-Serie für das Album-Booklet beigesteuert hat. Oder die Galerie „Edition Block“, wo wir gerade unser Video zur Single ‚Gib Mir Bescheid‘ drehen durften… es muss sich ja nicht immer nur um Musik drehen, oder?

Record Release Show:

Samstag, 07.03.09 im Roten Salon,
feat.

http://www.lenzmusik.de
http://www.myspace.com/lenzmusik
http://www.modernsoul.de

Fotos: (c) FRANK EIDEL
Autor: [EMAIL=sebastian.frindte@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der Website]Sebastian Frindte[/EMAIL]

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