MIO MYO – Berliner Act des Monats Mai 2008


Wir selber wollen, dass auf unserer Kiste „Ghostrock“ steht.

Ohne Zweifel gehören MIO MYO mit ihrer ganz eigenen Melange aus Indie(Post-)Rock, Electro(nica) und Pop derzeit zu den interessantesten Bands hierzulande. Nach der Veröffentlichung ihres Debüts Philharmonic Manic Mass Attack im vergangenen Jahr, Gigs mit zum Beispiel SDNMT oder Werle & Stankowski gewannen sie jüngst den mamallapuram-Bandcontest und werden das Festival am 08.08.2008 in Storkow eröffnen. Zudem veröffentlichen MIO MYO in den kommenden Tagen ihre neue EP, die sie u.a. am 16.05.2008 im NBI (@Kulturbrauerei) vorstellen werden. Anlass genug, um mit UWE EGER und BENNI POLLACH über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Band zu plaudern.



popmonitor.berlin: Zunächst Gratulation zum Gewinn des mamallapuram-Bandcontests auf roteraupe. de. Solche Online-Votings sind ja immer eine recht harte Sache. Einige der nominierten Bands haben recht massiv für sich geworben (über myspace, Newsletter etc.). Habt Ihr Euch auch so ins Zeug geschmissen oder ‚lediglich‘ auf den guten Geschmack und die richtige Wahl der Leser gebaut?

Uwe: Wir hatten auch einen Button auf Myspace. Ich denke aber, dass die meisten Punkte von unseren Freunden kamen. Noch einmal allerbesten Dank an alle, die uns hier unterstützt haben.

Benni: Wir haben echt nicht so viel gemacht, und haben auch nichts gehackt!

popmonitor.berlin: Das nächste große Ereignis steht am 14. Mai mit der Veröffentlichung der neuen EP ins Haus. Den offiziellen Record Release feiert Ihr in Nürnberg (Club Stereo). Wer von Euch lebt denn in Nürnberg bzw. Berlin? Und wie gestaltet sich die Organisation, das Songwriting usw., wenn die Bandmitglieder in verschiedenen Städten leben?

Uwe: Wir sind wohl eine dieser typischen 2.0 Bands. Wir haben einen FTP-Proberaum und haben uns noch nie wirklich gesehen. Anfänglich war es überwiegend so, dass wir uns Ideen und Skizzen zugeschickt, überarbeitet und wieder zugeschickt haben usw… Dann mal Proben in Berlin, mal in Nürnberg. Unsere Zusammenarbeit hat sich zunehmend dahin entwickelt, dass wir uns regelmäßig zu größeren Probeblöcken treffen und viel Zeit miteinander verbringen. Wenn man 3-4 Tage ununterbrochen Musik macht, passiert auch was. Stücke entstehen einfach so. Ich denke, wir sind dadurch noch mehr Band geworden.

Benni: Ich bin der einzige, der in Berlin wohnt und komm‘ oft für ein langes Wochenende nach Nürnberg. Das funktioniert eigentlich ganz gut so.



popmonitor.berlin: Nach eigener Aussage macht Ihr „Ghostrock“, und als Referenzpunkte fallen viele große Namen. So ist zum Beispiel zu lesen: „MIO MYO klingen wie als hätte Conor Oberst mit The Prodigy rumgemacht. MIO MYO klingen wie eine Mixtur aus The Notwist, Radiohead und Arcade Fire.“ Nun ist „Ghostrock“ ein etwas nebulöser Begriff, und immer nur Vergleiche heranzuziehen, macht auf Dauer auch keinen Spaß. Wie also beschreibt Ihr Eure Musik wirklich mit eigenen Worten und (hier sind Namen erlaubt): Wer sind tatsächlich die größten Vorbilder und Referenzen?

Uwe: Ich denke schon, dass das Spaß macht. Weil es auch Spaß macht, abends vor der Bühne ein paar Leute vorzufinden. Nicht weil wir in der Presse auf große Namen aufgesprungen sind, sondern weil wir die Vergleiche gesammelt haben und nun dem Eventmagazin lesenden Hörer eine Vorstellung von dem geben können, was man von uns erwarten kann. Mann muss ja davon ausgehen, dass nicht nur Musiknerds auf Konzerte gehen. Wenn wir in der Stadt XY spielen und dort ein paar Zeilen über eine scheue Indieband zu lesen sind, welche sich nicht stilistisch festlegen möchte und ungreifbar und undefinierbar ein absolut neues Ding macht, dann kann man davon ausgehen, dass sich nicht zu viele angesprochen fühlen. Wir geben lediglich Orientierungshilfen. Erst dann, wenn eine Band größere Budgets in Aufklärungsarbeit investiert, um der Welt zu erzählen, wer und was sie ist, kann man auf Stützräder verzichten. Unsere Musik ist mit gängigen Begriffen wohl am besten durch „IndieElectroPop“ definiert.
Wir selber wollen, dass auf unserer Kiste „Ghostrock“ steht. Was das genau bedeutet, darf jeder für sich selbst herausfinden.

