Louisville Labelnight Berlin am 14.09.2005 im Festsaal Kreuzberg

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Anlässlich des ersten Geburtstags des Berliner Labels LOUISVILLE RECORDS wurde im Festsaal Kreuzberg mit sechs Bands bis in die frühen Morgenstunden gefeiert.



Mit etwas Verspätung geht es gegen 22 Uhr mit dem Auftritt des JEANS TEAMs los, das mit extremen Bässen, der kraftvollen PA zum Dank, die Statik des Gebäudes auf die Probe stellt. Alles vibriert und die Lüftung auf den Toiletten brummt taktgleich mit dem Beat. JEANS TEAM, an diesem Abend zu dritt, sind live deutlich härter und meist auch noch temporeicher als auf ihren Alben. ‚Keine Melodien‘ hat in der Liveversion zum Beispiel um die 220 Bpm, was beinahe Alec Empire-Niveau ist. Die etwa einhundertfünfzig Besucher – von Hip-Hoppern bis Punks bunt gemischt – lassen sich bis auf ein paar Ausnahmen von ‚Waffenladen‘, ‚Oh Bauer‘ und all den anderen klasse Songs aber noch nicht so recht aus der Reserve locken.



Als nächstes ist DOC SCHOKO an der Reihe und spielt überwiegend Songs seines neuen Albums

Sobald die ersten Töne erklingen, geht es aber wieder hinein in die Sauna. Als Dritter, es ist mittlerweile Donnerstag morgen, ist FLORIAN HORWATH an der Reihe. Der Österreicher hat gemeinsam mit seinen beiden schwedischen Mitmusikern ein kleines Problem. Das Album [i]We Are All Gold[/i] ist ein experimentelles, aber doch sehr eingängiges Popalbum. Wenn man ihn nun daher, oder im schlimmsten Fall nur durch seine erste Single ‚When The Light Came Around‘ kennt, erwartet man einen verträumten Indiepoper, der mit glitzernden Augen und offensichtlicher Schüchternheit die Herzen der Frauen erobert. Zwar will ich FLORIAN nichts von alledem absprechen, dennoch passt er überhaupt nicht in dieses Bild. Bevor es losgeht, das ist obligatorisch, dreht er in die Hände klatschend einige Runden durch das Publikum. Manchmal steigen dann alle drauf ein und klatschen mit, wie bei seinem zwischen den Leuten lang schleicht. So war FLORIAN HORWATH wieder einmal klasse, hinterließ erwartungsgemäß aber auch eine Menge fragender Gesichter.



Ein eher unspektakuläres, aber solides Set spielen im Anschluss die Berliner Elektroniker von KISSOGRAM. Wie immer im Anzug servieren die Beiden dem Publikum jede Menge Tanzbares, was auch dankend angenommen wird. Folge: Die Temperatur steigt weiter, Zuschauer und Band schwitzen noch mehr und der Hof des Festsaals ist in der Pause richtig voll.
Die ursprünglich angekündigten NAKED LUNCH sind nur durch ihren Sänger OLIVER WELTER vertreten, der Solo mit Gitarre einige Songs zum Besten gibt. Auch bei regulären Konzerten von NAKED LUNCH gibt es diese Solosituationen, und sie sind, ganz ehrlich, auch unglaublich wichtig. Man kann sich der Emotionalität seiner Stimme bei Songs wie ‚First Man On The Sun‘ und ‚Our Weddingday’s A Funeral‘ oder ‚God‘ ohnehin nicht widersetzen – und wenn sie dann noch in Begleitung einer zarten, übrigens von Virginia Jetzt! geliehenen, Akkustikgitarre daher kommt, sollte es gänzlich um einen geschehen sein. Es sei denn, man hört einfach nicht hin und redet munter weiter. Einige in diesem eigentlich recht aufgeschlossen wirkenden Publikum tun das, was im günstigsten Fall respektlos ist.
Der Teil des Publikums, der genau wie The Nothings-Sänger Lobotomy und meine Wenigkeit der Meinung ist, dass da vorn auf der Bühne ein Genie musiziert, dem viel zu wenig Aufmerksamkeit zuteil wird, applaudiert am Ende so lange, bis er noch mal auf die Bühne kommt und sich, an den Zeitplan erinnernd, entschuldigt, dass jetzt wirklich Schluss sein muss. Natürlich nicht ohne sich exzessiv zu bedanken.
Den Abschluss des Abends bereiten die rappenden Puppen von den PUPPETMASTAZ, zu deren Show man eigentlich nichts mehr sagen muss. MR. MALOKE, SNUGGLES und der Rest der Crew sind von arte bis fluter und weltweit auf Konzertbühnen präsent. Kein Wunder, wenn man sieht, wie sie das Publikum jedes Mal aufs neue zum Abgehen bringen. Klasse Show!

Mit der Louisville Labelnacht ist schließlich auch die wirkliche Nacht zu Ende. Während des Heimweges ist noch reichlich Zeit zu spekulieren, welche Bands bis zum zweiten Geburtstag alle zu Louisville gehören.
Auf die Geburtstagsfeier kann man sich auf jeden Fall wieder freuen.

www.louisville-records.de

Autor: [EMAIL=alexander.eckstein@b-i-b.de?Subject=Kontakt von der Website]Alexander Eckstein [/EMAIL]
Fotos © Louisville Records

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