MANIC STREET PREACHERS – Lifeblood

Im Vergleich zum neuesten, etwas blutleer geratenen Streich der (ehemaligen) Waliser Britrocker handelte es sich bei ihrem 98er Hochglanz-Megaseller This Is My Truth Tell Me Yours fast um Heavy Metal…

Die zu Beginn ihrer Karriere ja eher im heavylastigen Britrock beheimateten walisischen MANIC STREET PREACHERS wurden mit ihrem 96er Album Everything Must Go, spätestens aber mit dem nachfolgenden, den Status als Superstarband begründenden Breitwand-Gitarrenpop-Megaseller This Is My Truth Tell Me Yours von 1998 letztlich überraschend zum Synonym für Britpop und in einem Atemzug mit Bands wie OASIS, BLUR oder SUEDE genannt.
Mit den auf dem seligen VIVA2 dauerrotierenden Singles ‚If You Tolerate This…‘, ‚The Everlasting‘ oder ‚You Stole The Sun From My Heart‘ auch hierzulande erstmalig zu kommerziellem Ruhm gelangt, holten sie angesichts dieses unglaublichen Erfolg-Overkills mit dem drei Jahre später erschienenen Know Your Enemy und einem diffusen Mix aus Disco- und Surfsounds sowie recht ungestümen Rock-Kloppern zu einer Art Befreiungsschlag aus und stießen nun die eben neu hinzugewonnen Fans jenseits allen Kommerz-Kalküls gleich wieder vor den Kopf. Vorhersehbarer Misserfolg dieser insgesamt ziemlich unausgegorenen Angelegenheit, Auflösungsgerüchte und die beiden Best Of- bzw. B-Seiten-Compilations deuteten schließlich auf das bevorstehende Ende einer der wichtigsten und kontroversesten britischen Bands der Neunziger hin.

Nun steht nach dreijähriger Pause also mit Lifeblood doch wieder ein neues Album in den Läden, und hatten sie bereits vor zwei Jahren auf der von der Best Of-Compilation ausgekoppelten Single ‚There By The Grace Of God‘ die Gitarren auf ein Minimum heruntergedimmt, haben sie diese auf Lifeblood größtenteils endgültig eingemottet, begeben sich tatsächlich ebenfalls auf den momentan so angesagten 80er Retro-Zug und mutieren fast zu einer an Harmlosigkeit kaum mehr zu überbietenden Gitarrenpop-Band mit Synthi-Einschlag, die nun also völlig ungeniert ihre eigenen, im britischen Indiepop der 80er Jahre verwurzelten musikalischen Vorlieben in ihren Sound integriert.

Mit ‚1985‘ als Album-Eröffnung (oder dem späteren ‚Glasnost‘) wird der thematische und musikalische Weg dann auch explizit vorgegeben, und in der Tat bewegen sich die MANICS insgesamt ziemlich ungeniert auf den Spuren der poppigen Auswüchse früher CURE oder NEW ORDER, oftmals aber auch hier lediglich in einer überraschend uninspiriert dahinplätschernden Light-Variante.
Hat man sich allerdings erst mal mit diesem für MANICS-Verhältnisse ungemein seichten Sound angefreundet und gibt dem Album noch die Chance eines zweiten oder gar dritten Durchlaufs, entdeckt man schließlich doch noch mehrere ansprechende Songs wie die durch exquisites Songwriting und berührende Melodien überzeugenden ‚The Love Of Richard Nixon‘, ‚Emily‘ oder die kommende Single ‚Empty Souls‘ mit zwar recht poppiger, aber durchaus ansprechender Instrumentierung. Mit den belanglos seifigen ‚I Live To Fall Asleep‘ oder ‚Always/Never‘ überstrapazieren sie allerdings auch die Schmerzgrenze des allerletzten toleranten MANICS-Fans, zu sehr ergeht sich die Band hier in unsäglichem Weichspül-Pop mit fiesem Synthie-Kleber und Kaufhaus-tauglichen Plastik-Drums.

Zugute halten muss man den MANIC STREET PREACHERS zweifellos, dass sie sich auf Lifeblood trotz immens langer Bandgeschichte auch diesmal keinesfalls wiederholen und versuchen, neue Wege zu beschreiten. Einige Songs wissen auch durchaus zu gefallen, doch über weite Strecken verliert sich das Album dann leider doch zu sehr in einer gewöhnungsbedürftigen, allzu zahm instrumentierten Beliebigkeit und klingt außerdem nach allem Möglichen – nur selten nach den MANICS.


MANIC STREET PREACHERS
Lifeblood
(Smi Epc/ Sony)
veröffentlicht

http://www.manics.co.uk

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