Benni: Also mit The Prodigy würd ich mich wirklich nie vergleichen, bei denen war ich mal in Amsterdam auf einem Konzert, da wär‘ fast die Tribüne zusammengebrochen. So eine Bass- und Lautstärkenwand müssen wir uns erst noch hart erarbeiten.

popmonitor.berlin: Vielleicht noch ein paar Worte zur Bandgeschichte, denn die offiziellen Informationen sind eher spärlich gesät. Wie habt Ihr zueinander gefunden? Auf welche Highlights in Sachen Livekonzerte könnt Ihr zurückblicken? Wie kommen Support-Gigs mit z.B. Werle & Stankowski oder SDNMT zustande? Macht Ihr Euer Booking komplett in Eigenregie oder könnt Ihr beispielsweise auf ein Netzwerk (in Berlin/Nürnberg) zurückgreifen?

Uwe: Benni und ich haben mal für die gleiche Agentur gearbeitet. Wir haben sehr schnell herausgefunden, dass es uns beiden eigentlich um Musik geht.
Mit Thomas spiele ich schon seit vielen Jahren zusammen. Wir beiden spielen auch bei MISCELLANEOUS. Das ist ein Noiserock-Projekt, wir haben 2 Scheiben bei 12 Pylons veröffentlicht. Michael Angerer kam zum ersten Mal als Akkordeonspieler zur ersten MIO MYO-Platte ins Studio.

Benni: Ich hatte vorher schon die Band MORGEN mit Anna-Luca Rademacher aus Köln und hab‘ das mal Uwe vorgespielt, es gefiel, also musste man natürlich was zusammen machen. Mit Werle & Stankowski bin ich befreundet, die sind so nett, einen hier und da mal mitzunehmen in die tolle große Welt da draußen. Ansonsten spielen wir in Nürnberg oft Supportgigs, da wir mittlerweile genügend junge gut aussehende Teenager aus der werberelevanten Zielgruppe ziehen.



popmonitor.berlin: Apropos Berlin/Nürnberg… Welche Bands aus diesen Städten mögt Ihr und möchtet Ihr uns und den Lesern ans Herz legen?

Uwe: The Robocop Kraus, Missouri, Coney Noise, Trinah, Seidenmatt

Benni: Bodi Bill, The Mother, The Son & The Holy Ghost, The Happy End, Morgen, Stadt, Land, Fluss, Miss Kenichi, Mondo Fumatore, The Monster Bronsons

popmonitor.berlin: Fünf Fragen – fünf (wenn möglich) kurze Antworten bitte:

1. MIO MYO ist ein guter Bandname, weil…:

Uwe: Er der einzige war, der nach 3 Monaten und nach vielen nervenaufreibenden Gesprächen übrig blieb. Millionen Muskel, Mein Muskel, Herzmuskel, Mein Herzmuskel, Millionen Herzen…

Benni: Ganz schlimme Zeit. Ich bin echt froh, nicht mehr über dieses Thema reden zu müssen.

2. Das erste gemeinsame Konzert war wann und wie lief es?

Uwe: Das war irgendwann 2005. Wir saßen damals noch auf Stühlen und haben mit Sounds experimentiert. Irgendwann kam der Veranstalter mit schmerzverzerrtem Gesicht auf die Bühne gestürmt und hat meinen Amp ausgeschaltet. „Hört auf, hört auf!“ haben sie geschrien. Ich glaube, die Leute waren einfach noch nicht soweit.

Benni: Ganz schlimm, echt Wahnsinn, dass wir weitergemacht haben.

3. Den Mauerfall habt Ihr wo und wie erlebt?

Uwe: Wir wurden 2 Jahre zuvor des Landes verwiesen. Ich war in einem Auffanglager und habe mich gefreut.

Benni: Ganz anders, im verwöhnten Bayern bei den Eltern auf der Couch vor der Glotze. Ich hab‘ mich natürlich auch total gefreut und weiter an meinem Cocktail geschlürft.

4. Ohne was (außer Musik) wäre Euer Leben nicht vorstellbar?

Uwe: Titten und Bier.

Benni: Und Thymian!

5. Für 2008 planen wir:

Uwe: Benni, was sagst du? … mehr Konzerte spielen, das wäre gut.

Benni: Yip, ach, und ein Video wird im Juni gedreht. Ich freu‘ mich schon auf die nächste Platte.

Danke für das Interview und alles Gute für den EP-Release und die anstehenden Konzerte!

[orange]MIO MYO spielen bei popmonitor.berlin.live am 16.05.2008 (+ VERY) im NBI (@ Kulturbrauerei): (with Members of Beige Gt / Gebr. Teichmann / Mio Myo / Seaside Stars / Sexo y Droga) + RAUMAGENT ALPHA (Festplatten) spielen live am 08.05.2008 in der Villa (Landsberger Allee 54).

www.miomyo.de
www.myspace.com/miscymusic

Fotos: © Sebastian Autenrieth / MIO MYO
Autor: [EMAIL=jana.schuricht@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der Website]Jana Schuricht[/EMAIL]

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