NITZER EBB, MOTOR und TERENCE FIXMER am 04.11.2006 im Columbiaclub


NITZER EBB auf Reuniontour: EBM und ELEKTRO in Reinstform.



Inzwischen hat ja der November schon sein wahres Gesicht gezeigt. So hieß es am Samstag bei Mistwetter im ausverkauften Columbiaclub saunieren. Den Anlass hierfür schufen die Altheroen des minimalistisch elektronischen Sounds von NITZER EBB, die zum letzten Deutschlandgig ihrer Reuniontour einluden. Dazu erhielten sie tatkräftige Unterstützung von MOTOR und TERENCE FIXMER.

TERENCE FIXMER, der mit seinen Sequenzerklängen bereits seit längerem auf sich aufmerksam macht, eröffnete das hochkarätige Abendprogramm. In EBM- Kreisen wurde der Ausnahmekünstler, der unter anderem schon für DJs wie Sven Väth Remixe produzierte, durch seine Zusammenarbeit mit DOUGLAS MCCARTHY (Frontmann von NITZER EBB) in dem Projekt FIXMERMCCARTHY bekannt. Diesen Abend präsentierte er sich jedoch als One-Man-Performance, was eher an den Auftritt eines Club-DJ’s erinnerte und dem eigentlich erhofften Live-Konzert-Flair in keinster Weise gerecht wurde. Musikalisch ging es dennoch richtig zur Sache. Titel wie ‚Warm‘ oder ‚Running after Time‘ wurden vom doch eher EBM-geprägten Publikum gebührend gewürdigt. Es war erstaunlich zu beobachten, wie dieser Mann es schaffte, die anwesenden Gäste in seinen Bann zu ziehen. Im Gesamtbild eine sehr nette Einstimmung in den Abend, auch wenn sein Gesang für meine Begriffe von den Soundsequenzen erdrückt wurde und eigentlich nur noch als Genuschel in der Halle ankam.

Mit MOTOR kam dann endlich die erhoffte Bewegung auf die Bühne, als drei musikalische „Chaoten“ in weißen Overalls bzw. in bedruckten T-Shirts mit Sprüchen wie „Sexpistols suck forever“ die Bühne stürmten und das Schrauben an den Sequenzern sowie das Bedienen elektronischen Schlagwerks zu einer schauspielerischen Höchstleistung machten. Besonders vordergründig natürlich die beiden Masterminds MR. NO und BRYAN BLACK, die sichtlich das Live-Feeling genossen. Auch wenn es musikalisch mehr in Richtung House ging, konnten Titel wie ‚Flashback‘ oder ‚Yak‘ das Publikum begeistern. Untermalt von interessanten Videoperformances (von mehr oder weniger sinnlosen Waldlaufbildern bis hin zu an alte PC-Fahrsimulationen erinnernde Crashfilmchen) bespaßten MOTOR für etwa 60 Minuten den Columbiaclub und hinterließen im Gesamtbild einen sehr positiven Eindruck. Titel wie ‚King of USA‘ haben eindeutig Ohrwurmcharakter. Bis dato kriege ich den markanten Refrain nicht aus meinen Gehörgang: „Black… Gay… King of USA“.
Die nächste Möglichkeit, MOTOR live zu erleben ist gar nicht so fern. Deshalb sei allen Interessierten ein Besuch am 25.11.06 im Maria am Ostbahnhof nur wärmstens empfohlen.

Das musikalische Highlight des Abends bildete die bereits 1982 begründete und inzwischen in die Hall of Fame des EBM eingegangene Formation NITZER EBB. Sehnsüchtig wurden sie vom Publikum erwartet und dann beim ersten Schritt auf die Bühne sofort gefeiert. Dabei war es schon erstaunlich, wie vielschichtig ihre Fangemeinde so aussah: vom Enddreißiger bis zu unbeharrten Elektrokidies. Aber was will man bei solchen lebenden Legenden des EBM schon erwarten.

Für ihre Reuniontour haben sich BON HARRIS und DOUGLAS MCCARTHY (Gründungsmitglieder) die hochkarätige Unterstützung von KOURTNEY KLEIN geholt, die dem einen oder anderen schon am Schlagwerk bei Combichrist aufgefallen sein dürfte.

Der Gig in Berlin war dabei für NITZER EBB der vorletzte der zu Pfingsten in Leipzig begonnenen Tour. Doch die vielen Meilen und Konzerte waren der Band kaum anzumerken. Routiniert und energiegeladen präsentierten NITZER EBB ein „Best of“ der Bandgeschichte und dass in einer Qualität, die das Bühnendebüt der Tour in Leipzig bei weitem übertraf. Fast möchte man sagen, dass die aus dem Ruhestand Zurückgekehrten eine Weile gebraucht haben, bis ihre Motoren wieder warm gelaufen sind.

Vor Freude über das Erlebte konnte kaum ein Besucher still stehen, und es schien, als würde der Columbiaclub zu einem riesigen Tanzkessel mutieren. Dabei schien es keine Rolle zu spielen, welchen Titel NITZER EBB präsentierten. Jeder Ton wurde gefeiert. Fast schien es, als hätten die Gäste die Lyriken von NITZER EBB schon mit der Muttermilch aufgesogen, denn sowohl bekanntere als auch unbekanntere Songs wurden zu Chorgesängen, frei nach dem Titel ‚Join in the chant‘.

Auch auf der Bühne bewiesen NITZER EBB, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören, vom artistischen auf Monitorboxen stehen bis hin zur Präsentation des durchgestählten Oberkörpers von DOUGLAS MCCARTHY. Im Gesamtbild eine durchaus überzeugende Show, die erst nach zwei Zugaben ihr Ende fand.

Also: vom Abend sehr positiv überrascht und überglücklich.
Bleibt nur zu hoffen, dass man NITZER EBB demnächst wieder in Berlin bewundern kann. Vielleicht mit neuem Material?

[URL“>http://www.nitzer-ebb.de
[URL“>http://www.myspace.com/nitzerebbmusic
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[URL“>http://www.myspace.com/motor66
[URL“>http://www.terencefixmer.com
[URL“>http://www.myspace.com/terencefixmer
[URL“>http://www.columbiaclub.de

Autor: [EMAIL=christoph.albrecht@b-i-b.de?Subject=Kontakt von der Website]Christoph Albrecht[/EMAIL]

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